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Erotische Anthologie

Ein Blick ins Schlafzimmer der anderen

Vom multi­sexuellen Jahrbuch "Mein heimliches Auge" aus dem Konkursbuch Verlag ist jetzt die 38. Ausgabe erschienen.


Seit der Nummer 3, die 1988 auf dem Höhepunkt der PorNo-Debatte herauskam, erscheint "Mein heimliches Auge" jährlich (Bild: Manuela Horny)
  • 24. Dezember 2023, 03:13h 3 Min.

Das erotische Jahrbuch "Mein heimliches Auge" ist in der 38. Ausgabe (Amazon-Affiliate-Link ) erschienen. Wie immer ein bunter Blumenstrauß aus Bild und Text, aktuelle und zeitlose Reflexionen rund um die Spielarten der Erotik – deutliche und geheimnisvolle Bilder, vielfältige Erzählungen, Gedichte, Berichte aus dem Liebesleben, Gespräche und Fotografie, Kunst und privates Material. Auf rund 400 Seiten geht es um Sex draußen, Sex im Sommer, Liebe und Eifersucht sowie Bondage, Sexarbeit, erste Male und vieles, vieles mehr. Ein offener Blick ins Liebesleben der Zeit. Wie immer zeigt das Jahrbuch sinnliche Vielfalt, die Mitwirkenden und Abgebildeten sind unterschiedlich alt und kommen aus unterschiedlichen Szenen. Es gibt viele fröhliche Beiträge und Nachdenkenswertes, Anregendes, Erregendes. Die Beiträge sind hetero, lesbisch, schwul, bi und trans – schubladenübergreifend.

Seit 1982 mit schwulen, lesbischen und trans Beiträgen


"Mein heimliches Auge 38" ist im Konkursbuch Verlag erschienen

Die bekannte Reihe erscheint jedes Jahr und enthält Witz und romantischen Ernst, Essays, Lyrik, zahlreiche bislang unveröffentlichte Bilder, Privatfotos, Gemälde und Zeichnungen. Eine Collage größtmöglicher Vielfalt der Sexualitäten, und der Arten, sie darzustellen in Text und Bild. Das "Heimliche Auge" kämpft für die Aufhebung der Schubladen, gegen das Berührungsverbot, für die Vielsprachigkeit. Inzwischen ist das "Heimliche Auge" ein "Klassiker" zeitgenössischer erotischer Kunst und Kultur. Spannend mitzulesen sind nach nunmehr bald 40 Jahren des Erscheinens die vielschichtigen kleinen Veränderungen im Umgang mit dem Thema. Auch spannend: immer wieder publizierten im "Auge" neben bereits bekannten AutorInnen und anderen Kulturschaffenden völlig unbekannte Autor*­innen oder Essayist*­innen, die später erst berühmt wurden, oft mit Erstveröffentlichungen, z.B. Alissa Walser, Thomas Hettche, Silvia Szymanski, Bodo Kirchhoff und Yoko Tawada.

Die erste Ausgabe setzte eine Lawine der Empörung in Gang


(Bild: Peter Schauwecker)

Seit 1982 erscheint die Anthologie "Mein heimliches Auge" im Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke in Tübingen. Claudia Gehrke und der Frankfurter Schriftsteller Uve Schmidt entwickelten gemeinsam die Idee, einen erotischen Bildband herauszugeben. Claudia Gehrke ging es von Beginn an darum, Frauen und dem weiblichen Blick ein Forum zu geben. Uve Schmidt wollte vor allem die "heimlichen Schubladen" seiner teils sehr bekannten Freundinnen und Freunde aus der Kunst- und Literaturszene öffnen und warf einen männlichen bzw. bisexuellen Blick auf die Einsendungen; die Verlegerin, Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen den weiblichen, lesbisch angehauchten. Das Layout übernahm der Buchgestalter und Maler Günter H. Seidel, der dem Auge das grafische Gesicht gab, das es mit wenigen Veränderungen noch heute hat. Seit Auswahl und Gestaltung digital möglich sind, und nachdem der Layouter gestorben war, wird dies von Claudia Gehrke und Verlagsmitarbeiterinnen in Tübingen übernommen. Uve Schmidt schrieb Jahr für Jahr seine Vorworte, in denen er einen zart-scharfen, ironischen Blick auf Ereignisse des jeweiligen Jahrs und auf Liebe, Sex und Erotik warf. 2020 wollte er sich mit seinem Vorwort verabschieden. Am 20. Mai 2021 ist er gestorben.

Seit der Nummer 3, die 1988 auf dem Höhepunkt der PorNo-Debatte herauskam, erscheint "Mein heimliches Auge" jährlich. Die Jahrbücher enthielten von Beginn an auch schwule, lesbische und trans Beiträge – das Wort "queer" war noch lange nicht gebräuchlich, "pansexuell" nannte Manuela Kay es in einer Besprechung. Neben vielen positiven Reaktionen stieß die Veröffentlichung auch auf Widerspruch, bereits die erste Ausgabe setzte eine Lawine der Empörung in Gang. Claudia Gehrke beteiligte sich an den Debatten mit eigenen Beiträgen, Publikationen sowie öffentlichen Auftritten und Veranstaltungen. Obwohl zwei Indizierungsverfahren zu dem Schluss kamen, dass das "Heimliche Auge" Kunst war, konnte und wollte sich die Staatsanwaltschaft einschalten, bis es dann 2001 zum Prozess kam. Weitere Informationen und Reaktionen dazu sind auf der Website des Verlags zu finden. (dd/pm)

Infos zum Buch

Claudia Gehrke (Hrsg.): Mein heimliches Auge. Das Jahrbuch der Erotik 2023/2024. Band 38. 388 Seiten. Konkursbuch Verlag. Tübingen 2023. Taschenbuch: 16,80 € (ISBN 978-3-88769-538-5)

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