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Jahresrückblick, Teil III

Die queeren Shooting Stars 2023 in Film und TV

Diese queeren Schauspieler*innen sorgten in den zurückliegenden zwölf Monaten für besonders viel Aufsehen – und werden sicherlich auch in Zukunft für ordentlich Furore sorgen.


Trans Schauspielerin Thea Ehre freut sich über ihren Silbernen Bären bei der Berlinale (Bild: IMAGO / APress)

2023 war ein gutes Jahr für ziemlich viele queere Stars, die schon seit ein paar Jahren auf dem Weg nach ganz oben sind. Colman Domingo empfiehlt sich mit seiner ersten großen Hauptrolle in "Rustin" gleich als Oscar-Anwärter, Ncuti Gatwa feierte das Ende von "Sex Education", eine Ken-Rolle in "Barbie" und startet nun als "Doctor Who" durch, Elliot Page wurde für seine Autobiografie gefeiert, Ben Aldridge war mit "Knock at the Cabin" und "Spoiler Alarm" gleich in zwei Kino-Hauptrollen zu sehen, Jonathan Bailey konnte seinen "Bridgerton"-Ruhm mit "Fellow Travelers" noch ausbauen, Clea DuValls erste selbst verantwortete Serie "High School" erwies sich als kleine Streamingperle und bei den Tony Awards wurden mit Alex Newell und J. Harrison Ghee gleich zwei nichtbinäre Bühnenstars ausgezeichnet.

Einige ihrer Kolleg*innen, für die das zurückliegende Jahr ein ganz besonders erfolgreiches war und nicht selten einen echten Karriere-Wendepunkt darstellte, wollen wir Euch hier kurz vorstellen. Unsere LGBTI-Shooting-Stars des Jahres.

Thea Ehre


Thea Ehre in "Bis ans Ende der Nacht" (Bild: Grandfilm)

So schnell kann es gehen: Weil die Schauspielkarriere erstmal nicht in Schwung kommen wollte, begann Thea Ehre als Plan B ein Studium der Theater- und Medienwissenschaften in Wien. Doch dann setzte sie sich beim Casting für Christoph Hochhäuslers queeren Noir-Krimi "Bis ans Ende der Nacht" durch – und wurde nach der Weltpremiere auf der Berlinale prompt mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Als erste trans Person überhaupt. Inzwischen ist fürs Studium keine Zeit mehr. Nach einem kleinen Auftritt in der Serie "Luden" ist die Österreicherin im neuen Jahr unter anderem in der dritten Staffel "Sløborn", einem "Tatort" und dem neuen Film von Tom Tykwer zu sehen.

Roger Ross Williams


Regisseur Roger Ross Williams (Bild: Montclair Film / wikipedia)

Als erster Schwarzer Filmemacher überhaupt gewann Roger Ross Williams 2010 den Oscar. Allzu viel Notiz nahm davon niemand, denn erstens findet die Kategorie "Bester dokumentarischer Kurzfilm" nie die größte Aufmerksamkeit, und zweitens stürmte seine mit ihm verkrachte Produzentin damals die Bühne und hielt an seiner Stelle die Dankesrede. 2023 gab es an Williams, der mit seinem holländischen Mann in Upstate New York und Amsterdam lebt, allerdings kein Vorbeikommen mehr. Als Regisseur verantwortete er nicht nur den tollen Spielfilm "Cassandro", sondern auch die Dokumentarfilme "Love to Love You, Donna Summer" und "Stamped From the Beginning" sowie die Serien "The 1619 Project" und "The Super Models".

Bella Ramsey


Bella Ramsey in "The Last of Us" (Bild: HBO)

Schon mit der ersten Rolle in den letzten Staffeln von "Game of Thrones" sorgte Bella Ramsey, doch den ganz großen Durchbruch brachte dieses Jahr die Hauptrolle in "The Last of Us". Die wütend-wehrhafte und obendrein queere Ellie an der Seite von Pedro Pascals Joel wurde zur ungewöhnlichsten Serienheldin des Jahres. In der zweiten Staffel, deren Dreharbeiten demnächst beginnen, ist Ramsey auch wieder dabei. Und bis dahin – obwohl selbst eigentlich nichtbinär – als beste Hauptdarstellerin in einer Drama-Serie für den Emmy nominiert.

Stephanie Hsu


Stephanie Hsu in "Joy Ride" (Bild: Leonine Studios)

Sagenhafte sieben Oscars gewann die schräge Fantasy-Actionkomödie "Everything Everywhere All at Once" im Frühjahr 2023, nur Stephanie Hsu ging leer aus und musste sich Kollegin Jamie Lee Curtis geschlagen geben. Doch allein die Nominierung bedeutete für die queere Kalifornierin einen vollen Erfolg. Anschließend war sie nicht nur in Nebenrollen in Serien "Poker Face" oder "American Born Chinese" zu sehen, sondern spielte auch eine der Hauptrollen in der sehr albernen, aber auch sehr witzigen Kinokomödie "Joy Ride". Und obendrein stand die 33-Jährige neben Ryan Gosling und Emily Blunt für die Großproduktion "The Fall Guy" vor der Kamera, die im Mai 2024 ins Kino kommen soll.

Patrick Güldenberg


Patrick Güldenberg als "Tatort"-Kommissar Robert Petersen (Bild: Radio Bremen / Jörg Landsberg)

Ein Newcomer mag Patrick Güldenberg in der deutschen Film- und Fernsehbranche nicht unbedingt sein. Doch die längste Zeit seiner schon mehr als zwei Jahrzehnte umfassenden Schauspielkarriere flog der 44-Jährige eher unter dem Radar. Dass sich das nun geändert hat, lag nicht nur an der schon seit 2022 laufenden Burgtheater-Inszenierung von "Engel in Amerika", zu deren Ensemble der Hamburger gehört. Sondern auch an seinem Auftritt als schwulem Kommissar in (bislang leider nur einer) Bremer "Tatort"-Episode. Außerdem wurde der mit Spielszenen angereicherte Dokumentarfilm "Nazijäger – Reise in die Finsternis", in dem Güldenberg den Mediziner Alfred Trzebinski spielte, für den International Emmy nominiert.

Lily Gladstone


Lily Gladstone in "Fancy Dance" (Bild: Confluential Films)

Schon seit längerem gehört Lily Gladstone zu den bekanntesten indigenen Schauspielerinnen der USA, etwa dank des Films "Certain Woman", wo sie sich in Kristen Stewart verguckte, oder durch Auftritte in Serien wie "Billions" und "Reservation Dogs". 2023 nun ließ sie in Martin Scorseses "Killers of the Flower Moon" sogar Filmehemann Leonardo DiCaprio alt aussehen – und gilt aktuell als große Oscar-Favoritin. In "Fancy Dance", der im neuen Jahr auch einen deutschen Kinostart bekommt, spielt sie dann auch endlich mal wieder eine queere Rolle. Und in der True-Crime-Serie "Under the Bridge" wird sie 2024 ebenfalls zu sehen sein.

Nathan Stewart-Jarrett


Nathan Stewart-Jarrett in "Femme" (Bild: Agile Films)

Seit über 15 Jahren steht Nathan Stewart-Jarrett bereits vor der Kamera, begeisterte in der britischen Heimat das Publikum mit Serien wie "Misfits" oder "Utopia" und übernahm auch immer wieder queere Rollen, sei es am Theater ("Angels in America"), im Fernsehen ("Soulmates", "Generation") oder im Kino ("Candyman"). 2023 gab es für den Londoner aber endlich auch mal längst verdiente Hauptrollen. Erst im großartigen Film "Femme" über die Rache einer Dragqueen, der seit der Berlinale-Premiere noch auf einen deutschen Kinostart wartet, und dann in der sehr kurzweiligen Thriller-Serie "Culprits", die aktuell auf Disney+ verfügbar ist.

Lorenz Hochhuth


Lorenz Hochhuth in "Drifter" (Bild: Salzgeber)

Erste Schauspielerfahrungen sammelte Lorenz Hochhuth bereits in seiner Jugend in Hamburg, später studierte er an der UdK in Berlin und ist seit seinem Abschluss 2021 festes Ensemblemitglied am Münchner Volkstheater. Inzwischen hat der 27-Jährige allerdings auch die Leinwand erobert. Erst war er beim Filmfestival von Locarno in "Und dass man ohne Täuschung zu leben mag" zu sehen, dann kam – nach gelungener Berlinale-Premiere -der fantastische "Drifter" von Hannes Hirsch ins Kino. Als Moritz, der sich im (queeren) Nachtleben Berlins mal zu verlieren, mal selbst zu finden scheint, legt Hochhuth eine facettenreiche Schauspiel-Tour de Force hin und empfiehlt sich unbedingt für mehr.

Mawaan Rizwan


Mawaan Rizwan (Bild: BBC)

Mag sein, dass der Name Mawaan Rizwan hierzulande noch eher wenigen Menschen etwas sagt. In Großbritannien, wo der gebürtige Pakistani seit seinem dritten Lebensjahr lebt, sorgte er allerdings schon in jungen Jahren als YouTuber für Aufsehen, stand als Komiker auf der Bühne und war in verschiedensten TV-Produktionen zu sehen, die von der Dokumentation "How Gay is Pakistan?" bis zu "The Great Celebrity Bake Off" reichten. Nach einer kleinen Rolle in "Sex Education" brachte der 31-Jährige 2023 mit "Juice" nun seine eigene, autobiografisch angehauchte Comedy-Serie an den Start, die er als Hauptdarsteller und Autor gleichermaßen verantwortete. Ein großer schwuler Spaß, von dem man nur hoffen kann, dass er auch in Deutschland bald zu sehen sein wird.

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Barbie Breakout


Barbie Breakout moderierte die erste Staffel von "Drag Race Germany" (Bild: Paramount Plus)

Lange war man gespannt, wer wohl die Moderation von "Drag Race Germany" übernehmen würde. In die Fußstapfen von RuPaul treten zu müssen, ist schließlich keine unbedingt kleine Aufgabe – und die Liste (semi-)prominenter Dragqueens hierzulande inzwischen gar nicht mehr so kurz. Am Ende fiel die Wahl etwas überraschend auf Autorin, Aktivistin und Podcasterin Barbie Breakout, deren Bekanntheitsgrad vergleichsweise bescheiden war. Für die Show erwies sich die Berlinerin als Glücksgriff: An der Seite von Gianni Jovanovic überzeugte sie mit Witz, Emotionen und politischen Verstand genauso wie mit famosen Outfits – und hatte den Laden fest im Griff. Daumen drücken also für eine zweite Staffel!

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30.12.23 | Jahresrückblick, Teil X
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29.12.23 | Jahresrückblick, Teil IX
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29.12.23 | Jahresrückblick, Teil VIII
Die 15 bedeutendsten Coming-outs des Jahres 2023
28.12.23 | Jahresrückblick, Teil VII
Tiefpunkte des Jahres 2023
27.12.23 | Jahresrückblick, Teil VI
Höhepunkte des Jahres 2023
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