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Jahresrückblick, Teil VI

Höhepunkte des Jahres 2023

Ein ereignisreiches Jahr auch für queere Menschen geht zu Ende. Wir stellen die zehn besten Geschichten und Entwicklungen von 2023 vor.


Eine Regenbogenfahne weht anlässlich des Berliner CSD vor dem Reichstagsgebäude (Bild: IMAGO / Bernd Elmenthaler)

Regierungswechsel in Polen: Rechter Spuk kann auch vorbeigehen
In diesem Jahr scheinen queerfeindliche Rechtspopulist*innen europaweit an Stimmen zu gewinnen. Dass dies aber keine zwangsläufige Entwicklung ist, zeigt Polen: Die PiS-Partei wurde im Oktober abgewählt, obwohl sie die Staatsmedien im Land kontrollierte und unter anderem jahrelang mit Queerfeindlichkeit zu punkten suchte. Die neue demokratische Regierung von Donald Tusk will nun den queerpolitischen Stau im Land auflösen und etwa Lebenspartnerschaften einführen. Ein Vorbild für Ungarn und Co.?


Donald Tusk ist neuer Regierungschef in Polen – und die queere Community atmet auf (Bild: EU2017EE Estonian Presidency / flickr)

CDU arrangiert sich langsam mit Gleichbehandlung Homosexueller
Aus der Union gibt es viele positive Zeichen, dass die Diskriminierungslust gegen Schwule und Lesben abnimmt. Zur Erinnerung: Drei Viertel der Parteien stimmten 2017 noch dafür, das Ehe-Verbot für gleichgeschlechtliche Paare beizubehalten. Inzwischen ändern viele Politiker*innen aber ihren Ton, so Ex-Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Auch bei der Frage, ob queere Menschen ausdrücklich im Grundgesetz vor Diskriminierung geschützt werden sollen, zeigt die CDU Bewegung. So erklärte der Berliner Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak, es gebe keine breite Ablehnungsfront mehr in der Union. Allerdings ist fraglich, ob der gerade auf Fundamentalopposition setzende CDU-Chef Friedrich Merz, der selbst gerne mit Homophobie seine Basis bedient, einer solchen Reform zustimmen wird. Und da sind leider auch noch die populistischen Versuche, die transfeindlichen Polemiken der AfD zu übernehmen, um die erzkonservative Basis nicht zu verprellen...

Und sie bewegt sich doch: Katholische Kirche erlaubt Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare
Kurz vor Weihnachten der Paukenschlag aus Rom: Das Segnungsverbot für gleichgeschlechtliche Paare, das der Vatikan in den letzten Jahren stets verteidigte, ist gefallen. Klar, der Vatikan hält Homosexuelle immer noch nicht für gleichwertig und spricht ihnen das Recht auf Ehe ab. Aber für die katholische Kirche ist das ein weltweit durchaus bedeutendes Zeichen und ein großer und schneller Schritt im historischen Vergleich. Schließlich brauchte die Kirche bis 1992 (!), um die Verurteilung des Astronomen Galileo Galilei (1564-1642) aufzuheben. Sein Vergehen: er hatte behauptet, dass sich die Erde und die Sonne dreht.

Lettland hat schwulen Präsidenten
Lettland gilt zwar nicht gerade als Paradies für queere Menschen. So liegt das Land in der Rainbow-Europe-Rangliste der LGBTI-Organisation ILGA-Europe nur auf dem 37. Platz und damit hinter den anderen baltischen Staaten – in der EU stehen mit Bulgarien, Rumänien und Polen nur drei Länder noch schlechter. Das hat Lettland aber nicht daran gehindert, dieses Jahr mit Edgars Rinkēvičs den ersten offen schwulen Staatschef zu wählen – und so die Akzeptanz zu erhöhen.

Spanien geht voran
Während das Selbstbestimmungsgesetz in Deutschland von Union, AfD und Feministinnen um Alice Schwarzer bis aufs Blut bekämpft wird, zeigen andere Staaten, wie es geht: Anfang des Jahres führte Spanien in einem umfassenden LGBTI-Paket die Selbstbestimmung für trans Menschen ein. Und siehe da: Es gab keine Horden "bärtiger Männer", die Frauensauen stürmten, und auch sonstige Vorhersagen der Trans-Feind*innen erwiesen sich als alberne Propaganda – wie übrigens zuvor in anderen Ländern wie Norwegen, Belgien und Dänemark, die bereits seit Jahren trans Menschen selbstbestimmt leben lassen.

Deutsche Hockey-Herren zeigen den Fußballern, wie es geht
Wer erinnert sich nicht an die Fußball-WM in Katar 2022, als sich die deutsche Nationalmannschaft genervt von der Debatte um die One-Love-Binde zeigte – und diese Debatte für das frühe Ausscheiden mitverantwortlich gemacht wurde. Wie es anders geht, zeigten dieses Jahr die Hockey-Herren: Ohne großes Tamtam legten sie die Regenbogen-Kapitänsbinde an. Und siehe da: Am Ende holte Deutschland den Titel.

Endlich deutsches Drag Race – und dazu auch noch richtig gut
2009 startete "RuPaul's Drag Race" in Amerika. 14 Jahre später gibt es endlich den deutschen Ableger mit Barbie Breakout und Gianni Jovanovic: Und die Show war – anders als der wenig geliebte Heidi-Klum-Versuch "Queen of Drags" aus dem Jahr 2019 – richtig gut! Schade ist nur, dass die Show nur auf Paramount+ zu sehen ist – und damit auf einem Streamingportal, das kaum jemand kennt.


(Bild: Paramount+)

Kim Petras erobert Amerika und die Welt
Trans Popsängerin Kim Petras erlebte 2023 einen geradezu kometenhaften Aufstieg.  Für ihre Kooperation mit Sam Smith beim Song "Unholy" wurde sie 2023 mit einem Grammy ausgezeichnet – als erste trans Frau in dieser Kategorie. Inzwischen ist die aus der Nähe von Köln kommende Künstlerin zum Cover-Star der "Vogue" geworden, veröffentlichte einen gemeinsamen Song mit Star-DJ David Guetta. Nächstes Jahr werden wir noch mehr von ihr hören: So wird sie im Frühjahr – gemeinsam mit der amerikanischen Pop-Rock-Band One Republic und der italienischen Electro-Formation Meduza – den offiziellen Song zur Fußball-EM der Herren in Deutschland veröffentlichen.

Erstes schwules Paar im Bundestag
Diese Meldung erreichte uns im Januar: Die beiden Bundestagsabgeordneten Sepp Müller (CDU) und Wolfgang Stefinger (CSU) sind ein Paar – und damit das erste offen gleichgeschlechtliche Paar im Hohen Haus. Vor zwei Jahrzehnten wäre eine solche Verbindung von zwei hochrangigen Unionspolitikern wohl noch unmöglich gewesen – damals klagte die Union bekanntlich selbst gegen das Lebenspartnerschaftsgesetz, weil sie gleichgeschlechtlichen Paaren jegliche Anerkennung verweigern wollte.


Sepp Müller (l.) und Wolfgang Stefinger sind ein Paar (Bild: Sepp Müller / twitter)

Deutsche Städte Top-Destinationen für queere Reisende
Auch wenn angesichts einer erstarkenden AfD Hass auf queere Menschen in Deutschland immer hoffähiger zu werden scheint: Deutsche Städte sind international gute Destinationen für queere Reisende. Berlin führt etwa vor London und Köln das diesjährige "TUI LGBTQIA+ Travel Ranking" an. Und beim "Sexually Liberal City Index" liegt Köln an erster Stelle – Berlin befindet sich hier immerhin auf Platz fünf.

Wöchentliche Umfrage

» Deine Aussichten fürs neue Jahr: Wie wird 2024?
    Ergebnis der Umfrage vom 25.12.2023 bis 01.01.2024
31.12.23 | Jahresrückblick, Teil XI
Die populärsten queer.de-Geschichten des Jahres 2023
30.12.23 | Jahresrückblick, Teil X
In Memoriam 2023
29.12.23 | Jahresrückblick, Teil IX
Die besten asiatischen Gay-Romance-Serien 2023
29.12.23 | Jahresrückblick, Teil VIII
Die 15 bedeutendsten Coming-outs des Jahres 2023
28.12.23 | Jahresrückblick, Teil VII
Tiefpunkte des Jahres 2023
27.12.23 | Jahresrückblick, Teil V
Die wichtigsten queeren Sachbücher 2023
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