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Heimkino

Ein Film voller fürchterlicher Menschen

Erotischer Thriller? Klassenkampfsatire? Queere Lovestory? Fantastisch gefilmte inhaltliche Leere? "Saltburn" ist von allem ein bisschen. Obwohl es im Grunde keinen sympathischen Charakter gibt, verfolgt man das eskalierende psychologische Drama erstaunlich gerne.


Meister der Manipulation: Oliver (Barry Keoghan, li.) verführt auch Farleigh (Archie Madekwe) (Bild: MGM / Amazon Studios)

Saltburn heisst das herrschaftliche Anwesen der schwerreichen, aristokratischen Familie Catton. Es ist eine Welt, die normalen Sterblichen üblicherweise verschlossen bleibt. Doch wir entdecken sie gemeinsam mit Oliver Quick, einem jungen Mann aus einfachen Verhältnissen, der beim ersten Betreten der fürstlichen Räumlichkeiten nur mehrfach ein staunendes "Wow" stammelt.

Oliver verbringt den Sommer 2007 auf Saltburn, eingeladen vom Sohn des Hauses, Felix Catton. Die beiden haben sich während des Studiums in Oxford kennengelernt – oder genauer: Oliver (Barry Keoghan) hat es so arrangiert, dass sie sich kennenlernen. Felix (Jacob Elordi) ist in Oxford das umschwärmte Zentrum eines Zirkels aus gut situierten Studierenden, bewundert wegen seines Reichtums, seines Charmes und seines fantastischen Aussehens.

Es ist ein Zirkel, zu dem der Stipendiat Oliver zunächst keinen Zugang hat. Doch dank der spontanen Hilfe in einer kleinen Notlage wird Felix auf ihn aufmerksam. Und als er dann von Olivers Familie hört (Mutter Alkoholikerin, Vater gerade bei einem Unfall verstorben), wirkt er fasziniert von diesem Wesen aus Verhältnissen, die ihm so fremd sind als käme Oliver vom Mars. Die beiden nähern sich an, misstrauisch beäugt von Felix' Cousin Farleigh (Archie Madekwe).

Opfer oder Täter?


Poster zum Film: "Saltburn" gibt es als Stream exklusiv bei Prime Video

Und so landet Oliver – scheinbar unverhofft – auf Saltburn und lernt auch noch den Rest der Catton-Familie kennen: die Eltern, die Schwester und einen anderen Hausgast namens Pamela, von der wir nur erfahren, dass sie gerade schwierige Umstände durchlebt und deshalb für eine Weile aufgenommen wurde. Schon bald ist klar: Die total abgehobenen, reichlich exzentrischen Cattons haben ein gewisses Faible für Menschen, die nicht aus ihrer Welt stammen; doch sobald ihr Interesse erlahmt, geht die Zeit für die Hausgäste auf Saltburn rasch zu Ende. Oliver erlebt diese Schlussphase bei Pamela und scheint wild entschlossen, dass ihm nicht dasselbe passiert.

Wie sehr er darüber hinaus in Felix verliebt ist, bleibt offen. Sexuell angezogen ist er auf jeden Fall, das wird spätestens klar, als er das Restwasser in der Badewanne aufschlürft, in der Felix sich kurz zuvor einen runtergeholt hat, von Oliver heimlich durch einen Türspalt beobachtet. Auch lernen wir auf Saltburn schon bald eine andere Seite des zu Beginn recht unschuldig wirkenden Studenten kennen: Oliver fängt an, einige Familienmitglieder gezielt zu manipulieren. Er umschmeichelt die Mutter, verführt die Schwester und schließlich auch Cousin Farleigh. Heikel wird es für ihn erst, als Felix herausfindet, dass die Geschichte, die Oliver ihm über seine Familie erzählt hat, ziemlich frei erfunden ist.

Und so bekommt die bisherige Zuneigung für den einzigen Sympathieträger inmitten all dieser fürchterlichen Menschen plötzlich Risse: Ist Oliver ein Wolf im Schafspelz? Nicht etwa das Opfer der ungleichen Verhältnisse auf Saltburn, sondern ein kühl kalkulierender Täter, der diese Verhältnisse zu seinen Gunsten ausnutzt?

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Eine queere Story, aber eher beiläufig

"Saltburn" ist großartig gefilmt; regelmässig umschmeichelt die Kamera die attraktiven Körper der Hauptfiguren, und es entsteht eine schwül-laszive Atmosphäre, in der sich die Machtbalance in den Beziehungen immer wieder neuformiert. Erst ganz am Schluss und nach einem kleinen Zeitsprung wird aufgelöst, was in jenem Sommer auf Saltburn tatsächlich passiert ist. Und welche überraschenden Konsequenzen sich für den Gewinner dieses subtilen Machtkampfs ergeben.

Das alles ist schön und unterhaltsam anzusehen, ein paar überraschende Wendungen und unerwartete Schockmomente inklusive. Queere Elemente gibt es zwar nur beiläufig, dafür haben sie es dann durchaus in sich. Klar ist, dass sich alle Beteiligten Chancen auf Filmpreise ausrechnen können, auch die britische Regisseurin und Drehbuchautorin Emerald Fennell, die schon für ihren Erstling "Promising Young Women" (2020) einen Oscar für das beste Original-Drehbuch gewann.

In Interviews ist sie zurückhaltend, was die Botschaft von "Saltburn" betrifft. Immerhin etwas jedoch klärt sie (in einem Gespräch mit "GQ"): "Aus meiner Sicht ist Oliver zutiefst verliebt in Felix. Er behauptet zwar zu Beginn, er sei es nicht, aber das ist offensichtlich eine Lüge. Der Film zeigt die Konsequenzen von unerwiderter Liebe. Hätte Felix ihn zurück geliebt, wäre das alles nicht passiert."

Infos zum Film

Saltburn. Thriller. USA 2023. Regie: Emerald Fennell. Cast: Barry Keoghan, Jacob Elordi, Rosamund Pike, Richard E. Grant, Alison Oliver, Archie Madekwe, Carey Mulligan. Laufzeit: 127 Minuten. Sprachen: englische Originalfassung, deutsche Synchronfassung. Untertitel: Deutsch (optional), FSK 16. Seit 22. Dezember 2023 exklusiv bei Prime Video
Galerie:
Saltburn
18 Bilder
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