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Gesellschaftliches Klima
Kroymann über Homophobie in Deutschland: "Wir werden als Bedrohung empfunden"
Die heterosexuelle und weiße Mehrheitsgesellschaft fühlt sich noch immer von queeren Menschen bedroht, beklagt Maren Kroymann. Dabei kritisierte sie Chef-Feministin Alice Schwarzer scharf.

Maren Kroymann beklagt, dass queere Menschen noch immer als Bedrohung empfunden werden. (Bild: rbb)
- 2. Januar 2024, 11:22h 3 Min.
Schauspielerin und Kabarettistin Maren Kroymann hat im Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Bezahlartikel) davon erzählt, dass es für ihren offenen Umgang mit ihrer Homosexualität in den Neunzigerjahren viel Gegenwind gegeben habe. "Nach meinem Coming-out war es ja schon etwas schwierig", sagte die 74-Jährige. Sie habe dann die Kurve aber noch noch gut gekriegt. "Ich hatte immer Rollen, zwar andere als vorher, aber es ging mir gut. Ich finde, ich habe mich tapfer gehalten, und ich war glücklich mit den Angeboten. Ich habe mich wieder zurückgekämpft, auch mithilfe meiner Bühnenprogramme, aber verbittert war ich nie", sagte sie.
Kroymann erzählte davon, dass der offene Umgang in der Mehrheitsgesellschaft problematisch gewesen sei – und noch immer ist: "Viele heterosexuelle, weiße Menschen, die sich als die Norm wahrnehmen, gönnen uns nicht das bisschen Anerkennung, das wir jetzt kriegen. Sie neigen sich zwar gnädig zu diesen Minderheiten, streichen ihnen über den Kopf und sagen, ich habe nichts gegen dich. Aber wenn diese Minderheit kommt und sagt, ich fordere die gleichen Rechte, ist es ein Schritt zu viel. Wir werden und wurden als Bedrohung empfunden." Sie mutmaßte, dass man ihr eher verziehen hätte, wenn sie gegen ihren Willen geoutet worden wäre. "Aber die Frechheit, es selbst zu tun, zu sagen, so bin ich, ist eine Provokation gewesen", sagte die zuletzt mit Preisen überhäufte Kabarettistin. Weiter erklärte die 74-Jährige: "Das aufgeklärte Frauenbild, das sagt, es ist egal, welche Sexualität ich habe, ist zurzeit wieder sehr bedroht, das macht mir Sorgen."
In dem Interview berichtete Kroymann auch über den Kampf, nach ihrem Coming-out heterosexuelle Rollen zu spielen. "Für mich war es ein großer, persönlicher Triumph, dass ich 2014 mit Walter Sittler in einem Film wieder einen heterosexuellen Love Interest spielen durfte. Das ist immer das Hauptproblem gewesen, weswegen sich in unserer Branche viele nicht geoutet haben, weil sie Angst hatten, dass sie dann nicht mehr besetzt werden", mutmaßte Kroymann.
Kritik an Alice Schwarzer
Die feministische Kabarettistin kritisierte auch die Transphobie von Star-Frauenrechtlerin Alice Schwarzer. "Wir sind immer dafür gewesen, dass man anders als die Norm leben kann. Aber Transidentität wird als Angriff empfunden", beklagte Kroymann. "Alice Schwarzer steht ja dafür, sie hat sehr viel erreicht, aber da folge ich ihr überhaupt nicht. Diese Menschen gehen einen ganz schweren Weg. Natürlich unterstütze ich sie." Bei diesem Thema werde viel mit Falschinformationen gearbeitet – etwa, dass sich nach dem geplanten Selbstbestimmungsgesetz schon 14-Jährige unkontrolliert operieren lassen könnten. Dabei behandelt dieses Gesetz nur den Geschlechtseintrag, aber nicht medizinische Fragen. "Das ist eine populistische, manipulative Erzählung", so Kroymann in Richtung Schwarzer. "Und es wird so getan, als wäre das die größte gesellschaftliche Bedrohung. Wieso ist das die Feindesgruppe?"
Das Erste zeigt seit März 2017 die Satiresendung "Kroymann". Die 20. Folge wird am Donnerstag um 23.45 Uhr ausgestrahlt. Im Anschluss zeigt der ARD-Hauptsender die Musikshow "In my sixties – Maren Kroymann mit Band", die bereits jetzt in der ARD-Mediathek erhältlich ist. (dk)













