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Anthologie
Neue Ausgabe von "Mein lesbisches Auge" erschienen
Die 23. Ausgabe des lesbischen Jahrbuchs aus dem Konkursbuch Verlag steht unter dem Motto "Einsamkeit".

"Mein lesbisches Auge" beinhaltet neben authentischer, unterhaltsamer, auch mal schräger Erotik auch Beiträge zu anderen aktuellen Themen aus dem lesbischen Leben (Bild: Camilla Storgaard)
- 6. Januar 2024, 09:02h 4 Min.
Die aktuelle, inzwischen bereits 23. Ausgabe des Jahrbuchs "Mein lesbisches Auge" (Amazon-Affiliate-Link ) ist dem Thema "Einsamkeit" gewidmet. Eine Sammlung von Erzählungen, Gedichten und Momentaufnahmen von heute und ein Blick in die Geschichte der Einsamkeit, auch in teils beinah verherrlichende Vorstellungen. Begleitet von Fotoserien mit elegisch-erotischen und romantischen Bildern von Anja Müller, Toni Karat, Lilith Terra, Camilla Storgaard und anderen. Auf über 200 Seiten wechseln sich Literatur, autobiografische und kurze Sachtexte und Bilder ab und verschmelzen miteinander.
Ein Viertel der über 18-Jährigen fühlt sich einsam

"Mein lesbisches Auge 23: Einsamkeit" ist als 320 Seiten starkes Softcover für 16,80 Euro erhältlich
Das Gefühl der Einsamkeit kennen wir vermutlich alle. Einsamkeit ist schambesetzt, weil niemand gern zugibt, sich einsam zu fühlen. Sie kann, phasenweise, in allen Altersgruppen auftreten, auch in der Kindheit oder in der naturgemäß melancholischen Jugend. Laut einer aktuellen Umfrage unter Menschen ab 18 fühlt sich ein Viertel einsam. Leben wir wirklich in einem "Zeitalter der Einsamkeit"? Wie war es in der Geschichte? Wie fühlt sich Einsamkeit an? Wie entsteht sie, wie hört sie auf? Wie unterscheidet sich Einsamkeit vom Alleinsein? Einsam unter anderen, in Liebesbeziehungen, in der Community. Einsamkeit allgemein und in queeren lesbischen Biografien. Und auf der anderen Seite "zu viel" – ständig aufeinander hocken, zu viel Nähe, Enge in Familie, Beruf, Beziehungen. Gern allein sein… Das sind nur einige der Aspekte, die im Buch aufgegriffen werden.
Für Redaktion, Themenstellung und Lektorat zeichnet Regina Nössler verantwortlich, die als freiberufliche Autorin und Lektorin in Berlin lebt. Ihre Veröffentlichungen wurden mit dem Deutschen Krimipreis und dem Stuttgarter Krimipreis ausgezeichnet. Die Bildredaktion übernimmt Verlegerin Claudia Gehrke. Regina Nössler war als Mitherausgeberin bereits an der ersten Ausgabe des lesbischen Auges beteiligt.
Die Reihe "Mein lesbisches Auge" wurde begründet von der feministischen Linguistin und Sexpertin Laura Méritt. Sie initiierte 2009 den "PorYes Award – Feminist Porn Award", der seitdem alle zwei Jahre verliehen wird, und wurde 2015 mit dem "Soul of Stonewall Award" für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.
Einblicke in das lesbische Lieben und Leben
Seit den frühen 1980er Jahren gibt der Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke in Tübingen die Anthologie "Mein heimliches Auge" heraus, die sich in Wort und Bild mit Erotik aller Art auseinandersetzt und längst Kultstatus genießt. Das multisexuelle Jahrbuch umfasst Beiträge verschiedener Generationen und unterschiedlicher sexueller Orientierungen. Der vielen guten Reaktionen auf die Reihe veranlassten den Verlag, zwei 'Kinder' herauszubringen: "Mein lesbisches Auge" (seit 1998) und "Mein schwules Auge" (seit 2003). Die erste Ausgabe von "Mein lesbisches Auge" war noch nicht nummeriert, sondern erschien als "Zwischennummer" XIIIa vor der Ausgabe Nummer XIII (13) von "Mein heimliches Auge" im Frühjahr 1998.

"Mein lesbisches Auge" wurde von der feministischen Linguistin und Sexpertin Laura Méritt begründet (Bild: Camilla Storgaard)
"Mein lesbisches Auge" enthielt von Beginn an neben authentischer, unterhaltsamer, auch mal schräger Erotik auch Beiträge zu anderen aktuellen Themen aus dem lesbischen Leben. Auch war es von Anfang an offen für gendervariierende Beiträge. Zarte, harte, heitere, brüllend komische, erregende und romantische Erzählungen, Glossen, Kurzessays, Sachtexte, Interviews, aktuelle Debatten und Einblicke in das lesbische Lieben und Leben. Die Ausgaben haben in den letzten Jahren größere thematische Schwerpunkte ganz allgemein rund ums lesbische* Leben erhalten. "Mein lesbisches Auge 21" widmet sich dem Thema "Herkunftsgeschichten". Darin erzählen die Autorinnen in autobiografischen Texten mit vielen Bildern aus ihrer Kindheit und Jugend, davon, wie sie lesbisch oder 'irgendwie anders' wurden, von ihren ersten Verliebtheiten, ersten Malen und darüber, wie es war, als lesbische/queere Jugendliche an den verschiedenen Orten weltweit aufzuwachsen. In "Mein lesbisches Auge 22" geht es um "Arbeit", welche das ganze Leben durchzieht und in ihren vielen Facetten in Texten und Bilder dargestellt wird. Die Autorinnen berichten von der Arbeit in verschiedensten Bereichen – und vom Jonglieren zwischen Brotjob auf der einen und Herzenstätigkeit auf der anderen Seite.

"Mein lesbisches Auge" erscheint seit 1998 im Konkursbuch Verlag (Bild: Camilla Storgaard)
Die älteren Ausgaben bleiben lieferbar, vieles darin lässt sich lesen wie neu, zugleich werden sie zum Archiv lesbischen Lebens und Liebens. Es finden sich Original-Beiträge bekannter und debütanter Autorinnen, Fotografinnen und Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen sowie biografische Gespräche und Essays, Sachtexte über Sextechniken und Körper.
Im Buchladen Eisenherz Berlin fand zum neuen Heft zuletzt im November 2023 die Ausstellung "Mein lesbisches Auge" statt (queer.de berichtete). Es wurden Werke von Künstlerinnen wie Anja Müller, Camilla Storgaard, Jo Pollux, Goodyn Green, Lilith Terra und Martina Minette Dreier gezeigt, die im lesbischen Auge erschienen sind und den lesbischen und auch erotischen Blick eingefangen haben. (dd/pm)
Laura Méritt (Hrsg.): Mein lesbisches Auge 23: Einsamkeit. Mit Beiträgen u.a. von Waltraud Schwab, Malou Berlin, Sabine Brandl, Lilli Limonius, Julia Dankers und Ulrike Voss. 320 Seiten. Konkursbuch Verlag. Tübingen 2023. Taschenbuch: 16,80 € (ISBN 978-3-88769-923-9)
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