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"Tagesspiegel"-Interview
Ulrike Folkerts beklagt Diskriminierung queerer Schauspieler*innen
Die langjährige "Tatort"-Kommissarin beklagt, dass in deutschen Filmproduktionen beim Thema Akzeptanz noch immer Luft nach oben sei.

Ulrike Folkerts spielt seit 1989 Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal im Ludwigshafener "Tatort" (Bild: SWR / Alexander Kluge)
- 8. Januar 2024, 11:53h 2 Min.
Die lesbische "Tatort"-Schauspielerin Ulrike Folkerts hat in einem "Tagesspiegel"-Interview (Bezahlartikel) beklagt, dass queere Schauspieler*innen noch immer diskriminiert werden würden. "Wir brauchen Vorbilder und mehr Sichtbarkeit von LGBTQIA+", forderte die 62-Jährige. "Mich hat erschreckt, dass wir über 20 Jahre nach meinem Outing in unserer Branche nicht von Toleranz sprechen können, sondern immer noch diskriminiert werden. Um so wichtiger war dieses Manifest der 185 Schauspielerinnen und Schauspieler, damit sich langfristig etwas ändert. Diversität ist nun deutlich sichtbarer im öffentlich-rechtlichen Fernsehen."
Auf die Nachfrage, ob queere Schauspieler*innen heute wirklich benachteiligt werden, antwortete Folkerts: "Es gibt Gerüchte, dass uns das schadet. Entscheidungen über Besetzungen werden hinter verschlossenen Türen gefällt. Ich möchte darüber nicht nachdenken, sondern aufgrund meiner Arbeit und schauspielerischen Fähigkeit besetzt werden."
Queere Handlungen in Filmen und Serien wirkten zudem heute noch immer "ein bisschen zu aufgesetzt und drüber gestülpt". Folkerts: "Diversität ist wichtig, aber sie muss eine Selbstverständlichkeit bekommen, dass wir beim Schauen gar nicht mehr darüber nachdenken müssen." Als positives Beispiel für die Darstellung queerer Menschen nannte sie die amerikanische Netflix-Serie "Ginny & Georgia".
"Meine Angst war tatsächlich, dass ich meinen Job verlieren könnte"
Das Bekanntwerden ihrer eigenen sexuellen Orientierung im Jahr 1999 sei eher ein Versehen gewesen: "Ich saß in der Jury eines schwul-lesbischen Songcontests – da wurde die Yellowpress hellhörig und stellte die Frage in den Raum, ob ich lesbisch sei? Meine Angst war tatsächlich, dass ich meinen Job verlieren könnte, aber der SWR hat sich sofort hinter mich gestellt. Außerdem wollte ich meine Familie beschützen, die nun mit dieser Schlagzeile umgehen musste. Alles nicht sehr schön damals. Ich entschied mich für die Flucht nach vorn und sprach sehr viel über mein Lesbischsein, unter dem Motto: Na und?!"
In dem Interview verteidigte Folkerts auch das Gendern: "Ich finde es gut und es macht mir Spaß, auch wenn ich weiterhin üben muss, schließlich habe ich Jahrzehnte nicht gegendert, es ist neu und manchmal etwas holprig." Zuletzt hatten mehrere Schauspieler*innen, darunter Katrin Sass und der schwule Darsteller Jaecki Schwarz, die Nutzung geschlechtergerechter Sprache kritisiert. (cw)













