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Republikanischer Vorwahlkampf
DeSantis: "Disney vertranst Kinder"
In der neuesten Präsidentschaftsdebatte in den USA hat sich der Ton gegenüber trans Menschen noch einmal verschärft: Ron DeSantis und Nikki Haley streiten darüber, wer trans Menschen mehr hasst.

Ron DeSantis mit Ehefrau und Kind: Am Rande der CNN-Debatte versuchte der Gouverneur von Florida so zu zeigen, dass er ein bekennender Heterosexueller ist (Bild: IMAGO / USA TODAY Network)
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11. Januar 2024, 09:30h 3 Min.
Der republikanische Präsidentschaftskandidat Ron DeSantis hat sich bei einer vom Nachrichtensender CNN organisierten Vorwahl-Debatte in Des Moines (US-Bundesstaat Iowa) am Mittwochabend (Ortszeit) erneut mit transfeindlicher Rhetorik profiliert. So warf der Gouverneur von Florida dem Konzern Disney vor, Kinder zu "vertransen". Neben DeSantis war nur die Präsidentschaftskandidatin Nikki Haley bei der Debatte dabei, die ebenfalls trans Menschen als Gefahr darstellte.
Der in Umfragen weiterhin mit großen Abstand führende republikanische Bewerber Donald Trump weigerte sich erneut, an der Debatte teilzunehmen. Andere Bewerber haben sich wegen fehlender Unterstützung nicht für eine Teilnahme qualifiziert, darunter auch Vivek Ramaswamy, der in einer vorhergehenden Debatte Trans-Identität als "psychische Störung" bezeichnet hatte (queer.de berichtete).
"Die korrekte Rolle der Regierung ist es, Kinder zu schützen", erklärte DeSantis. "Es ist falsch, den Lehrplan zu sexualisieren. […] Es ist falsch, einem Kindergartenkind zu sagen – wie Disney es tun wollte – dass man sein Geschlecht ändern kann, oder einem Drittklässler zu sagen, dass er im falschen Körper geboren wurde." Daraufhin kritisierte er Haley, weil die ehemalige Gouverneurin von South Carolina Disney in ihren Heimatstaat eingeladen habe, "obwohl sie daran beteiligt waren, Kinder zu vertransen". Ferner behauptete er: "Nikki Haley wird jedes Mal vor dem woken Mob einknicken."
/ troyottsDesantis accuses Disney of transing [sic] kids. Imagine thinking a few read-between-the-lines-only queer-coded characters over a 100-year history amounts to any affirmative support of the queer community at all. Its hard to fathom being this out of touch with reality. https://t.co/cRuZ4vpGLG
Troy (@troyotts) January 11, 2024
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Haley: "Disney ist schon seit langer Zeit woke"
Haley betonte daraufhin, dass sie ebenfalls trans Menschen nicht akzeptiere. Auch sie kritisierte deshalb den Micky-Maus-Konzern: "Disney ist schon seit langer Zeit woke", sagte Donald Trumps frühere UN-Botschafterin. DeSantis habe Disney hingegen "eine der größten Subvention in der Geschichte Floridas gewährt".

(Bild: Screenshot Youtube / CNN)
Am Montag wird der Vorwahlkampf-Marathon der Republikaner im Agrarstaat Iowa losgehen: Die Parteimitglieder in dem 3,2 Millionen Einwohner*innen zählenden Bundesstaat können dann über ihren Kandidaten oder ihre Kandidatin für die Präsidentschaftswahl im November abstimmen. Trump führt hier mit großen Vorsprung, Haley und DeSantis streiten sich um den zweiten Platz. Eine Woche später wird dann die Vorwahl in New Hampshire stattfinden, bei der Trumps Vorsprung vor Haley laut einer neuen Umfragen nur wenige Prozentpunkte beträgt und DeSantis abgeschlagen ist. Die Vorwahl-Saison läuft bis Mitte Mai, allerdings wird erwartet, dass der Sieger oder die Siegerin schon früher feststeht.
Geschichte wiederholt sich
Die transfeindliche Rhetorik im republikanischen Vorwahlkampf erinnert an einen anti-homosexuellen Kreuzzug vor 20 Jahren unter George W. Bush, als viele Konservative glaubten, dass erwachsene Schwule Kinder schwul machen könnten. Inzwischen haben sich die Umfragen allerdings verändert, auch weil sich inzwischen mehr Schwule und Lesben geoutet haben und viele Konservative heute Homosexuelle persönlich kennen. Die Rolle des "bösen Kinderverführers" wird daher jetzt trans Menschen zugewiesen.
Für die Demokraten will erneut Joe Biden antreten. Der 81-Jährige wird auch von der größten queeren Organisation der USA unterstützt (queer.de berichtete). Wettbüros sehen derzeit den 77-jährigen Trump in der Favoritenrolle.















