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Gabriel Attal
Antisemitismus und Homophobie gegen Frankreichs neuen Premierminister
Kaum ernannt, schon wird der neue französische Regierungschef wegen seiner Homosexualität und seinen jüdischen Wurzeln angefeindet.

Gabriel Attal strahlte am Dienstag nach seiner Ernennung zum Premierminister (Bild: IMAGO / ABACAPRESS)
- 11. Januar 2024, 15:45h 3 Min.
Nach der Ernennung des neuen französischen Premierministers Gabriel Attal haben mehrere Organisationen eine Welle antisemitischer und schwulenfeindlicher Kommentare im Internet angeprangert. Der jüdische Studierendenverband UEJF forderte am Donnerstag Sanktionen gegen die Urheber*innen hasserfüllter Online-Kommentare. Der jüdische Dachverband Crif erklärte, die Autor*innen hasserfüllter Kommentare beurteilten den neuen liberalen Regierungschef offenbar "ausschließlich nach seiner sexuellen Orientierung und der Herkunft seines Namens".
"Für alle Anhänger der Republik ist er der Premierminister und nichts anderes", betonte der Crif. Attal hatte in der Vergangenheit gesagt, dass er bereits in der Schulzeit wegen seiner Homosexualität angefeindet worden sei und auch wegen seiner jüdischen Familie angegriffen werde. "Ich habe mir da einen Panzer zugelegt", sagte er im November.
Attals Vater stammt aus einer jüdischen Familie mit Wurzeln im Elsass und in Tunesien, während seine Mutter christlich-orthodox ist. Der Name Attal ist ein typisch sephardischer Name, er kommt aus dem Arabischen und bedeutet Lastenträger. Attal sagte in einem Interview mit der Zeitung "Libération", sein Vater habe ihn gewarnt, dass er wegen seines Namens mit antisemitischen Anfeindungen rechnen müsse, auch wenn er selbst christlich-orthodox sei.
/ GabrielAttal | Attal bedankt sich für Glückwünsche von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und spricht sich für ein "stärker geeintes Frankreich und Deutschland" ausMerci pour vos mots cher Olaf.
Gabriel Attal (@GabrielAttal) January 10, 2024
Une France et une Allemagne toujours plus unies, c'est une Europe toujours plus forte et qui avance.
Bis Bald! https://t.co/xC221lsExT
Wegen der strengen Trennung von Kirche und Staat ist die Religionszugehörigkeit von Politiker*innen in Frankreich ein Tabuthema. Die Teilnahme von Emmanuel Macron an einer Papstmesse sowie einer jüdischen Zeremonie im vergangenen Jahr löste jeweils heftige Debatten aus.
LGBTI-Organisation erwartet mehr Einsatz gegen Queerfeindlichkeit
Die LGBTI-Organisation "SOS homophobie" äußerte die Hoffnung, dass Attal vermehrt Anstrengungen gegen die ansteigende queerfeindliche Gewalt unternimmt. Bislang war er in seiner politischen Laufbahn wenig mit Queerpolitik in Berührung gekommen. "SOS"-Chef Joël Deumier verwies in der "Huffington Post" auch darauf, dass in den Vorgängerregierungen einige queerfeindliche Minister*innen vertreten gewesen seien (queer.de berichtete).
/ SOShomophobiece sont les actes et les politiques menées : nous attendons un Gouvernement qui prend à bras le corps la question des violences et des agressions contre les personnes #LGBTI, et agisse concrètement pour légalité des droits (2/2)
SOS homophobie (@SOShomophobie) January 9, 2024
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Frankreich könnte noch am Donnerstag erfahren, wer in der neuen Regierung sitzt: Der frisch ernannte Regierungschef traf nämlich am Donnerstag erneut mit Präsident Emmanuel Macron zusammen, um die Personalien zu besprechen. Es wird damit gerechnet, dass die wichtigsten Ministerinnen und Minister am späten Nachmittag ernannt werden. Am Freitagvormittag könnte das neue Kabinett dann erstmals zusammentreten.
Macron trennt sich wohl von schwulem Minister
Es gilt als wahrscheinlich, dass Macron sich von Regierungsmitgliedern trennt, die das verschärfte Einwanderungsgesetz kritisiert hatten. Dazu zählt etwa auch der offen schwule Verkehrsminister Clément Beaune (queer.de berichtete).
Attal hat eine Blitzkarriere hinter sich: Seit er mit 29 Jahren als Staatssekretär für Jugend in die Regierung eintrat, wurde er Regierungssprecher, beigeordneter Haushaltsminister und vor einem knappen halben Jahr schließlich Bildungsminister. In diesem Amt setzte er ein Verbot der von manchen muslimischen Mädchen getragenen langen Überkleider an Schulen durch. Außerdem sprach er sich für das probeweise Einführen von Schuluniformen aus – beides Anliegen, die vor allem der rechten Wählerschaft gefallen sollten.
Der 34-jährige Attal war mit Stéphane Séjourné, dem Fraktionsvorsitzenden der liberalen Gruppe Renew Europe im Europaparlament, liiert. Die beiden gingen 2017 einen inzwischen aufgelösten "Zivilen Solidaritätspakt" (PACS) ein. Dabei handelt es sich um eine 1999 eingeführten "Ehe light", die sowohl gleich- als auch verschiedengeschlechtlichen Paaren offen steht. (AFP/dk)














