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TV-Tipp
ZDF-Doku zeigt drei ergreifende Schicksale von queeren NS-Opfern
Verfolgt, verhaftet und ermordet: Der Dokumentarfilm "Verbotene Liebe – Queere Opfer der NS-Diktatur" zeigt mit prominenter Unterstützung, was es bedeutet hat, als queere Person Staatsfeind der Nazis zu sein.

Illustration zum Dokumentarfilm "Verbotene Liebe – Queere Opfer der NS-Diktatur" (Bild: ZDF)
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13. Januar 2024, 08:20h 4 Min.
Ab dem 16. Januar präsentiert die ZDF-Mediathek einen gelungenen Film über das Leben der LGBTI-Community während der Zeit des Nationalsozialismus. Am 27. Januar, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, wird die Doku auch auf ZDFinfo ausgestrahlt.
Die rund 45-minütige Doku von Sebastian Scherrer zeigt, wie die Nazis Strafen verschärften und queere Menschen terrorisierten. Hierfür werden nicht nur die Schicksale der drei queeren Protagonist*innen Elli Smula, Liddy Bacroff und Rudolf Brazda beleuchtet, sondern auch Stimmen von Historiker*innen und bekannten Gesichtern eingeholt.
Prominente Unterstützung durch Jannik Schümann
Ein solches Gesicht, das mittlerweile den meisten Menschen bekannt sein dürfte, ist Jannik Schümann. Denn der offen homosexuell lebende Schauspieler brilliert nicht nur in der Rolle des Kaisers Franz in "Sisi" (RTL+), sondern trat anlässlich einer Gedenkstunde für queere NS-Opfer bereits als Redner im Deutschen Bundestag auf.
Über die Ereignisse in der ZDF-Doku sagt er: "Das sind alles Schicksale, die gehört werden müssen." Schließlich seien die Geschichten der homosexuell Verfolgten bisher "so einfach noch nicht an die Öffentlichkeit gekommen."
Neben dem "Die Mitte der Welt"-Star sind auch die Aktivistinnen Julia Monro und Kerstin Thost von der Partie. Allerdings kommentieren sie die Geschehnisse nicht nur, vielmehr begeben sie sich auf Spurensuche in Archiven und sprechen mit verschiedenen Historiker*innen.
Die Doku drängt die Protagonist*innen in keine Opferrolle
Alle drei übernehmen für jeweils eine*n der Protagonist*innen eine "Patenschaft", um über deren Schicksale aufzuklären. Hier wären zum einen Elli Smula, die als lesbische Frau verfolgt wurde, und zum anderen Liddy Bacroff, die als "Transvestit" von den Behörden schikaniert wurde, sowie Rudolf Brazda, der wegen seiner Homosexualität im KZ Buchenwald inhaftiert wurde.
Über 50.000 queere Menschen wurden damals nachweislich verfolgt, viele davon unterdrückt, eingesperrt oder ermordet. Doch so grausam die NS-Zeit für LGBTI auch war, beweist die Doku, dass manche es trotz widrigster Umstände geschafft haben, ihre Identität auszuleben und sich in der NS-Zeit zu behaupten.
Und obwohl die Protagonist*innen faktisch zu "Opfern" des NS-Regimes wurden, werden sie in der Dokumentation deshalb nicht in einer "Opferrolle" präsentiert, sondern als selbstbewusste Menschen, die sich von dem NS-Regime nicht verändern lassen wollten.

Homosexuelle Häftlinge wurde im KZ mit einem "Rosa Winkel" gekennzeichnet (Bild: ZDF)
Auch weitere Schicksale während der NS-Zeit werden thematisiert
Neben den Ereignissen rund um Smula, Bacroff und Brazda werden auch weitere Schicksale aus der NS-Zeit beleuchtet, wie etwa jenes von SA-Führer Ernst Röhm. Im Auftrag von Adolf Hitler wurde der homosexuelle Offizier 1934 ermordet.
Doch auch an Magnus Hirschfeld, der sich als Sexualforscher für die Entkriminalisierung von Homosexualität einsetzte, wird gedacht. Für sein Bestreben wurde er vom NS-Regime u. a. mit der Stürmung seines Instituts abgestraft.
Der richtige Grad zwischen persönlichen Geschichten und Aufklärung
Die ZDFinfo-Dokumentation schafft es, den richtigen Grad zwischen der Erzählung der persönlichen Schicksale und der faktischen Aufklärung über die NS-Zeit zu finden. So werden neben den Protagonist*innen auch historische Dokumente gezeigt, aus denen erschütternde Beweise hervorgehen.
Sexuelle Handlungen zwischen Männern wurden damals als "Unzucht" bezeichnet, Homosexualität als "Volksseuche". Durch den sogenannten "Rosa Winkel" wurden homosexuelle Männer im KZ öffentlich stigmatisiert. Die tschechische Holocaust-Expertin Anna Hájková fasst dies treffend zusammen: "Queere Menschen verkörperten alles, was die Nazis hassten."
Und auch die prominenten Gesichter und Aktivist*innen finden stets die richtigen Worte, äußern Kritik oder stellen berechtigte Fragen. Schließlich finden sich auf einigen der Stolpersteinen beispielsweise Deadnames von verstorbenen trans Personen, was diese denunziert.
Abschließend wird auf die heutige Situation von queeren Menschen Bezug genommen, denn der Hass nehme wieder zu. Deshalb endet die Dokumentation auch mit einem eindrücklichen Satz: Liebe solle nie wieder ein Verbrechen werden.
Verbotene Liebe – Queere Opfer der NS-Diktatur. Dokumentarfilm. Deutschland 2023. Buch und Regie: Sebastian Scherrer. Mitwirkende: Leon Rüttinger, Olivia Purka, Marion Hillebrandt, Jannik Schümann, Kerstin Thost, Julia Monro. Erstaustrahlung am Samstag, den 27. Januar 2024 um 21 Uhr auf ZDFinfo. Bereits ab Dienstag, den 16. Januar 2024 um 5 Uhr fünf Jahre in der ZDF-Mediathek
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