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Interview

Braucht es Mut für queere Rollen in Polen, Hubert Milkowski?

In "Norwegian Dream" verliebt sich ein polnischer Arbeiter in einer norwegischen Fischfabrik in den offen schwulen Sohn des Chefs. Nach "Operation Hyakinthos" ist dies die zweite queere Rolle für den 24-jährigen Hubert Milkowski.


Hubert Milkowski im Spielfilm "Norwegian Dream", der aktuell in der Queerfilmnacht läuft (Bild: Salzgeber)

Hubert Milkowski studiert Schauspiel an der Staatlichen Hochschule für Film in Łódź – und konnte in Polen bereits mehrere Rollen in Filmen und Serien ergattern. Nach "Operation Hyakinthos" (2021) ist er im Spielfilm "Norwegian Dream", der in diesem Monat in der Queerfilmnacht läuft und am 1. Februar regulär im Kino startet, nun erneut in einer queeren Rolle zu sehen (Filmkritik von Fabian Schäfer). Wir hatten Gelegenheit, uns mit dem 24-Jährigen über den Film zu unterhalten.

Wieviel haben Sie mit der Person, die Sie in "Norwegian Dream" spielen, gemeinsam?

Zu Beginn vermeide ich möglichst, über Gemeinsamkeiten mit meiner Rolle nachzudenken. Ich versuche, mich einfach auf das Drehbuch zu konzentrieren und darauf, was die Geschichte braucht und was die Figur mag. Natürlich werden immer einige Aspekte von mir auf die Figur übertragen, aber das sind keine echten Gemeinsamkeiten.


Poster zum Film: "Norwegian Dream" startet am 1. Februar 2024 im Kino und ist im Januar bereits in der Queerfilmnacht zu sehen

Was interessierte Sie an dieser Geschichte eines polnischen Jungen, der nach Norwegen geht, um seinen Traum zu finden?

Ich habe Robert von Anfang an als eine Figur gesehen, die von allen Seiten von Problemen umgeben ist. Er muss sich erwachsener verhalten als er ist, weil er für seine Familie sorgen muss. Andererseits wirkt er kaum erwachsen, wenn man sieht, wie die Mutter ihm eine Falle stellt. Er versucht, sich in einem neuen Land wohl zu fühlen, was aber nicht so einfach ist, wenn man Wirtschaftsmigrant ist. Robert versucht oft, sich zu verstecken, aber er öffnet sich auch für diese Romanze. All diese Widersprüche sind spannend für einen Schauspieler.

Sie haben in "Operation Hyakinthos" auf Netflix bereits eine schwule Figur gespielt. Braucht es in Polen besonderen Mut für solche Rollen, oder ist das alles normal?

Ich weiß nicht, ob es mutig ist, eine schwule Figur zu spielen. Zumindest in den Städten ist das nicht der Fall. Mich hat noch nie jemand belästigt, weil ich eine queere Rolle spiele. Es gab nie hasserfüllte Reaktionen. Diese Figur ist ja nur der Job eines Schauspielers. Da ist es vielleicht viel mutiger, offen schwul zu sein und Hand in Hand auf die Straße zu gehen.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zu "Norwegian Dream"
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Es gab in Deutschland vor zwei Jahren ein öffentliches Coming-out von 180 Schauspielenden auf dem Titel eines Magazins. Wäre das in Polen auch möglich?

Schwer zu sagen. Die Schauspielgemeinschaft in Polen ist nicht besonders so groß. Die meisten von ihnen kenne ich irgendwie. Die sexuelle Orientierung ist in den meisten Fällen nicht so sehr ein Geheimnis. Wobei das Thema für die jüngere Generation ohnehin nicht so wichtig ist wie für die Älteren. Bei uns gibt es nicht dieses Bedürfnis, der Welt seine sexuelle Identität zu erklären. Für ältere queere Menschen hat das Outing sicher eine größere Bedeutung.

Lassen Sie uns über Sex sprechen. Es gibt einige intime Szenen in dem Film. Welche Rolle spielt für Sie dabei ein Intimacy-Coach?

Mit "Operation Hyazinth" waren wir der erste polnische Film, der einen Intimacy-Coach beim Dreh dabei hatte. Ich glaube, dass dieser Beruf von Netflix für den polnischen Markt eingeführt wurde. Ich finde das eine gute Verbesserung, weil es Schauspielern ein Gefühl der Sicherheit gibt, insbesondere wenn sie noch am Beginn ihrer Karriere stehen.

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Mit welchen Gefühlen sehen Sie sich selbst auf der Leinwand?

Es ist schon seltsam. Ich erinnere mich bei den Bildern meistens daran, was in diesem Moment am Set passiert ist. Es fällt mir also schwer, den Film einfach nur anzuschauen wie andere Zuschauer es tun. Vielleicht werde ich mit der Zeit mehr Abstand gewinnen. Dann wird es hoffentlich einfacher für mich, Szenen beim Betrachten auch zu genießen.

Wie sehen Ihre Karrierepläne aus? Polen oder lieber internationale Filme?

Ich bin glücklich in Polen und betrachte meine Heimat als meinen Hauptmarkt. Ich möchte Teil unserer Kultur sein und eine Verbindung zu meinen Landsleuten finden. Auf der anderen Seite würde ich mich gerne an internationalen Produktionen beteiligen, weil man dadurch Einblicke bekommt, wie andere Leute arbeiten. Für mich waren die drei Monate in Norwegen eine wunderbare Erfahrung. Weil der Film auf Festivals eingeladen wurde, bot mir das auch Gelegenheit zu reisen – und in andere Länder zu reisen gefällt mir ausgesprochen gut.

Infos zum Film

Norwegian Dream. Drama. Norwegen, Polen, Deutschland 2023. Regie: Leiv Igor Devold. Cast: Hubert Miłkowski, Karl Bekele Steinland, Edyta Torhan, Øyvind Brandtzæg. Laufzeit: 97 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih: Salzgeber. Kinostart: 1. Februar 2024. Im Januar 2024 bereits in der Queerfilmnacht
Galerie:
Norwegian Dream
8 Bilder
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