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Zeitungsinterview
Bullshit-Bushido: "Ich habe nichts gegen Schwule, ganz im Gegenteil"
Er rappte davon, Tunten zu vergasen und Schwuchteln zu verkloppen, zeigte LGBTI-Aktivist*innen den Mittelfinger, bezeichnete Lesben als "nicht ordentlich durchgefickt". Jetzt tut Bushido so, als sei er der größte Straight Ally.

Bushido wurde 1978 als als Anis Mohamed Youssef Ferchichi in Bonn geboren (Bild: IMAGO / Rainer Unkel)
- 13. Januar 2024, 11:54h 3 Min.
Ist denn schon der 1. April? In einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der "Berliner Zeitung" hat sich der Rapper Bushido als queerfreundlich ausgegeben. "Ich habe überhaupt nichts gegen Schwule, ganz im Gegenteil. Ich selber distanziere mich von schwulenfeindlichen Aussagen", zitiert das Blatt den 45-Jährigen. "Ich bin weder homophob noch hab ich etwas gegen irgendwen aufgrund seiner Hautfarbe, seiner Religion oder seiner Einstellung. Ich hab was gegen AfD-Wähler, aber ansonsten ist mir der Rest komplett schnuppe."
Zuvor hatte die Zeitung den Rapper mit der homophoben Textzeile "Es ist ganz normal, Männer lutschen keine Schwänze" aus dem Song "Berlin" konfrontiert. Der Track stamme aus dem Jahr 2003, meinte Bushido. "Wenn man diese Aussagen, diese Textzeilen sich rauspickt und sie aufgrund von 'lutschen' und 'Schwanz' in einen sexuellen Kontext bringt und sagt, das ist schwulenfeindlich – okay, damit muss ich leben. Jeder interpretiert das so, wie er möchte." Aber diese Stelle könne man "doch nicht nur auf Schwulsein beziehen", so der Musiker. "Ich meine eher damit, dass ein Mann ein bisschen Männlichkeit zeigen sollte, dass er grade und aufrecht sein und sich seinen Problemen stellen soll. So gesehen hat das überhaupt nichts damit zu tun, dass ich etwas gegen Schwule hätte."
Keine Entschuldigung bei Klaus Wowereit
Im Interview mit der "Berliner Zeitung" lehnte Bushido es auch ab, sich für den Track "Stress ohne Grund" von 2013 bei Klaus Wowereit und Claudia Roth zu entschuldigen. Darin heißt es etwa "Du wirst in Berlin in deinen Arsch gefickt wie Wowereit" und "Ich schieß' auf Claudia Roth und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz".
"Dass ich jetzt in Teilen meine grundlegende Attitüde breche, hat nichts damit zu tun, dass ich irgendwelchen Personen die Hand reichen und mich entschuldigen würde", sagte der Rapper. "Ich habe Wowereit nichts angetan. Und deshalb gibt es für mich keinen Grund, mich bei ihm zu entschuldigen. Claudia Roth hat genau das bekommen, was sie verdient hat. Denn sie hat mich beleidigt. Ich habe das auf künstlerischer Ebene verarbeitet."
"Wir verkloppen jede Schwuchtel"
An seinem homophoben Image hatte Bushido jahrelang gearbeitet: 2005 rappte er "Ihr Tunten werdet vergast". Auf Druck seiner Plattenfirma wurde das Lied aber nicht veröffentlicht (queer.de berichtete). In anderem Songs zog er aber trotzdem über queere Menschen her. Im Lied "Berlin" heißt es etwa: "Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel".
Aber nicht nur in Texten zeigte sich Bushidos Homophobie, sondern auch im realen Leben: 2007 streckte er LGBTI-Aktivist*innen, die gegen ihn demonstrierten, den Mittelfinger entgegen – und das ausgerechnet bei einem Anti-Gewalt-Konzert. Dazu sagte er: "Die Wichser können demonstrieren, sich aufhängen – ich scheiß drauf" (queer.de berichtete). Wenige Jahre später pöbelte er CSD-Teilnehmende in Kreuzberg an. Die "taz" zitierte ihn unter anderen mit dem Spruch: "Ihr seid Lesben? Ihr wurdet einfach nicht ordentlich durchgefickt" (queer.de berichtete).
Mainstream-Karriere trotz Queerfeindlichkeit
Trotz dieser Aktionen war Bushido auch im Mainstream populär. Er wurde etwa 2007 vom grünen Bundestagsabgeordneten und heutigen Parteivorsitzenden Omid Nouripour vor seinem Anti-Gewalt-Konzertauftritt verteidigt (queer.de berichtete). Starproduzent Bernd Eichinger verfilmte sogar 2010 seine Autobiografie "Zeiten ändern sich" mit einer Starbesetzung (Moritz Bleibtreu, Elyas M'Barek, Hannelore Elsner, Katja Flint, Uwe Ochsenknecht, Karel Gott).
Im Dezember 2022 scheiterte Bushido vor dem Bundesverfassungsgericht mit einer Beschwerde gegen die Indizierung seines Albums "Sonny Black", in dem es u.a. heißt "Du Schwuchtel wirst hier ausradiert". Er sei nicht in seiner Kunstfreiheit verletzt, erklärte das Gericht in Karlsruhe (queer.de berichtete). Das Album war 2014 erschienen und wurde 2015 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf den Index gesetzt, weil die Texte verrohend wirkten, einen kriminellen Lebensstil verherrlichten sowie Frauen und homosexuelle Menschen diskriminierten. (mize)














