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Jodie Foster über "True Detective"
"Im echten Leben wäre ich in diesem Job definitiv eine Fehlbesetzung"
In der neuen Serie "True Detective: Night Country" ermittelt die offen lesbische Hollywood-Größe Jodie Foster als Polizistin in Alaska. Wir sprachen mit der 61-Jährigen über ihre erste TV-Rolle seit 1975.

Jodie Foster als Detective Liz Danvers in "True Detective: Night Country" (Bild: HBO)
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18. Januar 2024, 08:25h 5 Min.
Über 50 Jahre dauert die Karriere von Jodie Foster nun schon an, vor wie hinter der Kamera. Dieser Tage ist die zweifach mit dem Oscar ausgezeichnete Schauspielerin und Regisseurin präsent wie lange nicht. Für ihre Nebenrolle im Drama "Nyad" (zu sehen bei Netflix) wurde sie jüngst bereits für den Golden Globe und den Critics Choice Award nominiert. Und nun spielt sie auch noch eine der beiden Hauptrollen in der Serie "True Detective: Night Country", die gerade bei Sky & Wow angelaufen ist (queer.de berichtete). In einer kleinen Pressekonferenz stand die 61-Jährige uns Rede und Antwort.
Ms. Foster, bei "True Detective" steht jede Staffel für sich, aber die erste von nun bislang vieren liegt bereits zehn Jahre zurück. Haben Sie die damals gesehen?
Gesehen und geliebt! Für mich war das damals die Zeit, als ich das Streaming mit all seinen Vorzügen für mich entdeckte. Wenn mich richtig erinnere, war "True Detective" damals die erste Serie, die ich wirklich innerhalb kürzester Zeit gebinget habe, statt jede Woche eine neue Folge zu gucken. Und ich muss gestehen, dass die Staffel damals mich so sehr begeistert hat, dass ich sie seither sogar noch weitere Male geguckt habe.
Ist das der Grund dafür, dass Sie nun mit der neuen Staffel zum ersten Mal seit 1975 überhaupt wieder eine TV-Rolle angenommen habe?
Oh wow, so lange ist das her? Das war mir gar nicht so bewusst. Aber es stimmt schon: Als Schauspielerin hatte ich das Glück, eine wirklich tolle und lange Karriere im Kino zu haben. Als Regisseurin habe ich allerdings durchaus schon an mancher Serie mitgewirkt und weiß natürlich, dass im Pay-TV und beim Streaming dieser Tage die vielleicht spannendsten Geschichten erzählt werden. Die narrativen Freiheiten dort sind oft größer, man muss sich nicht zwingend einem einzigen Genre verschreiben und mehr Raum, die Figuren auszuloten, gibt es auch. Und gerade, wenn eine Staffel – wie nun bei "True Detective: Night Country" – nur sechs Episoden umfasst, sind die Verantwortlichen oft eher gewillt, neuen Erzählstimmen Gehör zu geben, die im Kino leider seltener eine Chance bekommen.
Zu den Verantwortlichen gehören durchaus auch Sie selbst. Zumindest sind Sie in diesem Fall nicht nur Hauptdarstellerin, sondern auch als Executive Producer mitverantwortlich…
Das stimmt, wobei man den Einfluss, der mit dieser konkreten Jobbezeichnung einhergeht, auch nicht überschätzen sollte. In kreativer Hinsicht war unsere Regisseurin und Showrunnerin Issa López verantwortlich. Zum Glück. Denn ich glaube nicht, dass ich übertreibe, wenn ich sage, dass sie in meiner gesamten Karriere vielleicht die Regisseurin ist, mit der ich bislang am liebsten zusammengearbeitet habe.
Tatsächlich?
Ja, und das, obwohl ich zunächst meine Zweifel hatte. Vor unserem ersten Treffen habe ich mir einen ihrer Filme angesehen und war nicht sofort überzeugt. Aber als "True Detective"-Fan wollte ich mich zumindest mal mit ihr zusammensetzen. Danach war ich dann Feuer und Flamme – und würde im Rückblick sagen, dass sie wie niemand zuvor verstanden hat, wie sie aus mir das Beste herausholen kann.
Die Geschichte der Staffel spielt in Alaska, aber gedreht wurde in Island, nicht wahr?
Korrekt, größtenteils zumindest. Die Witterungsbedingungen, die Sie nun auf dem Bildschirm sehen, machten uns die Arbeit nicht gerade leicht. Verstehen Sie mich nicht falsch: Die Arbeit war ein wirklich tolles Erlebnis. Wochenlang mit dem ganzen Team an einem fantastischen Ort wie Reykjavik zu verbringen und richtig zu einer Art Familie zusammengeschweißt zu werden, das hatte ich in dieser Form noch nicht oft beim Drehen erlebt. Aber der viele Schnee war schon heftig, auch wenn wir den für die Geschichte natürlich brauchten. Und die vielen Nacht-Drehs waren auch nicht ohne.

Viel Schnee: Jodie Foster Und Kali Reis in "True Detective: Night Country" (Bild: HBO)
Sie spielen eine Ermittlerin namens Liz Danvers, die mit einer Kollegin auf der Suche nach einigen Vermissten ist. Denken Sie bei einer solchen Rolle eigentlich automatisch an Clarice Starling, die legendäre FBI-Agentin, die Sie in "Das Schweigen der Lämmer" verkörpert haben?
Nicht wirklich. Für mich sind diese Figuren eigentlich nicht vergleichbar. Das Genre vereint sie vielleicht, schließlich gehören beide Geschichten in den Bereich der Psychothriller und Horrorfilme. Aber die Gebrochenheit meiner Figur ist hier eine ganze andere, die Beziehung zu ihrer sehr gegensätzlichen Partnerin ebenso, und vor allem ist das Reizvolle bei "True Detective: Night Country" natürlich das Setting in Alaska und die dortigen indigenen Traditionen als fester Bestandteil der Geschichte. Irgendwie kam ich da gar nicht auf die Idee, an "Das Schweigen der Lämmer" zu denken.
Und ein besonderes Faible für Ermittlerinnen spüren Sie auch nicht?
Sagen wir es mal so: Im echten Leben wäre ich in diesem Job definitiv eine Fehlbesetzung. Ich bin fürchterlich weitsichtig und würde sicherlich alle entscheidenden Details gar nicht sehen. Mit einem schnell gewechselten Hemd oder einem angeklebten Schnurrbart könnte man mich sofort auf eine falsche Fährte bringen.
Als Star Ihres Formats könnten Sie vermutlich alles spielen, was Sie wollen. Gibt es irgendeinen roten Faden, wonach Sie sich dieser Tage für oder gegen Rollen entscheiden?
Dass ich alles spielen kann, was ich will, stimmt so schon mal nicht. Aber ich will mich natürlich nicht beschweren, denn insgesamt arbeite ich nun schon seit 58 Jahren in diesem Geschäft und mein bisheriger Weg war ein langes, fantastisches Abenteuer. Wenn ich beschreiben soll, wonach ich meine Entscheidungen treffe, kann ich vor allem sagen, dass ich keine Lust habe, mich zu wiederholen. Und ansonsten freue ich mich einfach, dass ich mich mit Anfang 60 in diesem Job nun unerwartet glücklicher fühle als je zuvor.
Warum, denken Sie, ist das so?
Vermutlich vor allem, weil ich so viele meiner Träume und Ziele längst erreicht habe. Zu realisieren, dass ich meine Zeit hatte und jetzt die anderen dran sind, ist unglaublich entspannend. Auch weil es eine enorme Freude ist, all das Wissen und die Erfahrungen, die ich über die Jahre gesammelt habe, nun zu nutzen, um andere in ihren Träumen und Zielen zu unterstützen. Die Erwartungen, die ich an mich selbst und meinen Beruf habe, haben sich verschoben. Und die Gelassenheit, die sich damit einstellte, hat mich wirklich nachhaltig verändert.
22:45h, Arte:
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