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Filmfestival
Von "Taxi zum Klo" zu "Gotteskinder"
Das Filmfestival Max Ophüls Preis, das wichtigste Nachwuchsfestival für das deutschsprachige Kino, war schon immer gut für queeres Kino. Heute startet in Saarbrücken die 45. Ausgabe. Viele Filme sind online verfügbar.

Szene aus dem Kurzfilm "Feed your Head", der in diesem Jahr beim Filmfestival Max Ophüls Preis zu sehen ist (Bild: Leon Hörtrich)
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22. Januar 2024, 04:27h 4 Min.
Beim Filmfestival Max Ophüls Preis feierte anno 1981 "Taxi zum Klo" von Frank Ripploh ebenso seine Premiere wie der "Westler" des langjährigen "Panorama"-Leiters Wieland Speck, der 1986 damit den begehrten Publikumspreis holte. Über diese Auszeichnung freute sich im Vorjahr David Wagner für seine österreichische Militär-Lovestory "Eismayer". Tucké Royale stand bei Ophüls gleichfalls schon auf dem Siegertreppchen, für Buch und Schauspiel in "Neubau" gab es 2020 den Preis für den gesellschaftlich relevanten Film. Gleich doppelt prämiert wurde "Nevrland" von Gregor Schmidinger, zum einen gab es den Preis der Jugendjury, zum anderen den Schauspielpreis für Simon Frühwirth. Last not least durften UFA-Chef Nico Hofmann und Rosa von Praunheim sich hier über den Ehrenpreis für ihr Gesamtwerk freuen.
Allerlei queeres Kino steht auch bei der diesjährigen Ausgabe vom 22. bis 28. Januar 2024 in Saarbrücken auf dem Programm. Etliche Beiträge sind online abrufbar. Der Preis für ein Streaming-Ticket liegt bei zehn Euro, mit dem Fan-Pass für 100 Euro bekommt man Zugriff auf alle online verfügbaren Werke. Die Verfügbarkeit ist auf der Festival-Homepage zu finden.
Hier ein Überblick über die queeren Filme in diesem Jahr.
"Gotteskinder" (Wettbewerb Spielfilm)

Szene aus "Gotteskinder" (Bild: Kinescope Film)
Das knallharte Konversionstherapie-Drama erzählt von zwei Geschwistern, die in einer streng religiösen Familie aufwachsen. Während die Teenie-Tochter sich zunehmend in den rebellischen Nachbarjungen verliebt, fühlt sich ihr Bruder immer mehr zu seinem besten Kumpel hingezogen. Um den strengen Vater nicht zu enttäuschen, meldet sich der verunsicherte Junge freiwillig zu einem so genannten "Seelsorge-Seminar" der Jesus-Sekte, wo er sich von seinen "unreinen" Gedanken "heilen" lassen möchte. Regisseurin Frauke Lodders erhielt für ihr Drehbuch bereits den Hessischen Filmpreis. Mit "Druck"-Star Michelangelo Fortuzzi können die "Gotteskinder" mit einem der angesagtesten Darsteller seiner Generation aufwarten. Ein Verleih ist bereits gefunden, Startterminnoch offen.
"Der Wunsch" (Wettbewerb Dokumentarfilm)

Szene aus "Der Wunsch" (Bild: Rise And Shine Cinema)
Judith Beuth begleitet dokumentarisch zwei Frauen bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches. Maria und Christiane möchten ein gemeinsames Kind. Das Paar durchlebt eine zehnjährige Odyssee voller Hoffnungen und Hürden, mit immer neuen Anläufen und Enttäuschungen. Die innige und intensive Beziehung der beiden gerät zunehmend unter Stress. Der Zweifel wächst, die Zeit wird immer knapper. Wie entwickelt sich eine Liebe über so einen langen Zeitraum, ohne angesichts immer neuer Rückschläge verloren zu gehen? Ab 14. März in den Kinos zu sehen.
"Surf on Europe" (Wettbewerb Dokumentarfilm)

Szene aus "Surf on Europe" (Bild: VeyVey Films)
Drei Surf-Begeisterte ringen nicht nur mit dem Wind, sondern auch mit sozialen und politischen Hürden. Majid, ein Kitesurf-Lehrer in Spanien, sehnt sich nach seiner Familie, die in Marokko feststeckt. In Biarritz organisiert Margaux mit Freunden das erste LGBTI-freundliche Surf-Festival Europas. Und Rosy, ein nordirischer Surfbrett-Shaper, sucht Halt inmitten einer tief gespaltenen Community.
"Damals plötzlich jetzt" (Wettbewerb Mittellanger Spielfilm)

Szene aus "Damals plötzlich jetzt" (Bild: Ayşe Alacakaptan)
Pippa trifft auf einer Hochzeitsfeier ihre Ex-Freundin Jael wieder. Die Begegnung löst nicht nur Erinnerungen an das Ende ihrer Beziehung, sondern auch an das gemeinsam erlebte Trauma aus. Seit einem queerfeindlichen Übergriff hat Pippa eine posttraumatische Belastungsstörung, die Leichtigkeit im Alltag schwer macht. Als Pippa eine Panikattacke bekommt, schafft ausgerechnet Jael es, sie zu beruhigen – und Pippa versteht, dass sie sich ihrer Angst endlich stellen muss.
"El Martír" (Wettbewerb Mittellanger Spielfilm)

Szene aus "El Martír" (Bild: Zoe Dumas)
"Ein Film über Lust, Schmerz und Religion", beschreibt Regisseur Alejandro Mathé seinen Abschlussfilm an der Internationalen Filmschule Köln. Ein junger Mann, besessen von der halbnackten Gestalt von Jesus Christus, gerät auf einen gefährlichen Weg der Selbstzerstörung. Dazu der Filmemacher: "Der Gedanke, dass homosexuelles Begehren existiert, ist in der patriarchalischen Struktur des Katholizismus undenkbar. Sodass sie ihre Kirchen mit Bildern und Statuen halbnackter Männer bedecken, ohne daran zu denken, dass diese zu Objekten der Begierde werden könnten."
"Feed your Head" (Wettbewerb Kurzfilm)
Als Hector nach einer ausgelassenen Partynacht einem queerfeindlichen Angriff ausgesetzt ist, gerät sein Leben aus den Fugen. Er flüchtet sich in die Fiktion, doch auch hier kann er sich der bitteren Erinnerung an das Geschehene nicht entziehen. Erst als die Beziehung zu seinem jüngeren Bruder auf dem Spiel steht, beginnt er zu verstehen, dass es sich lohnt, alles zu fühlen, um die Realität als schönen Ort begreifen zu können.
"Paranuss" (Kurzfilm)
Ziemlich fiese Anleitung, um ungeliebte Zeitgenossen aus dem Weg zu räumen. Paranüsse sind die einzigen Nüsse, deren Allergene sexuell übertragen werden können. Als Thomas entdeckt, dass sein Mann Sven ihn betrügt, beschließt er, diese Beziehung zu beenden. Denn ja, jemand ist tödlich allergisch gegen Paranüsse.
"Erich 37, sucht Wohnung" (Kurzfilm)
Heinz und Erich simulieren eine Wohnungsbesichtigung in ihrer Gefängniszelle. Erich steht kurz vor der Entlassung und Heinz hilft ihm bei der Vorbereitung auf das Leben draußen. Die beiden Männer sind langjährige Zellennachbarn und Freunde. Und vielleicht auch ein bisschen mehr.
Links zum Thema:
» Homepage des Filmfestivals Max Ophüls Preis
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
05:45h, Phoenix:
Liebe und Krieg – Schwule Helden der Antike
Im alten Griechenland gab es eine gerühmte Eliteeinheit von 300 Männern, von der Archäologen und Historiker heute vermuten, dass sie aus 150 männlichen Liebespaaren bestand.
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