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Ab Donnerstag im Kino
"Mean Girls" so queer wie nie: Die Plastics sind zurück!
Mit einem unterhaltsamen Soundtrack und viel Liebe für inszenatorische Details ist die Neuverfilmung des Kult-Klassikers – bzw. Kino-Adaption des Broadway-Musicals – empfehlenswerte Popcorn-Unterhaltung und nostalgischer Spaß.

Die "Mean Girls" sind im Instagram-Zeitalter angekommen (Bild: Paramount Pictures)
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24. Januar 2024, 04:47h 6 Min.
Als eine Vertreterin aus der Presseabteilung von Paramount Pictures zu Beginn der Pressevorführung von Mean Girls – The Girls Club. erklärte, dass der Film keine Neuverfilmung des Kultklassikers von 2004 sei, sondern eine Adaption des gleichnamigen Broadway-Musicals von 2017, raunte jemand hinter mir, dass das ein interessantes "Management of Expectations" sei.
Es ist aber in der Tat kurios, dass geradezu warnend vorausgeschickt wird, dass es sich um ein Musical handelt. So ist ja in den letzten Jahren geradezu ein Boom an Filmadaptionen etablierter und erfolgreicher Musicalstoffe zu beobachten. Darunter sind auf der einen Seite durchaus unterhaltsame Versuche wie "Les Miserables" (2012), die viel Geld einspielen und Preise gewinnen. Auf der anderen Seite aber auch Abscheulichkeiten wie der Film "Cats" (2019), der, um hier ein bekanntes Internet-Meme zu zitieren, so widerwärtig war, dass Gott wenige Wochen nach der Kinopremiere die Menschheit mit einer globalen Pandemie strafte.
Vermutlich war bei Paramount aber eher der Blick auf den letztjährigen "Wonka" (2023) gerichtet gewesen. Der hatte nämlich in den sozialen Medien für eine mittelgroße Welle an Beschwerden gesorgt, weil einigen Menschen offenbar erst im Kinosaal klar wurde, wie musicallastig der Film dann doch ist, ohne dass das zuvor kommuniziert wurde. Doch der langen Vorrede genug, denn tatsächlich ist die Sorge und die Bearbeitung der Erwartungen gar nicht nötig. Denn "Mean Girls" ist ein sehr unterhaltsamer Film und eine, bei weitem nicht makellose, so doch sehenswerte Bearbeitung des Teen-Streifens über die Schule als Raubtiergehege.
Ein schwächer brennendes Nostalgiefeuer
Die Handlung der neuen Adaption ist größtenteils identisch mit den vorigen Fassungen: Die sechzehnjährige Cady Heron (Angourie Rice) wuchs in Kenia auf, wurde von ihrer Mutter zuhause unterrichtet und sieht sich nach einem Umzug nach Amerika auf einmal mit den sozialen Hierarchien, Intrigen und Cliquen-Strukturen einer öffentlichen Highschool konfrontiert. Anfangs freundet sich Cady mit den Außenseitern Janis (Auliʻi Cravalho) und Damian (Jaquel Spivey) an. Doch dann wirft Regina George (Reneé Rapp), das populärste Mädchen der Schule und Anführerin der berüchtigten "Plastics", ein Auge auf Cady und lädt sie ein, an ihrem Cafeteria-Tisch zu Mittag zu essen. Janis und Damian wollen diese Gelegenheit nutzen und überzeugen Cady davon, die Plastics und Regina auszuspionieren. Doch natürlich bleibt das Doppelagent*innen-Spiel nicht lange ohne Komplikationen und Konsequenzen…
Für viele, die den Originalfilm Anfang der 2000er Jahre gesehen und wieder und wieder gesehen und zu einem popkulturellen gemacht haben, dürfte es auch eine sehr nostalgische Erfahrung sein, sich Cadys Aufstieg durch die Ränge der Beliebtheit als gesungene Fassung anzuschauen. Denn "Mean Girls" hält sich ziemlich exakt an die bekannte Handlung. Wer "Girls Club – Vorsicht bissig!", wie der Film damals in der deutschen Veröffentlichung hieß, oder das Bühnenmusical kennt, wird von nichts überrascht werden.
Tina Fey, die auch bereits das Drehbuch zum Original schrieb, zeichnet wieder genau dafür verantwortlich und war auch in der Rolle der Produzentin tätig, zusammen mit Lorne Michaels ("How I Met Your Mother"). Wie auch vor zwanzig Jahren spielt Fey auch wieder die Rolle der Highschool-Lehrerin Sharon Norbury.
Queeres noch queerer machen

Poster zum Film: "Mean Girls – Der Girls Club" startet am 25. Januar 2024 bundesweit in den Kinos
Es lässt sich nur spekulieren, wieso "Mean Girls" für viele queere Menschen schnell zu einem Klassiker avancierte. Es mag etwas mit den Thematiken des Films zu tun habe. Die Suche nach der eigenen Identität und die Zugehörigkeit zu Cliquen und Szenen sind ja auch Themen, die sich durch die queere Kulturgeschichte ziehen. Aber das ist auch eine sehr wenig unterhaltsame, geradezu akademische Vermutung. In jedem Fall bemerkenswert ist, dass alle drei männlichen Hauptfiguren gespielt wurden von Schauspielern, die sich später als queer outeten, Daniel Franzese, Jonathan Bennett und Rajiv Surendra. Vielleicht umwehte den Film also einfach eine ungeoutete queere Aura.
"Mean Girls" setzt in der Musicalfassung nun auf jeden Fall die eigene Queerness bewusst und viel stärker in Szene. Nicht nur wird Regina George etwa von der queeren Schauspielerin Reneé Rapp verkörpert, sondern auch die Figur Janis ist "out and proud", so dass ihre Mitschüler*nnen nicht mehr darüber spekulieren müssen, ob sie lesbisch sei. Und auch der Inszenierung vieler Gesangsszenen ist erkennbar, dass hier Inszenierung, Kostüm und Szenenbild quasi mit einem "queer eye" gestaltet wurden.
Lieder machen Spaß, aber nicht immer Sinn
Was taugt denn nun aber der Film als Musical? Insgesamt ist "Mean Girls" ganz nett. Einige der Lieder, wie die Eröffnungsnummer von Auliʻi Cravalho und Jaquel Spivey oder "Apex Predator" machen Spaß und sind angenehm poppig absurd und kurzweilig. Doch so wirklich fügt die musikalische Umsetzung nur wenig hinzu. Beziehungsweise scheint sich der Film selber auch nicht ganz sicher zu sein, was er mit den Musiknummern eigentlich erreichen will.
Beispielsweise gibt es in der sehr unterhaltsamen Hymne auf sexy Halloween, wunderbar gesungen und gespielt von Avantika, einen Moment, an dem es heißt: "This is modern feminism talkin' / Watch me as I run the world / In shoes, I cannot walk in / I can be who I want to be / but sexy". Also in etwa, der moderne Feminismus bestehe daraus, dass Frauen die Welt regieren, aber nicht in High-Heels laufen können. Dazu stolpert Avantika ungeschickt über ihre eigenen Füße.
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Im Großen und Ganzen sehenswert
Es gibt einige Stellen, an denen der Film etwas unentschlossen darin wirkt, was sein Ziel ist. Wenn Reginas Mutter, gespielt von Busy Philipps, die zuletzt in "Girls5eva" überzeugte, etwa das Burn Book ohne Zusammenhang aus dem Schrank zieht und Cady erklärt, das haben Regina und ihre Freundinnen gebastelt, als zwei Tage Instagram nicht erreichbar gewesen sei, wirkt das wie große Faulheit beim Verfassen des Drehbuchs. Wieso sollten die Mädchen in Zeiten von Social Media für Mobbing und Lästereien einen Leitz-Ordner aus dem Schrank ziehen? Instagram war down, oder so, keine Ahnung, ist auch egal. Hier wäre von einer Gegenwartsfassung etwas mehr Aktualisierung zu erwarten gewesen. Der Versuch, dieses Element in die Handlung einzubauen, lässt die nötige Finesse vermissen, um es für ein zeitgenössisches Publikum relevant zu machen. Die Dynamik von Klatsch und sozialer Hierarchie hat sich weiterentwickelt, und der Film kämpft damit, diese Themen effektiv in einen modernen Kontext zu übertragen.
"Mean Girls" ist zwar im Großen und Ganzen sehenswert. Dem Hinweis des Marketing-Teams von Paramount folgend, sei der direkte Vergleich mit der Vorlage von 2004, die die meisten kennen, hier vermieden. Wenn auch eigentlich klar ist, welcher der bessere Film ist. Mit einem unterhaltsamen, wenn auch nicht immer so eingängigen Soundtrack und viel Liebe für inszenatorische Details ist "Mean Girls – The Girls Club" durchaus empfehlenswerte Popcorn-Unterhaltung, mit einer gehörigen Portion nostalgischem 2000er-Gefühl.
Mean Girls – The Girls Club. Komödie. USA 2023. Regie: Samantha Jayne, Arturo Perez Jr. Cast: Angourie Rice, Auliʻi Cravalho, Reneé Rapp, Jaquel Spivey, Avantika, Bebe Wood, Christopher Briney, Jenna Fischer, Busy Philipps, Ashley Park, Jon Hamm, Tina Fey. Tim Meadows. Laufzeit: 113 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. Verleih: Paramount Pictures Germany. Kinostart: 25. Januar 2024
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