https://queer.de/?48252
Verhandlung
Nach Brandanschlägen in Berlin: Homophober Täter gesteht vor Gericht
Ein 63-Jähriger hat vor Gericht zugegeben, letzten Sommer Brandanschläge auf das Homosexuellen-Mahnmal, einen lesbischen Verein und andere Einrichtungen begangen zu haben.

Der Angeklagte gab zu, einen Brandanschlag auf das Homosexuellen-Mahnmal verübt zu haben (Bild: Sabine Hauke)
- 25. Januar 2024, 13:50h 2 Min.
Rund fünf Monate nach einem Brandanschlag auf das Berliner Mahmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, einen Verein lesbischer Frauen in Neukölln und eine Bücherbox am Holocaust-Mahnmal "Gleis 17" hat der mutmaßliche Täter zu Prozessbeginn weitgehend gestanden. Der 63-Jährige gab am Donnerstag vor dem Landgericht Berlin alle drei Brandanschläge zu. Die Bücher habe er verbrennen wollen, sagte der Frührentner. Die antiqueeren Taten seien mit wenig Lampenöl erfolgt und "symbolisch" gewesen.
In dem Verfahren wegen Volksverhetzung, versuchter schwerer Brandstiftung und Sachbeschädigung strebt die Staatsanwaltschaft die Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Er leide unter einer wahnhaften Störung, heißt es in der Antragsschrift der Staatsanwaltschaft.
13 mutmaßliche Taten
Dem Mann werden insgesamt 13 mutmaßliche Taten zwischen Januar und August 2023 zur Last gelegt. Zunächst soll der 63-Jährige mehrmals Wahlplakate verschiedener Parteien zerstört oder beschmiert haben. Laut Staatsanwaltschaft wurden zahlreiche Fälle von Äußerungen mit volksverhetzenden oder homophoben Inhalten bekannt.
Am 12. August soll der gelernte Schweißer die zu einer Bücherbox umgebaute Telefonzelle am Bahnhof Grunewald angezündet haben. Am Tatort war laut Ermittlungen ein antisemitisches und den Holocaust leugnendes Schreiben hinterlassen worden. Kurz zuvor habe der Mann eine mit Lampenöl befüllte Flasche angezündet und auf das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen am Tiergarten gelegt (queer.de berichtete). Er habe ein homophobes Pamphlet mit Bibelzitaten hinterlassen. Weil die Flasche herunterfiel, sei die Flamme erloschen.
Zwei Tage später kam es zu einem Anschlag auf den lesbischen Verein Rad und Tat (RuT) in Neukölln (queer.de berichtete). Der 63-Jährige soll die Scheibe des im Erdgeschoss gelegenen Büros eingeschlagen, dann drei mit Lampenöl befüllte und angezündete Flaschen in den Raum geworfen haben. Das Feuer erlosch. Zudem soll der Mann anti-muslimische Zettel an eine Moschee und andere Einrichtungen gehängt haben.
Der Frührentner wurde Mitte August festgenommen (queer.de berichtete). Er befindet sich seit zwei Monaten im sogenannten Maßregelvollzug. Der Prozess wird am 30. Januar fortgesetzt. (dpa/cw)












