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Schweiz
Rechtspopulistische "Gay SVP" löst sich auf
Die "Gay SVP" erklärt Diskriminierung von queeren Menschen für beendet. Daher sei der Einsatz für LGBTI-Rechte nicht mehr notwendig.

Wahlplakat der SVP im Jahr 2019: Die Partei stellt Fremde – egal, ob "Linke", EU-Bürger*innen oder Homosexuelle – gerne als Würmer oder Feinde dar (Bild: IMAGO / Geisser)
- 1. Februar 2024, 10:33h 2 Min.
Die "Gay SVP", der queere Verband der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei, hat auf ihrer Generalversammlung am Mittwoch einstimmig beschlossen, sich aufzulösen. Wie "20 Minuten" berichtet, seien die Mitglieder davon überzeugt, dass die Gleichstellung erreicht sei.
Seitdem die Schweiz im September 2021 in einem Volksentscheid die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben beschlossen hatte, sei "eine Weiterverfolgung der ursprünglichen Zielsetzung" nicht mehr nötig. "Gays, bisexuelle Menschen und Transgender sind heute in der Gesellschaft weitgehend akzeptiert", erklärte die "Gay SVP". "Der Anspruch, dass sich homosexuelle Menschen unbedingt verändern (heilen lassen) müssen, wird nur noch in nicht relevanten Randgruppierungen vertreten."
Die "Gay SVP" hatte sich für die Öffnung der Ehe ausgesprochen, während die Mutterpartei für die Beibehaltung des Ehe-Verbots für Schwule und Lesben geworben hatte. Vor ihrer Auflösung verteidigte die "Gay SVP" noch einmal die ablehnende Haltung der SVP: Diese sei aus "traditionalistischen Überlegungen" erfolgt, nicht weil man Homosexuelle nicht akzeptiere.
"Gay SVP" verschweigt Queerfeindlichkeit in eigenen Reihen
Was die "Gay SVP" stets verschweigt: Queerfeindlichkeit in der Schweizer Politik kommt zu einem großen Teil von der SVP. So veröffentlichte die Partei im Herbst etwa ein queerfeindliches Kampagnenplakat mit antisemitischer Bildsprache: Es zeigt einen grünen, haarigen Monsterarm mit einer Regenbogenbinde, der nach drei Kindern greift. Daneben steht der Text: "Gender-Monster stoppen. Kinderschutzinitiative Ja!" (queer.de berichtete).

(Bild: SVP Baselland)
Immer wieder sorgen SVP-Politiker*innen mit extrem queerfeindlichen Äußerungen für Schlagzeilen: Daniel Regli behauptete etwa vor einigen Jahren, "dass sich promiske Homosexuelle zwischen 30 und 40 das Leben nehmen, weil der Analmuskel nicht mehr hält, was er verspricht" (queer.de berichtete). Einer der bekanntesten SVP-Politiker ist der ehemalige Parlamentsabgeordnete Roger Köppel, der über sein Wochenmagazin "Die Weltwoche" versucht, auf die politische Debatte in Deutschland Einfluss zu nehmen. Er rückte etwa Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) während der Fußball-WM in Katar indirekt in die Nähe des Nationalsozialismus, als er kritisierte, dass sie in Katar die "One Love"-Spielführerbinde getragen hatte.
Die Schweiz ist übrigens bei LGBTI-Rechten kein Vorreiter in Europa: In der "Rainbow Europe"-Liste, in der die Gesetzgebung der 49 europäischen Länder zu LGBTI-Rechten analysiert wird, belegt die Eidgenossenschaft nur einen 20. Platz – und liegt damit hinter Deutschland und Österreich. (dk)














