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AfD
Für Tino Chrupalla ist Alice Weidel eine "traditionelle Frau"
Wie kann es sein, dass eine lesbische Frau ausgerechnet Deutschlands queerfeindlichste Partei anführt? Im Morgeninterview von ntv und RTL wurde AfD-Co-Chef Tino Chrupalla mit diesem Widerspruch konfrontiert.

Scheint vielleicht doch noch etwas skeptisch zu sein: Tino Chrupalla und Alice Weidel 2022 bei einer Pressekonferenz (Bild: IMAGO / Christian Spicker)
- 7. Februar 2024, 03:25h 3 Min.
Gute Frage am Dienstag im Morgeninterview "Frühstart" von RTL und ntv: Nachdem sich AfD-Chef Tino Chrupalla als Studiogast für den Schutz traditioneller Familien aus Vater, Mutter und Kind aussprach, hakte der Moderator nach: "Ist Alice Weidel eine traditionelle Frau?", wollte er über Chrupallas homosexuelle Co-Vorsitzende wissen. Die Antwort: "Warum nicht? Natürlich, absolut." Dabei zuckten allerdings die Mundwinkel des Rechtsaußen-Politikers, so als ob er mit aller Kraft gegen ein Grinsen ankämpfen musste.
Vertieft wurde der Widerspruch, dass ausgerechnet eine lesbische Frau mit einer Partnerin mit Migrationshintergrund und gemeinsamen Kindern eine extrem queerfeindliche und rassistische Partei anführt, leider nicht. Klar wurde allerdings auch, dass hinter Chrupallas Einordnung von Weidel als "traditionelle Frau" kein Gesinnungswandel steckt. Zwar behauptete er, dass "andere Lebensformen im privaten Bereich durchaus auch von uns akzeptiert werden", doch dann kamen schon wieder die bekannten Anti-LGBTI-Parolen: "Es gibt in unserem Land zwei Geschlechter, auch das betonen wir immer wieder. Und das sind Frau und Mann. Diesem Welt-, äh, vor allem diesem Familienbild unterstellen wir alles."
Gegen "Ideologie" in Kitas und Schulen
Auch wenn das Stichwort "Frühsexualisierung" nicht fiel, übte Chrupalla in dem Interview mit ntv und RTL auch Kritik an der Erziehung von Kindern in Deutschland. "Es geht um die Ideologie, die in Kitas und Schulen teilweise durch nichtstaatliche Organisationen hineingeführt wird", sagte der AfD-Bundessprecher. "Wir wollen eine ideologisch ideologiefreie Jugendbildung, aber auch natürlich eine ideologiefreie Kindergartenbetreuung."
Mit der Frage, wie sie die Queerfeindlichkeit der AfD mit sich vereinbare, wurde Alice Weidel zuletzt im vergangenen September im ARD-Sommerinterview konfrontiert. Ihre Antwort "Ich bin nicht queer, sondern ich bin mit einer Frau verheiratet, die ich seit 20 Jahren kenne", sorgte bundesweit für Kopfschütteln (queer.de berichtete). Sie selbst fühle sich als lesbische Frau nicht diskriminiert, meinte Weidel, distanzierte sich von der Regenbogenflagge und stellte die Akzeptanz von trans Menschen als Gefahr für Kinder dar.
AfD-Politiker: Ehe für alle führt zum "Volkstod"
Die Liste der AfD-Attacken gegen die Rechte queerer Menschen ist lang: 2019 stellte sie im Bundestag den Antrag, das Ehe-Verbot für gleichgeschlechtliche Paare wieder einzuführen – alle anderen Fraktionen stimmten dagegen (queer.de berichtete). In der dazugehörigen Bundestagsdebatte hatte der AfD-Abgeordnete Stephan Brandner mit Blick auf die Ehe für alle von einem "rot-grünen Ideologieprojekt" gesprochen, das eine "gruselige Vorstellung" sei (queer.de berichtete). Am selben Tag warnte der niedersächsische AfD-Politiker Thomas Ehrhorn in einer anderen Debatte davor, dass die Ehe für alle zum "Volkstod" führen könne (queer.de berichtete).
2021 hatte sich die AfD-Politikerin Christina Baum für ein Verbot von CSD-Demonstrationen ausgesprochen. "Zum Schutz unserer Kinder: Ich fordere ein Verbot des Christopher Street Day. Es gibt keine Akzeptanz für die Zurschaustellung sexueller Obszönitäten", schrieb die ehemalige Landtagsabgeordnete auf Facebook (queer.de berichtete).
Erst Ende letzten Jahres versuchte die AfD in Niedersachsen, alle queeren Menschen als Straftäter*innen dazustellen. Das "Regenbogen-Regime" gefährde Kindergärten, hieß es in einem niederträchtigen Flyer (queer.de berichtete). In Ingolstadt macht die Rechtsaußen-Partei aktuell Stimmung gegen eine Lesung mit Dragqueens (queer.de berichtete). (mize)
Links zum Thema:
» Das Chrupalla-Interview in der ntv-Mediathek














