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Jetzt im Kino

Eine Geschichte von Widerständigkeit, Lebensmut und weiblicher Solidarität

Die neue Kino-Adaption "Die Farbe Lila" muss sich hinter allen vorherigen Versionen nicht verstecken. Was Celies Queerness angeht, wäre jedoch auch dieses Mal mehr drin gewesen.


Celie (Fantasia Barrino, li.) darf in der Neuverfilmung ihre Liebe zu Shug (Taraji P. Henson) nur etwas mehr zeigen (Bild: Warner Bros. Pictures)

"Die Farbe Lila" – hinter diesem Titel verbirgt sich nicht nur eine, sondern gleich eine ganze Reihe von Erfolgsgeschichten. Der gleichnamige Roman von Alice Walker (die dieser Tage übrigens ihren 80. Geburtstag feiert) erschien 1982 und wurde mit dem Pulitzer-Preis sowie dem American Book Award ausgezeichnet und nicht nur, aber ganz besonders auch von Schwarzen Leser*innen gefeiert. Drei Jahre später schon brachte Steven Spielberg seine Verfilmung in die Kinos, die für elf Oscars nominiert wurde und sowohl Whoopi Goldberg als auch Oprah Winfrey zu Stars machte. Und als 2005 dann auch noch ein – für viele angesichts der tragischen Geschichte unerwartetes – Musical den Broadway eroberte, wurde auch das so erfolgreich, dass zehn Jahre später sogar eine Tony-prämierte Neufassung folgte. Und eben dieses Musical stellt nun die Grundlage der neuen Kino-Adaption "Die Farbe Lila" vor, die ab dem 8. Februar auf deutschen Leinwänden zu sehen ist.

Die Geschichte ist dabei, im Großen und Ganzen, in allen Fassungen die gleiche. Anfang des 20. Jahrhunderts ist auch in den US-amerikanischen Südstaaten die Sklaverei längst abgeschafft. Doch deren von Generation zu Generation vererbte Strukturen der Gewalt und Ausgrenzung haben sich fest in die Menschen eingeschrieben, selbst in der Schwarzen Bevölkerung. Celie (jung: Phylicia Pearl Mpasi, später: Fantasia Barrino) wird von ihrem Vater geschlagen und missbraucht. Mehrmals wird sie schwanger, die Babys muss sie gleich nach der Geburt weggeben. Irgendwann zwingt er sie, einen Farmer mit drei kleinen Kindern zu heiraten, dem sie als Putzfrau, Kindermädchen und Geliebte gleichermaßen dienen soll. Dass auch dieser Mann (Colman Domingo), den sie nur Mister nennt, immer wieder brutal zuschlägt, erscheint fast als Selbstverständlichkeit.

Blackness, Schwarze Lebensrealität und afroamerikanische Geschichte


Poster zum Film: "Die Farbe Lila" startet am 8. Februar 2024 bundesweit im Kino

Halt gibt Celie zunächst die enge Beziehung zu ihrer selbstbewusste Schwester Nettie (Halle Bailey). Doch die schickt Mister bald weg, ihre Briefe lässt er verschwinden. Was bleibt, ist der Glaube – und schließlich andere Frauen, die in ihr Leben treten und in Sachen Stärke und Lebensfreude als Vorbild dienen können. So wie Sofia (Danielle Brooks), die selbstbewusste Ehefrau von Misters Sohn Harpo (Corey Hawkins), oder die Sängerin Shug Avery (Taraji P. Henson), die manchmal aus der Großstadt anreist, wo sie ein Leben führt, in dem männliche Erwartungen eine eher untergeordnete Rolle spielen. Gerade letztere ist es, die über die Jahre entscheidenden Anteil daran hat, dass es Celie irgendwann doch gelingt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Während Spielberg und Winfrey (genau wie Quincy Jones, der auch schon 1985 beteiligt war, oder Broadway-Macher Scott Sanders) dieses Mal nur als Produzent*­innen involviert waren, übernahm die Regie der aus Ghana stammende Blitz Bazawule, der seine Karriere einst als Rapper begonnen hatte und schon mit Beyoncé bei ihrem Musikfilm "Black Is King" kollaborierte. Mit viel Authentizität, liebevollem Blick für Details und einen großen kulturellen wie historischen Bogen spannend inszeniert er Blackness, Schwarze Lebensrealität und afroamerikanische Geschichte. Entscheidend dazu beitragend: die fantastischen Kostüme von Francine Jamison-Tanchuck und nicht zuletzt die Choreografien von Fatima Robinson, die von traditionellen afrikanischen Tänzen über Steptanz bis hin zu HipHop sämtliche Schwarze Tanz-Traditionen vereinen und die mitreißenden Musical-Nummern zu echten Highlights machen.

Nur wenig Raum für Celies lesbische Liebe

Was Celies Queerness angeht, wäre in "Die Farbe Lila" auch dieses Mal mehr drin gewesen. Zwar spielt die zwischen ihr und Shug aufkeimende Leidenschaft hier eine größere Rolle als damals bei Spielberg. Doch von dem Raum, den diese lesbische Beziehung in der Romanvorlage von Alice Walker (die in den 1990er Jahren übrigens mal mit Tracy Chapman liiert war) einnimmt, kann hier leider keine Rede sein.

Dem Gelingen des Films tut das allerdings kaum Abbruch. Dass Bazawule immer wieder Celies Gedanken, Träume und Hoffnungen visualisiert und so dieser sonst eher passiven, im Stillen leidenden Protagonistin zu deutlich mehr Komplexität und Persönlichkeit verhilft, ist eine begrüßenswerte Neuerung. Und getragen wird "Die Farbe Lila" auch in dieser Fassung von einem exzellenten Ensemble. Für den Oscar nominiert ist dieses Mal nur die wahrlich mitreißende Danielle Brooks (bekannt aus "Orange is the New Black"), aber Soul-Sängerin Fantasia Barrino, Taraji P. Henson oder auch Corey Hawkins stehen ihr kaum nach. Hinter allen vorherigen Versionen dieser tragischen, aber auch von Widerständigkeit, Lebensmut und weiblicher Solidarität erzählenden Geschichte muss sich diese also wahrlich nicht verstecken.

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Infos zum Film

Die Farbe Lila. Drama, Musical. USA 2023. Regie: Blitz Bazawule. Cast: Fantasia Barrino, Taraji P. Henson, Danielle Brooks, Colman Domingo, Corey Hawkins, H.E.R., Halle Bailey, Phylicia Pearl Mpasi, Ciara, Aunjanue Ellis, Louis Gossett Jr., Jon Batiste, David Alan Grier, Deon Cole, Tamela J. Mann, Elizabeth Marvel, Stephen Hill, Adetinpo Thomas, Tiffany Elle Burgess, Terrence J. Smith, Aba Arthur, Jeffrey Marcus, Jamaal Avery Jr., Ailani Flowers, Emana Rachelle, Charles Green, Brad Raymond, David Vaughn, Whoopi Goldberg. Laufzeit: 141 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih: Warner Bros. Pictures. Kinostart: 8. Februar 2024
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