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München und Freising
Erzbistum gegen Schwulenverbot bei Priesterausbildung
Derzeit müssen schwule Priesteranwärter ihre sexuelle Orientierung geheimhalten. Das soll sich nach dem Willen des südlichsten deutschen Erzbistums ändern.

Darf auch ein Schwuler als Priester die gute Botschaft verkünden? Der Vatikan sagt Nein, das Erzbistum München und Freising sagt Ja (Bild: Mario Micklisch / flickr)
- 8. Februar 2024, 14:09h 2 Min.
Wolfgang Lehner, der verantwortliche Priesterausbilder im katholischen Erzbistum München und Freising, hat sich gegen das vom Vatikan erlassene Homosexuellenverbot bei der Priesterausbildung ausgesprochen. "Das Positiv-Kriterium für mich ist: Kann jemand gesunde und gute Beziehungen zu Männern und Frauen aufbauen, haben wir die begründete Vermutung, dass dies auch ein Leben lang hält?", sagte Lehner gegenüber der "Münchner Kirchenzeitung". Statt auf die sexuelle Orientierung müsse man als Kirche auf die Gesamtpersönlichkeit schauen – und auch, wie jemand mit seiner sexuellen Orientierung umgeht. Priesteranwärter müssten lediglich eine "altersgemäße menschliche Reife" besitzen.
Unter Papst Franziskus ist 2016 bekräftigt worden, dass Homosexualität, selbst wenn sie nicht ausgelebt wird, ein Ausschlussgrund aus dem Priesterseminar ist. Priestern mit "tiefsitzenden homosexuellen Tendenzen" wird in einem Dokument pauschal vorgeworfen, "keine korrekte[n] Beziehungen zu Männern und Frauen" aufbauen zu können (queer.de berichtete). In dem Papier heißt es außerdem: "Die negativen Folgen, die aus der Weihe von Personen mit tiefsitzenden homosexuellen Beziehungen erwachsen können, sind nicht zu übersehen." Einzig wenn die Homosexualität "bloß Ausdruck eines vorübergehenden Problems, wie etwa einer noch nicht abgeschlossenen Adoleszenz sei", gebe es eine Ausnahme. Wenigstens drei Jahre vor der Weihe müsse diese Homosexualität aber "eindeutig überwunden" sein.
Autor: Klemmschwester-Priester geben sich homophober
Offenbar führt diese rigide Haltung nicht dazu, dass Homosexuelle keine Priester werden – sie verstecken lediglich ihre sexuelle Orientierung. So behauptete der französische Journalist Frédéric Martel in einem Buch aus dem Jahr 2019, dass vier Fünftel der Priester schwul seien. Um ihre sexuelle Orientierung in der Öffentlichkeit zu verstecken, sollen sich gerade die schwulen Kleriker nach außen hin besonders homophob geben (queer.de berichtete).
Auch Andreas Beer, der Rektor des Münchner Ausbildungszentrums für Pastoralreferent*innen, will mehr Vielfalt in seiner Kirche, wie auch er gegenüber der "Münchner Kirchenzeitung" erklärte. Anders als beim Priesteramt gibt es bei diesem Beruf kein ausdrückliches Frauen- und Schwulenverbot. "Für uns ist es also kein Problem, ob einer schwul oder lesbisch, in schwul-lesbischer Beziehung oder Ehe lebt", so Beer.
Hintergrund ist das 2022 erlassene neue Arbeitsrecht der katholischen Kirche in Deutschland, das Homosexualität nicht mehr als pauschalen Kündigungsgrund ansieht (queer.de berichtete). Davor feuerte die Kirche Homosexuelle nach Gutdünken, auch wenn diese nichts mit dem Verkündungsbereich zu tun haben. Beispiel ist eine Putzfrau in einem katholischen Kindergarten in Oberhausen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung 2010 ihren Job verlor (queer.de berichtete). (dk)














