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Ex-Justizminister
Frankreichs Kämpfer gegen Todesstrafe und Homophobie: Robert Badinter mit 95 Jahren gestorben
Einer der großen Kämpfer für Menschenrechte ist tot: Robert Badinter schaffte nicht nur die Todesstrafe ab, sondern auch die französische Version des Paragrafen 175.

Robert Badinter im September 2021 bei einer Veranstaltung zum 40. Jahrestag der Abschaffung der Todesstrafe in der französischen Nationalversammlung (Bild: IMAGO / ABACAPRESS)
- 9. Februar 2024, 11:39h 2 Min.
Er hatte in Frankreich die Abschaffung der Todesstrafe und eines homophoben Gesetzes aus der Zeit des faschistischen Vichy-Regimes erreicht: Der ehemalige französische Justizminister Robert Badinter ist in der Nacht zum Freitag im Alter von 95 Jahren verstorben, wie AFP von einer Mitarbeiterin erfuhr. "Ich habe versucht, die Justiz menschlicher zu machen", hatte der Sozialist im vergangenen Jahr in einem Interview gesagt. "Ob es mir gelungen ist? Das müssen andere entscheiden", sagte er.
"Robert Badinter war eine Persönlichkeit des Jahrhunderts, ein republikanische Stimme des Gewissens", schrieb Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Onlinedienst X (vormals Twitter). Der offen schwule Premierminister Gabriel Attal ergänzte, Badinter sei ein "Mann des Rechts und der Werte" gewesen.
/ GabrielAttalToute sa vie, il a fait tonner la voix de la Justice.
Gabriel Attal (@GabrielAttal) February 9, 2024
Homme de droit et de valeurs.
Avocat, ministre, homme dÉtat, Robert Badinter nous a quittés.
Depuis les prétoires jusquaux tribunes de lAssemblée nationale et du Sénat, et au Conseil constitutionnel, il aura consacré pic.twitter.com/cRvchgdqZH
Der in Paris geborene Badinter stammte aus einer jüdischen Familie, die aus dem heutigen Moldau eingewandert war. Während des Zweiten Weltkriegs erlebte er als 14-Jähriger in Lyon, wie sein Vater vor seinen Augen festgenommen wurde. Der Vater starb später im deutschen NS-Vernichtungslager in Sobibor in Polen.
Badinter studierte unter anderem an der Columbia University in New York, wurde Anwalt und Hochschuldozent in Paris. Immer wieder setzte er sich dafür ein, Angeklagte vor der Todesstrafe zu bewahren – in einer Zeit, als die öffentliche Meinung in Frankreich von der Angemessenheit der Folterstrafe mehrheitlich überzeugt war. "Wenn das Urteil fiel und das Leben des Angeklagten gerettet war, habe ich das Gericht häufig durch einen Seitenausgang verlassen", erinnerte Badinter sich mit Blick auf die damaligen Proteste.
Erfolge als Justizminister
Als Justizminister setzte er 1982 die Abschaffung der Todesstrafe in Frankreich durch. 1983 erreichte er die Auslieferung des ehemaligen Gestapo-Chefs in Lyon, Klaus Barbie, aus Bolivien. Dieser wurde in Frankreich 1987 zu lebenslanger Haft verurteilt.
Er setzte sich auch für bessere Haftbedingungen ein und kämpfte gegen Diskriminierung Homosexueller. So schaffte er 1982 ein Gesetz aus der Zeit des Vichy-Regimes ab, wonach ein höheres Schutzalter für gleichgeschlechtlichen Sex (21 Jahre bzw. seit 1974 18 Jahre) bestand als für heterosexuellen (15 Jahre). Der deutsche Paragraf 175, der ebenfalls gleichgeschlechtlichen Sex teilweise kriminalisierte, wurde erst zwölf Jahre später abgeschafft.
Nach seiner Ministerzeit leitete Badinter mehrere Jahre lang den französischen Verfassungsrat. Zeit seines Lebens setzte er sich weiterhin auf internationalem Niveau für die Abschaffung der Todesstrafe ein und warb für die weltweiten Entkriminalisierung von Homosexualität. Er war mit der Philosophin Élisabeth Badinter verheiratet, mit der er drei Kinder hat. (AFP/dk)














