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Neues Staatsoberhaupt
Finnland: Pekka Haavisto scheitert in Stichwahl
In der Stichwahl um die finnische Präsidentschaft unterlag der schwule Grünen-Kandidat und ehemalige Außenminister Pekka Haavisto knapp dem früheren konservativen Regierungschef Alexander Stubb.

Der offen schwule Grünen-Politiker Pekka Haavisto scheiterte auch im dritten Anlauf, Präsident von Finnland zu werden – allerdings nur knapp (Bild: FinnishGovernment / flickr)
- 12. Februar 2024, 04:33h 3 Min.
Der frühere Regierungschef Alexander Stubb wird neuer Präsident von Finnland. Der 55-Jährige setzte sich bei einer Stichwahl um die Präsidentschaft knapper als erwartet gegen seinen 65 Jahre alten Kontrahenten Pekka Haavisto durch. Nach Auszählung aller Stimmen kam Stubb auf 51,6 Prozent, Haavisto auf 48,4 Prozent.
Haavisto gratulierte Stubb bereits vorher zum Sieg, als sich der Wahlausgang am Abend in einer verlässlichen Hochrechnung des Rundfunksenders Yle ankündigte. Der konservative Stubb sagte, es handle sich um die größte Ehre seines Lebens. Das Amt des Präsidenten sei eine Aufgabe, die größer als eine Person sei. Er fühle sich ruhig und demütig, aber gleichzeitig auch unendlich glücklich und dankbar. Die Wahlbeteiligung lag bei 70,7 Prozent.
Haavisto erfolgreicher Zweitplatzierter
Der offen schwule Grünen-Abgeordnete Haavisto, der unter der früheren Ministerpräsidentin Sanna Marin Außenminister war, wird damit zum dritten Mal in Serie bei einer Präsidentschaftswahl Zweiter. Er hatte bereits bei den beiden vorherigen Wahlen einem Politiker der konservativen Nationalen Sammlungspartei – dem bis heute amtierenden Sauli Niinistö – den Vortritt lassen müssen (queer.de berichtete).
Dennoch ist das knappe Wahlergebnis ein Erfolg für ihn: So viele Stimmen bekam er vorher noch nie, nur knapp 100.000 trennten ihn am Ende von Stubb. Umfragen hatten Stubb vor dem Wahltag einen deutlicheren Vorsprung vorhergesagt.
In den 1990er Jahren war Haavistos Homosexualität noch ein offenes Geheimnis. Als öffentliches Coming-out gilt seine Verpartnerung mit dem Ecuadorianer Antonio Flores im 2002. Die beiden Männer sind seit 1997 zusammen, als sie sich in einem Nachtclub in Bogotá kennenlernten.
Sieger Stubb war von 2014 bis 2015 Ministerpräsident
Stubb gehört derselben Partei wie Regierungschef Petteri Orpo an, der ihn 2016 als Parteivorsitzender abgelöst hatte. Stubb war von Mitte 2014 bis Mitte 2015 selbst finnischer Ministerpräsident und hatte davor und danach auch verschiedene Ministerposten inne. Zuletzt war er Professor am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz. Da er als proeuropäisch und entschiedener Unterstützer der Ukraine gilt, wird mit keinen größeren Auswirkungen auf die finnische Russland-Politik infolge der Wahl gerechnet.
Bei der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen hatten Stubb und Haavisto die meisten Stimmen aller neun Kandidat*innen erhalten (queer.de berichtete). Dabei schalteten sie andere Schwergewichte der finnischen Politik wie den rechtspopulistischen Parlamentspräsidenten Jussi Halla-aho und den früheren EU-Währungskommissar Olli Rehn aus. Weil jedoch keiner der Kandidat*innen eine absolute Mehrheit erzielte, kam es zur Stichwahl zwischen den beiden stärksten Bewerbern.
Der neue Präsident wird das Amt planmäßig am 1. März von Niinistö übernehmen. Der 75-Jährige durfte nach zwei sechsjährigen Amtszeiten nicht noch einmal kandidieren.
Anders als in Deutschland wird der Präsident in Finnland direkt vom Volk gewählt, er spielt in der Politik auch eine aktivere Rolle als in vielen anderen europäischen Ländern. Zu seinen wichtigsten Aufgaben zählt, zusammen mit der Regierung über die Außen- und Sicherheitspolitik zu entscheiden, Regierungsmitglieder zu ernennen und Gesetze abzusegnen. Er ist auch Oberbefehlshaber der finnischen Streitkräfte. Aus der Innenpolitik hält er sich dagegen weitgehend heraus. (cw/dpa)















