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Neue Studie

Online-Hass nimmt zu: Queere Personen mit am meisten betroffen

Junge Frauen, Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund und homo- und bisexuelle Menschen sind laut einer neuen Studie am meisten von Hass im Netz betroffen. Viele reagieren mit Rückzug.


Bitten und Ermahnungen, keinen Hass zu verbreiten, werden von Internet-Nutzern und -Betreibern weitflächig ignoriert (Bild: jontyson / unsplash)

  • 13. Februar 2024, 13:06h 3 Min.

Hass im Internet nimmt weiter zu: Fast jede und jeder Zweite in Deutschland wurde schon einmal online beleidigt. Zu diesem Ergebnis kommt die am Dienstag veröffentlichte Studie "Lauter Hass – leiser Rückzug" des Kompetenznetzwerks gegen Hass im Netz. Für die repräsentative Erhebung wurden 3.000 Internetnutzende ab 16 Jahren befragt. 49 Prozent davon wurden schon einmal im Internet beleidigt, 25 Prozent mit körperlicher und 13 Prozent mit sexualisierter Gewalt konfrontiert.

Die Zahlen zeigten ein klares Bild, sagte Familienministerin Lisa Paus (Grüne) bei der Vorstellung der Studie, deren Herausgeber von ihrem Ressort gefördert wird. "Hass im Netz ist leider allgegenwärtig und nimmt auch immer weiter zu." Dies sehen auch die Befragten so: 89 Prozent und damit der Großteil findet, dass Hass im Netz in den letzten Jahren zugenommen hat. Besonders häufig betroffen davon sind der Erhebung zufolge mit jeweils 30 Prozent Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund und junge Frauen sowie mit 28 beziehungsweise 36 Prozent Menschen mit homo- und bisexueller Orientierung. Fast jede zweite junge Frau – 42 Prozent – erhielt zudem bereits ungefragt ein Nacktfoto.

Queere Personen häufig Ziel von Hass

"Im Juni 2023 starten Rechtsextreme mit dem Hashtag #stolzmonat eine Kampagne gegen den 'Pride-Monat' – ein neuer Höhepunkt der Queer- und Transfeindlichkeit im Netz, durchsetzt mit nationalistischem Gedankengut", heißt es im ausführlichen Studien-PDF. Die Kampagne und ihre konkreten Auswirkungen, aber auch das Thema Transfeindlichkeit, werden jedoch nicht näher beleuchtet. Die Webseite mit Ergebnissen bietet bei der Frage, ob man selbst von Hass betroffen gewesen sei, keinerlei Auswertung zu geschlechtlichen Minderheiten (bei der Geschlechtsangabe "divers" wird das auf "geringe Fallzahl" zurückgeführt, während Transgeschlechtlichkeit nicht erwähnt bzw. offenbar nicht abgefragt wurde). So fehlen Aussagen zu der sehr offensichtlichen Zunahme von Transfeindlichkeit im Netz.

Teilnehmende wurden zugleich befragt, wie oft sie aggressive oder abwertende Aussagen gegenüber bestimmten Gruppen beobachteten. 17 Prozent gaben an, entsprechenden Hass gegenüber LSBTIQA sehr häufig zu erleben, und 27 Prozent gaben hier häufig an. Damit liegen queere Personen in dieser Einschätzung zwischen Menschen mit Migrationshintergrund (18 und 34 Prozent) und muslimischen Menschen (15 und 30 Prozent). Mit zusammen 60 bzw. 59 und 54 Prozent führen Politiker*innen, Geflüchtete und Aktivist*innen diese Einschätzung an. Vor allem bei Twitter / x und TikTok werde Hass wahrgenommen, was zugleich die meistgenutzten Plattformen der Befragten sind.

Sorge vor Rückzug und Gewalt

Der konstante Hass hat laut Studie auch Einfluss auf die freie Meinungsäußerung im Netz. Mit 57 Prozent bekennt sich mehr als die Hälfte der Befragten aus Angst im Netz seltener zur eigenen politischen Meinung. 55 Prozent beteiligen sich seltener an Diskussionen, fast ebenso viele formulieren Beiträge bewusst vorsichtiger. 82 Prozent der Befragten fürchten zudem, dass Hass im Netz die Vielfalt im Internet gefährdet. Mehr als drei Viertel sind besorgt, dass durch den Online-Hass auch die Gewalt im Alltag zunimmt.

Paus bezeichnete den Hass im Netz angesichts der Studienergebnisse als "Bedrohung für die Demokratie insgesamt". Wenn weniger Menschen online ihre Meinung äußerten, unterlaufe das die Debattenkultur und schade der Demokratie. Aus digitalem Hass könne zudem analoge Gewalt werden. Die Ministerin betonte: "Wir müssen mehr tun, um Hass im Netz frühzeitig zu begegnen." Sie kündigte deshalb an, Gesetze überprüfen und gegebenenfalls nachjustieren zu wollen.

Für einen "intensiven Dialog zwischen Staat, Zivilgesellschaft und den Plattformen", sprach sich Innenministerin Nancy Faeser (SPD) aus. Das EU-Gesetz für digitale Dienste (Digital Services Act – DSA) biete dazu neue Instrumente, die jetzt konsequent durchgesetzt werden müssten. "Wir setzen auf Prävention, auf die konsequente Löschung von Hetze und auf die strafrechtliche Verfolgung der Täter."

Die Studie wurde vom Kompetenznetzwerks gegen Hass im Netz herausgegeben, zu welchen sich fünf Organisationen wie HateAid und die Neuen deutschen Medienmacher*innen zusammengeschlossen haben. Für die Erhebung war die Agentur Pollytix verantwortlich. (cw/dpa)

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