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Talk im ZDF

Bei Lanz: Hitzlsperger spricht über Homophobie in Umkleidekabine

In der Talkshow "Markus Lanz" plaudert Thomas Hitzlsperger unter anderem über seine Erfahrungen als versteckt schwuler Spieler.


Thomas Hitzlsperger in der Talkshow "Markus Lanz" (Bild: Screenshot ZDF)

Der schwule Ex-Fußballprofi Thomas Hitzlsperger hat am Mittwochabend in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" über mögliche Coming-outs in seinem Sport gesprochen. Dabei erklärte er, dass er in seiner aktiven Laufbahn "üble Kommentare" von anderen Profis über Schwule gehört habe.

In der Sendung diskutierte Moderator Markus Lanz neben Hitzlsperger auch mit Sportjournalistin Lena Cassel, die unter anderem für die "Sportschau", das ZDF und Prime Video arbeitete und heute beim Sportportal DAZN moderiert. Das Trio redete zunächst über Proteste gegen Sponsorenpläne der Deutschen Fußballliga (DFL), bevor Lanz das Thema Homosexualität ansprach. Der ZDF-Moderator bezeichnete dabei Hitzlsperger wegen seines Coming-outs vor zehn Jahren als "historische Figur", woraufhin der Ex-Fußballer spöttisch antwortete: "Sehe ich so alt aus?"

Cassel lobte das Coming-out, das sie als 20-Jährige mitbekommen habe und auf das sie stolz gewesen sei. Schließlich gebe es "zwei Sachen, die Thomas Hitzlsperger und mich verbinden – die Liebe zum Fußball und die Homosexualität". Allerdings sagte sie einschränkend, dass sie bei seinem Coming-out ein "ambivalentes Gefühl" gehabt habe, weil es nach dem Ende seiner Profilaufbahn erfolgte.

"Wenn ich das jetzt ausspreche, haben wir ein Problem in der Kabine"

Hitzlsperger erläuterte, dass es in seiner Zeit als Spieler auch in der Kabine Gespräche über Homosexualität gegeben habe. Dazu hätten sich einige Mitspieler geäußert. "Es gab echt üble Kommentare dazu, die mich abgeschreckt haben", so Hitzlsperger, ohne Namen zu nennen. Er habe damals gedacht: "Wenn ich das jetzt ausspreche, haben wir ein Problem in der Kabine."


Die Dreier-Runde bei Lanz (Bild: Screenshot ZDF)

Ferner sagte Hitzlsperger, er habe Angst gehabt, mit einem Coming-out der Mannschaft und sich selbst zu schaden: "Wenn manche sich weigern, sich mit mir umzuziehen, hab ich einen Rieseneinfluss auf die Mannschaft und auf den Alltag." Als er über ein Coming-out in der Saison 2011/12 beim VfL Wolfsburg nachgedacht habe, habe es weitere Gründe gegeben, warum er das Versteckspiel fortsetzen wollte: "Ich war zu dieser Zeit kein Stammspieler mehr, ich war nicht so bedeutend." Zudem habe er sein eigenes Schicksal nicht "über das der Mannschaft" stellen wollen.

"Alles richtig gemacht"

Einen Fehler habe er mit seinem Abwarten aber nicht begangen, so Hitzlsperger: "Ich würde nichts anders machen. Es wäre schön gewesen, wenn es mir gelungen wäre, aber es hätte auch Schaden anrichten können für mich. Ich war nicht so stark und daher: alles richtig gemacht." Heute hoffe er, anderen Menschen mit seiner Offenheit ein Vorbild zu sein. "Alle Ängste, die ich vorher hatte, sind nicht eingetreten. Die Leute sind irgendwie viel cooler, definitiv in meinem Umfeld."

Markus Lanz hakte daraufhin nach: "Was würde heute in der Kabine passieren?" Daraufhin lavierte Hitzlsperger etwas herum, bevor er knapp sagte: "Jede Kabine ist anders." Es hänge es auch heute noch stark "von der Zusammenstellung des Kaders" ab.

Cassel bezeichnete anschließend den Männerfußball als "ein Habitat, wo toxische Männlichkeitsstrukturen nach wie vor der Status quo sind". Sie verwies dabei auch auf den Einfluss von Spielern, die "religiöse Christen oder Muslime" seien. Zudem hielt sie es für fraglich, ob sich ein Verein bei homophoben Äußerungen von einem Weltstar wirklich hinter einen schwulen Spieler stellen würde.

Tatsächlich haben zuletzt mehrere Spieler ihre Abneigung gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten mit ihrer Religion begründet, was teilweise auf Gleichgültigkeit bei den Vereinen stieß. So verpflichtete Borussia Dortmund den Weltklasse-Mittelfeldspieler Felix Nmecha – und scherte sich nicht um dessen wiederholte queerfeindliche Äußerungen, die er mit seinem christlichen Glauben begründete (queer.de berichtete).

"Kann ein schwuler Spieler zum Trainingslager in Katar fahren?"

Weiter kritisierte Cassel, dass deutsche Vereine zwar derzeit gerne Regenbogenfahnen zeigten. Allerdings glaube sie, das würde sich ändern, wenn es wirklich finanzielle Einbußen gebe. Es gebe auch weitere Fragen: "Kann ein schwuler Spieler zum Trainingslager in Katar fahren?", so Cassel. Damit spielte sie auf den FC Bayern München an, der wiederholt in dem Land, in dem Homosexuellen Gefängnis, Folter oder gar Todesstrafe droht, trainiert hatte. "Es sind viel zu viele Interessen da, die mit Geld zu tun haben – und dann werden Werte kleiner geschrieben", ist Cassel überzeugt.

Hitzlsperger verteidigte aber noch einmal den Fußball: Schließlich sei dies kein Problem der Bundesliga, sondern ein generelles "Männer-Problem". Er wies etwa darauf hin, dass auch in der Basketball-Nationalmannschaft, die erst im September den WM-Titel nach Deutschland holte, ebenfalls kein einziger offen schwuler Spieler dabei sei.

Nun gibt es Hoffnung auf den 17. Mai, den Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT): Aktivist und Ex-Jugendnationalspieler Marcus Urban kündigte für dieses Datum ein Gruppen-Coming-out von Spielern aus Deutschland, Österreich und England an (queer.de berichtete) Dies sei der richtige Weg, so Cassel bei "Markus Lanz", denn dann verteile sich die Last auf mehreren Schultern: "Ich würde mich extrem freuen, wenn das passiert."

Hitzlsperger ist auch in der am Dienstag erschienenen Dokumentation "Das letzte Tabu" auf Prime Video zu sehen. (dk)

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