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Dresden

"Stoppt LGBTQ-Propaganda!": Anklage gegen Dynamo-Fans

Wegen eines queerfeindlichen Spruchbands hat die Dresdner Staatsanwaltschaft gegen vier Fans von Dynamo Dresden Anklage wegen gemeinschaftlicher Volksverhetzung und Beleidigung erhoben.


Das queerfeindliche Banner "Stoppt LGBTQ-Propaganda! Im Gästeblock sieht man das Ergebnis!" wurde am 4. März 2023 im im K-Block des Rudolf-Harbig-Stadions gezeigt (Bild: Twitter / Bruno Hönel)
  • 17. Februar 2024, 06:31h 3 Min.

Hass und Hetze im Stadion bleiben nicht ohne Konsequenzen: Am Freitag hat die Staatsanwaltschaft Dresden gegen vier Dynamo-Dresden-Fans Anklage wegen des Verdachts der gemeinschaftlichen Volksverhetzung und der gemeinschaftlichen Beleidigung erhoben.

Den vier Anhängern des Fußball-Drittligisten im Alter zwischen 20 und 24 Jahren wird vorgeworfen, am 4. März 2023 bei einem Spiel gegen den FC Erzgebirge Aue im K-Block des Rudolf-Harbig-Stadions herabwürdigende Spruchbänder gegen die Gäste-Fans hochgehalten zu haben, darunter war auch ein gezielt gegen queere Menschen gerichteter Spruch. Wörtlich hieß es: "Stoppt LGBTQ-Propaganda! Im Gästeblock sieht man das Ergebnis!" (queer.de berichtete). Auf einem anderen Banner wurden die Gäste aus Aue als Inzest-"Missbildungen" beleidigt. Darauf stand geschrieben: "Begonnen am 4. März 1946 mit Vater, Mutter, Bruder, Schwester und heute besiedeln 3.000 Missbildungen den Gästeblock. 77 Jahre Inzestbande – 77 Jahre Sachsens Schande!"

Auch homofeindliche Fangesänge gegen die Aue-Fans waren zu hören. Ein Anhänger des FC Erzgebirge Aue hatte nach dem Spiel einen Strafantrag gestellt.

Entschuldigung des Vereins erst zwei Tage später

Im vergangenen Jahr schaffte es der Verein erst nach zwei Tagen, sich von den Vorfällen zu distanzieren. "Im Namen der SG Dynamo Dresden entschuldige ich mich aus tiefstem Herzen bei der LGBTQ-Gemeinde und allen Dynamo-Fans, welche die Grundsätze und Werte unseres Vereins respektieren und sowohl in als auch außerhalb von Fußballstadien leben", erklärte das damalige Dynamo-Geschäftsführer Jürgen Wehlend (queer.de berichtete). Er kündigte auch eine Untersuchung des Vorfalls und mögliche Konsequenzen für die LGBTI-feindlichen Fans an. Dazu werde man unter anderem Spieltagsprotokolle und Videoaufnahmen auswerten. Die Spruchbänder im K-Block seien nicht angemeldet gewesen. Ein Ergebnis wurde bis heute allerdings nie mitgeteilt.

Da waren die Dresdner Staatsanwaltschaft und die Dresdner Polizei offenbar konsequenter. Die vier Beschuldigten konnten "nach umfangreichen Ermittlungen" identifiziert werden, heißt es in der Mitteilung der Behörden vom Freitag. Die Fans seien nicht vorbestraft und hätten keine Angaben zum Sachverhalt gemacht. Sie befänden sich nicht in Untersuchungshaft, da keine Haftgründe nach der Strafprozessordnung vorlägen. Das Amtsgericht Dresden werde nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens und die Zulassung der Anklagen entscheiden.

Neues queerfeindliches Banner erst vor wenigen Tagen

Erst Anfang des Monats waren Dynamo-Fans erneut durch Queerfeindlichkeit aufgefallen. Anhänger*innen des sächsischen Männer-Fußballclubs zeigten auf zwei Transparenten die Aufschrift: "Es gibt nur einen lächerlichen DFB… und zwei Geschlechter!" Der DFB leitete deshalb ein Ermittlungsverfahren ein (queer.de berichtete). Dynamo verteidigte jedoch seine queerfeindlichen Fans und erklärte, die "polarisierende Wortwahl" sei lediglich ein "Stilmittel" (queer.de berichtete).

Das jüngste Spruchband war eine Reaktion auf die Ende Januar vom DFB verhängte Geldstrafe gegen den Erstligisten Bayer Leverkusen, dessen Fans im November das Transparent "Es gibt viele Musikrichtungen, aber nur 2 Geschlechter" gezeigt hatten (queer.de berichtete). Während der Verein sich von der queerfeindlichen Botschaft distanziert hatte, hatte die Geldstrafe zu einiger – teils geschürter – Empörung in sozialen Netzwerken geführt.

In der vergangenen Woche zeigten auch Fans des Fußballvereins Energie Cottbus beim Heimspiel gegen Viktoria Berlin ein queerfeindliches Banner mit dem Aufdruck "Es gibt nur 2 Geschlechter… beide verachten den DFB" (queer.de berichtete). Beim Heimspiel des Chemnitzer FC gegen Cottbus zeigten dann die Rivalen ein Transparent mit dem Aufdruck "Es gibt nur zwei Geschlechter, das sieht selbst ein Blinder! DFB-Fanshop: Herren, Damen, Baby und Kinder". Damit spielten die Fans auf den binär gestalteten Shop des Verbands an (queer.de berichtete). (cw)

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