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Mögliches Hassverbrechen

USA: Nex, 16 und nicht-binär, nach Schlägen von Mitschülerinnen gestorben

Nex Benedict starb einen Tag nach dem Vorfall auf einer Highschool-Mädchentoilette. Die Polizei ermittelt zu den Hintergründen.


Nex Benedict starb bereits am 8. Februar

Starb im US-Bundesstaat Oklahoma eine junge nicht-binäre Person an den Folgen eines transfeindlichen Angriffes durch Mitschülerinnen? Zwei Wochen nach dem Tod von Nex Benedict, 16 Jahre alt und im Englischen das Pronomen "they" bevorzugend, sorgt der Fall zunehmend für Entsetzen, Trauer und Wut – und eine Diskussion über eine Mitverantwortung der Politik.

In den meisten Medienberichten wird Nex als nicht-binär beschrieben, manchmal, unter Veweis auf die berichtete Abstammung aus dem nordamerikanischen indigenen Volk Choctaw, auch als Two-Spirit. "Nex hat sich nicht als männlich oder weiblich gesehen", sagte Benedicts Mutter Sue dem Independent. "Nex hat sich direkt in der Mitte gesehen."

Berichten kurz nach der Tat zufolge starb Nex einen Tag nach einer "körperlichen Auseinandersetzung" an der Highschool der Stadt Owasso, bei der Nex Kopfverletzungen erhalten habe. Die Mutter hatte sich in den letzten Tagen mit mutmaßlichen Hintergründen des Falls an die Öffentlichkeit gewandt. Nex sei demnach schon länger Ziel von Mobbing gewesen, vor allem, nachdem der von den Republikanern regierte Staat 2022 ein Gesetz erlassen habe, das Schulen zwingt, von mehreren Personen nutzbare Toiletten und Umkleideräume als ausschließlich für Männer oder Frauen zu bestimmen, wobei der Geschlechtseintrag zur Geburt maßgeblich sei.

Am 7. Februar sei es dann in einer Mädchentoilette der Schule zu dem Vorfall gekommen, bei dem nach Schilderung von Benedicts Familie drei ältere Mädchen auf Nex und eine weitere junge trans Person einschlugen. Die Schule habe weder einen Krankenwagen noch die Polizei gerufen, sondern die Eltern der Beteiligten informiert, so die Mutter. Sue Benedict habe ihr Kind mit blauen Flecken im ganzen Gesicht und Kratzern am Hinterkopf in der Schule aufgefunden, zum Krankenhaus gebracht und von dort die Polizei informiert.

Nex sei dann am Abend entlassen worden, am nächsten Morgen aber im Wohnzimmer kollabiert, so die Mutter weiter. Beim Eintreffen des Krankenwagens habe Nex nicht mehr geatmet und sei am Abend im Krankenhaus für tot erklärt worden.

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Polizei ermittelt weiter

Die Polizei bestätigte am Dienstag in einer Stellungnahme, erst durch einen Anruf der Mutter aus dem Krankenhaus von dem Vorfall erfahren zu haben. Man habe inzwischen Beteiligte vernommen und werde weitere Vernehmungen durchführen. Man stehe im Kontakt mit der Staatsanwaltschaft, werde sich aber erst näher äußern, wenn die Ermittlungen abgeschlossen seien. So warte man auf den Pathologie-Bericht zu den Ursachen des Todes: "Es ist derzeit nicht bekannt, ob der Tod mit dem Vorfall in der Schule zusammenhängt oder nicht."

Nex sei unter anderem zu Boden gerungen worden und mit dem Kopf auf dem Boden aufgeschlagen, so Sue Benedict gegenüber dem Independent. Sie ist die Großmutter des Kindes, hat Nex aber adoptiert und mit weiteren Kindern aufgezogen und wird folglich in Medienberichten und rechtlich auch als Mutter bezeichnet. Über die Entscheidung der Schule, weder die Polizei noch einen Krankenwagen zu rufen, zeigte sie Unverständnis. Stattdessen sei Nex gar für zwei Wochen vom Unterricht suspendiert worden.

Die Schule betonte am Dienstag in einer Stellungnahme, es gebe viele "Spekulationen und Falschinformationen" zu dem Fall, zu dem man sich aufgrund der laufenden Ermittlungen und "aus Respekt und der Vertraulichkeit gegenüber allen Beteiligten" nur eingeschränkt äußern könne. Die Auseinandersetzung habe demnach maximal zwei Minuten gedauert und sei durch Mitschüler*innen und eine Lehrkraft beendet worden. Alle Beteiligten hätten sich selbstständig zur Schulverwaltung bzw. zum Raum für Erste Hilfe begeben können. Eine pflegerliche medizinische Begutachtung aller Beteiligten habe nicht die Notwendigkeit für einen Notfalleinsatz ergeben. Einem – nicht benannten – Elternteil sei allerdings geraten worden, das Kind für eine weitere Evaluation in eine medizinische Einrichtung zu bringen. Die Schule habe damals zugleich begonnen, durch Gespräche den Vorfall aufzuklären. Es entspräche den Richtlinien, Eltern über Auseinandersetzungen zu informieren und über die Möglichkeit aufzuklären, von sich aus die Polizei hinzuzuziehen.

Mobbing, Rhetorik und Politik

Nex sei seit Anfang 2023 zum Ziel von Mobbing geworden, so die Mutter gegenüber dem "Independent", habe sich an solchen Tagen oft im Zimmer verschlossen. Die Schule war kurz zuvor in den Schlagzeilen gewesen, nachdem ein Lehrer zur Zielscheibe von rechtem Online-Hass geworden war. In einem unter anderem von "Libs of TikTok" skandalisierten Video hatte er gesagt: "Wenn deine Eltern dich nicht so akzeptieren, wie du bist, dann fick sie. Ich bin jetzt deine Eltern." Später verließ er die Schule. Nex sei über die Stimmungsmache wütend gewesen, so die Mutter: "So viele Menschen drängen Kinder dazu, etwas bestimmtes zu sein, und man muss ihnen erlauben, sich selbst zu finden und zu sein, wie sie sein sollten. Die Gesellschaft muss sie so sehen, wie sie sind. Sie so akzeptieren, denn wir sind alle Menschen."

"Der Angriff auf Nex ist eine unvermeidliche Folge der hasserfüllten Rhetorik und der diskriminierenden Gesetzgebung gegen trans Jugendliche in Oklahoma", erklärte die Bürgerrechtsorganisation ACLU in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit anderen Gruppen. Bereits vor zwei Jahren habe man Klage gegen das Gesetz eingereicht, "das Schulen dazu verpflichtet, Schüler*innen wie Nex zu diskriminieren, weil wir glauben, dass alle Schüler*innen das sichere und positive Umfeld haben sollten, das sie brauchen, um erfolgreich zu sein". Richtlinien, die "trans Schüler*innen in Gefahr bringen, machen Schulen zu weniger sicheren Orten für alle Schüler*innen". Das Verfahren vor einem Bundesgericht läuft noch.

/ TransLawCenter
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Die queere Organisation "Freedom Oklahoma" schrieb unter der Überschrift "Rest in power Nex Benedict", noch seien viele Details zu dem möglichen Hassverbrechen ungeklärt. Man wolle sich aber an die "Community wenden, die mit diesem schrecklichen Leid zu kämpfen hat, und mit der Trauer, die wir alle teilen, wenn wir über die wachsende Anti-2SLGBTQ+-Stimmung nachdenken, mit der unsere jüngsten Community-Mitglieder immer häufiger konfrontiert werden". Diese werde angefacht durch Gesetze und Rhetorik aus der Politik und durch "zunehmende Plattformen, die die Mächtigen Leuten wie Chaya Raichik ('Libs of TikTok') geben, die diese weiterhin auf eine Weise nutzen, die andere dazu bringt, den Kindern von Oklahoma wirkliches Leid anzudrohen".

Der staatliche Verantwortliche für Schulverwaltung in Oklahoma, Ryan Walters, hatte die queerfeindliche Aktivistin Raichik im letzten Monat in ein Expert*innengremium für Schulbibliotheken berufen. Der in das Amt des "Superintendent of Public Instruction" gewählte Repulikaner hatte sich immer wieder queerfeindlich geäußert und unter anderem Trans-Identität als einen "Angriff auf die Wahrheit" beschrieben. (cw)


Update 22.2., 09.35h: Nex starb laut Polizei nicht an Folgen von Verletzungen

Nach einer neuen Stellungnahme der Polizei vom Mittwochabend sei der Tod von Nex keine Folge von Verletzungen aufgrund äußerer Einwirkungen: "Nach vorläufigen Informationen der Rechtsmedizin wurde eine vollständige Autopsie durchgeführt, die ergab, dass die verstorbene Person nicht an den Folgen eines Traumas starb. Weitere Aussagen zur Todesursache sind erst möglich, wenn die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchung und anderer zusätzlicher Tests vorliegen. Der offizielle Autopsiebericht wird zu einem späteren Zeitpunkt vorliegen." Die Ermittlungen zu der "Auseinandersetzung" dauerten an.

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