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Gegen Unions-Antrag

Sexarbeiter*­innen wehren sich gegen "De-facto-Berufsverbot"

Die Union – und auch einige Ampel-Abgeordnete – würden gerne das Nordische Modell in Deutschland einführen. Der Berufsverband der Sexarbeiter*innen hält das für gefährlich.


Sexarbeit ist Thema in Filmen wie "Sauvage" (Bild: Edition Salzgeber)

  • 23. Februar 2024, 12:26h 2 Min.

Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD) hat am Freitag das von der Union georderte Sexkaufverbot (PDF) scharf kritisiert. Das komme einem Berufsverbot für Sexarbeitende gleich, so der Verband.

Die Unionsfraktion im Bundestag fordert die Einführung des sogenannten "Nordischen Modells", bei dem die Person bestraft wird, die für Sex Geld bezahlt (queer.de berichtete). Der Bundestag wird am Freitagnachmittag in erster Lesung über den Antrag debattieren.

Laut dem BesD seien aber eine Vielzahl der Behauptungen im Antrag der Unionsfraktion "empirisch nicht haltbar". "So schreibt die CDU/CSU, dass sich die Situation von in der Sexarbeit tätigen Personen seit Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes 2002 'drastisch verschlechtert' habe. Belastbares Zahlenmaterial zu Prostitution liegt aktuell jedoch nicht vor. Schätzungen in diesem sehr inhomogenen Themenfeld differieren stark und sind somit nicht aussagekräftig." Alleine die sehr umfangreiche Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes, die im Sommer nächsten Jahres vorliegt, könne genaue Auskünfte geben.

Die im Antrag aufgelisteten 16 Forderungen bezeichnet der BesD als "überwiegend realitätsfern und wenig zielführend". So strebe die Union damit – trotz gegenteiliger Behauptungen – ein "De-facto-Berufsverbot" für Sexarbeitende an. Sie lebten dann gefährlicher, weil sie "auf informelle und somit unsichere Arbeitsorte ausweichen [müssen], wo sie auch für Beratungsstellen und polizeiliche Maßnahmen schwerer auffindbar sind". Die strengere Definition von Zuhälterei könne außerdem jegliche Person treffen, die Sexarbeitende unterstützt. So könnten etwa Chauffeure oder Web Designer belangt werden.

/ Johanna_Weber_

Bei Abgeordneten der Ampel-Koalition ist das Sexkaufverbot umstritten. So hat sich etwa Bundesjustizminitser Marco Buschmann (FDP) dagegen ausgesprochen (queer.de berichtete). In der Vergangenheit hatte sich auch der heutige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) für ein Sexkaufverbot ausgesprochen (queer.de berichtete). Die Deutsche Aidshilfe sprach sich gegen derartige Einschränkungen für Sexarbeitende aus (queer.de berichtete). (dk)