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USA
Nach Tod von Nex: Konsequenzen gefordert
Der Tod einer 16-jährigen nichtbinären Person im als queerfeindlich geltenden US-Bundesstaat Oklahoma muss politische Konsequenzen haben, so die Forderung von LGBTI-Aktivist*innen.

In Oklahoma City gedachten hunderte Menschen dem verstorbenen Nex Benedict (Bild: IMAGO / USA TODAY Network)
- 26. Februar 2024, 13:36h 3 Min.
Mehrere hundert Menschen haben am Samstag bei einer Mahnwache in Oklahoma City der am 8. Februar nach einer offenbar queerfeindlich motivierten Attacke verstorbenen nichtbinären Person Nex Benedict gedacht. Nex hatte laut "NBC News" sowohl das geschlechtsneutrale Personalpronomen they als auch er/ihn genutzt. Die nichtbinäre Person war von mehreren Schülerinnen an der Highschool der Stadt Owasso brutal zusammengeschlagen worden und einen Tag später gestorben (queer.de berichtete).
Die Demonstrierenden hatten sich mit Kerzen an der 39th Street versammelt, der queeren "Gayborhood" in Oklahoma City, die knapp 200 Kilometer vom Tatort in Owasso entfernt liegt. Auf der Veranstaltung beschuldigte Nicole Poindexter von der LGBTI-Organisation Human Rights Campaign (HRC) auch die queerfeindliche Politik im republikanisch kontrollierten Oklahoma, für den Tod von Nex verantwortlich zu sein. "Wir haben ihnen gesagt, dass so etwas passieren wird", erklärte Poindexter. "Wir haben ihnen gesagt, dass – wenn sie diese Hass-Rhetorik fortsetzen – Menschen sterben werden. Ich bin darüber erschüttert, dass wir recht hatten."
Transfeindliche Rhetorik auch nach Nex' Tod
Für Empörung sorgte insbesondere Ryan Walters, der Chef der Schulbehörde von Oklahoma. Nach dem Tod von Nex dementierte er pauschal die Existenz von nichtbinären Menschen, als er gegenüber der "New York Times" kalt erklärte: "Es gibt nicht mehrere Geschlechter. Es gibt zwei. So hat uns Gott geschaffen." Poindexter und andere forderten Walters' Rücktritt.

Queerfeind Ryan Walters war bis Anfang des Jahres Landesbildungsminister in Oklahoma und ist seither Chef der Landesschulbehörde (Bild: United States House Committee on Education and the Workforce)
Laut "The Oklahoman" werden im Parlament des Bundesstaates derzeit 50 (!) Gesetzentwürfe debattiert, mit denen die Rechte von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten eingeschränkt werden sollen. Mehrere Verbote sind schon in Kraft getreten – etwa ein Behandlungsverbot für trans Menschen unter 18 Jahren oder ein Verbot für trans Schüler*innen, die ihrer Geschlechtsidentität entsprechende Schultoilette zu benutzen.
/ KelleyJRobinsonThe adults in charge failed to protect Nex Benedict from a culture of anti-LGBTQ+ hate and violence.
Kelley Robinson (@KelleyJRobinson) February 23, 2024
We are calling for full accountability, and the removal of Oklahoma State Superintendent Ryan Walters. #JusticeForNexhttps://t.co/YZrUZZ891n pic.twitter.com/l46gL5rZqH
Am Freitag veröffentlichte die Polizei auch ein Video, das das Gespräch eines Polizeibeamten mit Nex nach der Attacke in der Schule zeigt. Darauf ist zu sehen, wie Nex beschreibt, "bewusstlos" geschlagen worden zu sein, während die Schülerinnen in der Schultoilette auf ihre Person eingeprügelt hätten. Die drei Schlägerinnen hätten sich dabei über die nichtbinäre Person und deren Freund*innen "wegen der Art, wie wir uns anziehen" lustig gemacht.
/ Esqueer_Newly released bodycam footage shows a Owasso HS resource officer speaking with Nex Benedict and their family at the hospital.
Alejandra Caraballo (@Esqueer_) February 24, 2024
Confirms that it was 3 girls who were bullying Nex for over a month and that they beat her on the ground in the bathroom after they threw water. pic.twitter.com/of95AnETWL
Unklar ist weiter, woran Nex gestorben ist. Die Polizei hatte nach der Autopsie mitgeteilt, dass die untersuchte Person nicht an den Folgen eines Traumas zu Tode gekommen sei. Allerdings müssten noch Ergebnisse der toxikologischen Untersuchung und anderer Tests abgewartet werden.
Sorgen auch in Deutschland
Auch in Deutschland sorgen sich Aktivist*innen darüber, dass die aggressiver werdende Atmosphäre gegen trans Menschen ähnliche Ereignisse wie in Oklahoma wahrscheinlicher werden lasse. Die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) erklärte etwa am Sonntag auf Instagram: "Vor diesem Hintergrund gesehen sind 'Genderverbote', die sich in Deutschland gegen geschlechtergerechte Sprache und letztendlich auch gegen nicht-binäre und agender Menschen als Individuen richten, hochgradig diskriminierend und können lebensgefährlich werden. Weitere Beispiele für diese Politik sind Datenbanken für Schüler*innen, die die Personenstände divers oder ohne Geschlechtseintrag nicht vorsehen, wie in Bayern und Hessen", so die dgti.
Der Streit um das Selbstbestimmungsgesetz, mit der die Ampel-Koalition das in weiten Teilen verfassungswidrige Transsexuellengesetz aus dem Jahr 1981 ersetzen will, heizte hierzulande die Atmosphäre vermehrt an. Insbesondere aus der Union und der AfD wird versucht, so queerfeindliche Wähler*innen zu gewinnen, aber auch am linken Rand wird durch das "Bündnis Sahra Wagenknecht" Stimmung gegen trans Menschen gemacht. Hinzu kommt, dass die deutsche Cheffeministin Alice Schwarzer bereits seit Jahren versucht, Trans-Identität als "Mode" zu diffamieren. (cw)














