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Kinostart
Jesus als verbotene Wichsvorlage
Das Drama "Almamula" erzählt eine besondere Geschichte über Einsamkeit und Sünden: Der 14-jährige Nino flieht mit seinen Eltern vor homofeindlichen Attacken aufs Land. Dort wartet ein Monster – und ein strenger Priester.

Nino (Nicolás Díaz, li.) leidet unter seiner homofeindlichen Umgebung (Bild: Cinemien)
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28. Februar 2024, 00:53h 3 Min.
Noch warmes Rinderblut solls richten. Dem Tier wurde eben erst der Hals durchtrennt, schon fährt Ninos Vater mit dem dicken roten Blut durch das Gesicht des 14-Jährigen. Männlicher soll der Teenie dadurch werden, stark werden wie der Bulle, durch dessen Adern das Blut gerade noch floss.
Denn Nino, sagt es der Priester, ist eigenartig. Und was der Priester sagt, das glauben die Eltern hier, im ländlichen Norden Argentiniens. Er ist ein schmaler Junge, dessen längere dunkle Haare manchmal sein rechtes Auge verdecken.
Zu oft gesehen: Ein Junge leidet unter Homofeindlichkeit

Poster zum Film: "Almamula" startet am 29. Februar 2024 im Kino
In seiner Heimatstadt wurde er homofeindlich gemobbt, ausgegrenzt, geschlagen und getreten. Die Eltern ziehen deshalb mit ihm und der Schwester vorübergehend aufs Land. Hier wartet nicht nur die Vorbereitung auf seine Firmung auf ihn, sondern auch ein eigenartiges Monster. Almamula heißt es, es schnappt sich die sexuell Sündigen, die Unangepassten.
Die im Wald lebende Kreatur gibt dem Drama des argentinischen Regisseurs Juan Sebastian Torales seinen Titel. Die Ausgangslage des Films ist (zu) oft gesehen: Ein Junge, schwul oder bi oder queer und/oder in den Augen anderer einfach nicht männlich genug, leidet unter seiner homofeindlichen Umgebung.
Traumhafte Szenen
Da muss die Frage aufkommen, ob es einen weiteren Film braucht, in dem ein queerer Jugendlicher angespuckt wird, für den – wenn auch nur zunächst – die Opferrolle vorgesehen ist, der einsam und missverstanden ist. Eigentlich nicht.
Doch Regisseur, Drehbuchautor und Cutter Juan Sebastian Torales gelingt es dennoch, nach einem klassischen Beginn eine besondere Geschichte zu erzählen. Dafür fügt er seinem Drama hier und da kleine Spuren Fantastik hinzu und lässt manche Szenen traumhaft erscheinen. Auch die teils harten Schnitte unterbrechen den sonst so sanften Rhythmus von "Almamula". Sonst ist sein Film über weite Strecken eher ruhig, er erzählt in langen Einstellungen.
Das Monster rund um Sexualität
Das passt zu Nino, der ein leiser, eher unauffälliger Junge ist. Darsteller und Newcomer Nicolás Díaz, dessen erster Film "Almamula" ist, spielt bemerkenswert – und gibt Nino etwas Mystisches: Der Junge findet Jesus anziehend, nimmt ein Christus-Bildchen in die Hand, wenn er sich einen runterholt. Und, dann doch nicht mehr so ruhig, sagt dem Priester das auch noch beim Konfirmationsunterricht. Was für ein sündiges, beschämendes Begehren, urteilt der.
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Nur konsequent, dass Nino sich zum Monster hingezogen fühlt. "Almamula" erzähle nicht, erklärt Regisseur Juan Sebastian Torales, von einem Monster im Wald, sondern von einem, "das wir als Menschen um die Sexualität herum erschaffen haben, und davon, wie alles, was anders ist, uns manchmal Angst macht".
Ein Monster, das Kirche und Gesellschaft erschaffen, das sie aufblähen und angsteinflößend wirkt. Und das gar nicht leicht zu durchschauen ist. Nino jedoch scheint das zu gelingen. Der Priester hat vielleicht Recht: Er ist ein eigenartiger – ein besonderer – Junge.
Almamula. Mysterie-Drama. Argentinien, Frankreich, Italien 2023. Regie: Juan Sebastián Torales. Cast: Nicolás Díaz, María Soldi, Cali Coronel, Martina Grimaldi, Luisa Lucía Paz, Beto Frágola, Tania Darchuk, Adrián Ramallo. Laufzeit: 96 Minuten. Sprache: spanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 12. Verleih: Cinemien. Kinostart: 29. Februar 2024
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