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Sexualisierte Gewalt
Missbrauchs-Studie: Mehr als 100 Opfer bei deutschen Pfadfinder*innen
Beim Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder gab es laut einer neuen Studie viele Missbrauchsfälle. Die Taten wurden fast ausschließlich von Männern begangen.
- 29. Februar 2024, 13:48h 2 Min.
Mehr als 100 Betroffene und Dutzende Beschuldigte: Eine Studie hat zahlreiche Missbrauchsfälle bei den Pfadfinder*innen in Deutschland aufgelistet. Die Untersuchung, die das Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) in München vorstellte, geht von mindestens 50 Beschuldigten und 123 Betroffenen im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) aus.
Dazu kommen der Studie zufolge 24 Beschuldigte und 26 Betroffene, die zwar aus dem "Pfadfinderkontext" stammen, aber nicht zum Verband gehören. Nach Angaben des BdP handelt es sich um die erste derartige Untersuchung in Deutschland, die sich auf einen Jugendverband bezieht.
"Zwei Prototypen" bei Tätern
Betroffen waren nach Angaben der Forschenden ebenso viele Mädchen wie Jungen, die Täter seien allerdings nahezu ausschließlich männlich. Dabei gebe es "zwei Prototypen", heißt es in der Studie: der ältere, erwachsene Pfadfinder und der Jugendliche oder junge Erwachsene, "der seine Stellung als Leitungsfigur benutzt, um Jüngere sexuell auszubeuten".
Das IPP München, das unter anderem sexuelle Gewalt in der Odenwaldschule und im oberbayerischen, katholischen Kloster Ettal untersucht hat, hat die Studie gemeinsam mit "Dissens – Institut für Bildung und Forschung" in Berlin durchgeführt. Der Schwerpunkt der Studie liegt auf den Jahren zwischen 1976 und 2006. Die Autor*innen untersuchten Dokumente in Archiven oder werteten Meldungen von Betroffenen und Zeitzeug*innen aus.
Laut der Studie dürfte es ein hohes Dunkelfeld bei diesen Übergriffen geben – unter anderem, weil aus einigen Bundesländern überhaupt keine Informationen geliefert worden seien. Außerdem würden sich Pfadfinder*innen sehr stark mit dem Verband und anderen Mitgliedern identifizieren, so dass es schwer falle, den Missbrauch öffentlich zu machen. Denn dies könne als Verrat verstanden werden, so die Forschenden.
Die Studie war vom BdP in Auftrag gegeben worden. BdP-Bundesvorsitzende Annika Schulz zeigte sich entsetzt über die Ergebnisse und darüber, dass es ihrem Verband "in der Vergangenheit nicht gelungen ist, seine Mitglieder vor sexualisierter Gewalt und (Macht-)Missbrauch zu schützen".
Der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder war 1976 gegründet worden und ist mit 30.000 Mitgliedern der größte interkonfessionelle Verband in diesem Bereich. (dpa/dk)














