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Kulturstaatsministerin beklagt Antisemitismus

Claudia Roth: "Es wäre ein Skandal, wenn Israel ausgeschlossen würde"

Die deutsche Kulturstaatsministerin hält einen möglichen Ausschluss von Israel vom ESC für skandalös – mit Verweis auf Dana International, die das "weltoffene, freie und diverse Israel" vertrete.


Ex-Grünen-Chefin Claudia Roth setzt sich dafür ein, dass Israel weiter beim ESC mitmachen darf (Bild: Heinrich-Böll-Stiftung / flickr)

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) hat sich in einem am Freitag veröffentlichten "Spiegel"-Interview (Bezahlartikel) mit deutlichen Worten gegen einen Ausschluss Israels aus dem diesjährigen Eurovision Song Contest ausgesprochen. Hintergrund sind Berichte darüber, dass die Europäische Rundfunkunion den israelischen Beitrag "October Rain", der den Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 künstlerisch aufarbeiten soll, als zu politisch beim ESC verbieten wolle (queer.de berichtete). Zuletzt gab es Meldungen, dass auch ein zweiter von Israel eingereichter Song der EBU nicht genehm sei.

"Ich bin gnadenloser ESC-Fan seit Jahrzehnten"

Auf das mögliche Auftrittsverbot angesprochen, erklärte Roth: "Absurd. Ich bin gnadenloser ESC-Fan seit Jahrzehnten. Es war mir immer wieder eine besondere Freude, dort israelische Künstlerinnen und Künstler zu sehen. Wofür stand denn Dana International?" Roth bezog sich damit auf die Siegerin des Jahres 1998, die als erste und bislang einzige trans Sängerin den Contest für sich entscheiden konnte. "Sie stand für das weltoffene, freie und diverse Israel – von dem die Leute, die heute von der Hamas als einer vermeintlichen Befreiungsbewegung reden, offensichtlich überhaupt keine Ahnung haben", so die Grünenpolitikerin. "Es wäre ein Skandal, wenn Israel ausgeschlossen würde."

Direktlink | Der Auftritt von Dana International 1998
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Sie selbst habe den Song bereits angehört. "Und ich finde das einen guten Song", so Roth. Bislang ist das Lied noch nicht veröffentlicht worden, sondern nur der Text. Dieser enthält keine direkten politischen Botschaften, vielmehr ist es eine Trauer-Ballade mit Textbausteinen wie "Jemand hat heute Nacht den Mond gestohlen / Nahm mein Licht / Alles ist schwarz und weiß / Wer ist der Narr, der dir sagte / Jungs weinen nicht?" Fast der gesamte Text ist auf Englisch mit vier Zeilen auf Hebräisch.

"Es kann nicht sein, dass jüdische Künstler nicht mehr auftreten können"

Roth setzte sich weiter dafür ein, dass jüdische Künstler*innen nicht wegen ihrer Herkunft oder Religion diskriminiert werden: "Es kann nicht sein, dass jüdische Künstler nicht mehr auftreten können, weil ein stiller Boykott sie daran hindert, wie jüdische Künstlerinnen und Künstler berichten", erklärte die Staatsministerin.

Damit sprach Roth die sogenannte BDS-Bewegung an, die seit Jahrzehnten aktiv ist. BDS steht für Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen und strebt einen Komplettboykott von Israel an – in der Realität führt das freilich auch zu Boykotts jüdischer Läden. Außerdem verkehren viele BDS-Anhänger*innen privat oder geschäftlich nicht mit Menschen, die einen israelischen Pass besitzen, unabhängig davon, wer diese Israelis sind; mit Staatsbürger*innen von grausamen Diktaturen haben BDS-Anhänger*innen indes meist kein Problem.

"Es gibt bei Linksradikalen diesen ekelhaften offenen Antisemitismus"

Anlass für das Roth-Interview war ein Eklat bei Preisverleihung der Berlinale vergangenes Wochenende, bei dem Israel einseitig Völkermord vorgeworfen wurde, aber der Terror der Hamas praktisch kein Thema war. Roth, die dem Event beigewohnt hatte, übte im "Spiegel" scharfe Kritik an jenen, die Israel und/oder jüdische Menschen grundsätzlich ablehnen: "Es ist bitter, dass die missglückte und zum Teil unerträgliche Preisverleihung jetzt die ganze Berlinale überschattet." Und weiter: "Es gibt bei Linksradikalen diesen ekelhaften offenen Antisemitismus."

Auch andere Sänger*innen fordern teilweise einen Ausschluss Israels vom Eurovision Song Contest. So unterzeichneten mehr als 1.000 schwedische Künstler*innen einen offen Brief, in dem gefordert wird, dass der jüdische Staat ein ESC-Verbot erhält (queer.de berichtete).

Auch der offen schwule britische Sänger Olly Alexander hatte bereits im Dezember einen Aufruf zum Ausschluss Israels unterzeichnet; das Land wurde in dem Dokument als "Apartheid-Staat" bezeichnet. Die israelische Botschaftssprecherin Orly Goldschmidt kritisierte daraufhin die BBC, weil sie einen Teilnehmer zum ESC schicke, "der solch parteiische Ansichten zu Israel unterstützt und eine derart entmenschlichende Sprache für Israelis verbreitet". Alexanders Song wurde erst am Freitag vorgestellt (queer.de berichtete). (dk)

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