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Comic

Frühstücks-Pfannkuchen auf Umschnall-Dildo gespießt

Das Leben von "Fungirl" dreht sich hauptsächlich um Selbstbefriedigung, Vulven und Sexualität. Jetzt sind die gesammelten Comics von Elizabeth Pich über die queere Antiheldin endlich auf Deutsch erschienen.


Fungirl setzt alles daran, möglichst unangenehm zu sein (Bild: Elizabeth Pich)
  • Von Bo Wehrheim
    5. März 2024, 07:57h 3 Min.

Sie ist pleite, arbeitslos und alles, was sie anfasst, endet im Chaos. Aber Fungirl ist so cool in ihrer Loser-Rolle, dass man ihr gerne beim Scheitern zusieht. Denn sie selbst schert sich überhaupt nicht darum, was andere von ihr denken, vielmehr setzt sie alles daran, möglichst unangenehm zu sein. Sie ist laut und schamlos, provoziert und treibt ihre Mitmenschen an ihre Grenzen.

Schon nach den ersten Seiten muss man sie einfach lieben: Nachdem sie eine Tiefkühlpizza im Ofen vergessen hat, kommentiert sie den Feuerwehreinsatz in ihrer völlig verqualmten Wohnung lapidar mit: "Sorry, war am Masturbieren". Überhaupt dreht sich ihr Leben hauptsächlich um Selbstbefriedigung, Vulven und Sexualität. Sie bombardiert Burschenschaftler mit dem Blut ihrer Menstruationstasse und verleiht in einer Bar Auszeichnungen an diejenigen, die sie am besten geleckt haben.

Die Mitbewohnerin ist auch die Ex


Der Comic-Sammelband "Fungirl" ist am 5. März 2024 in der Edition Moderne erschienen

Ihre Mitbewohnerin und Ex-Freundin Becky verkörpert das komplette Gegenteil: Sie ist angepasst, eine Karrierefrau und Möchtegern-Girlboss und scheint ihr Leben im Griff zu haben. Becky führt eine Beziehung mit Peter, einem gewissenhaften Moralisten, der den klassischen linken Dude persifliert: pseudo-reflektiert, etwas selbst-mitleidig und leicht kränkbar, aber liebenswert. Die Unterschiedlichkeit des Trios führt zu witzigen und absurden Situationen. Denn Fungirl gibt zero fucks auf Peters zartes Gemüt, sie stürmt morgens nackt in die WG-Küche und spießt sich den Frühstückspfannkuchen auf ihren Umschnall-Dildo. Im Subtext verhandelt der Comic linke Wertvorstellungen, wird dabei aber nie zu ernst.

Fungirl stellt mit ihrem ungehemmten Auftreten Machtverhältnisse auf den Kopf und hinterfragt Klassen- und Genderordnungen. Dabei bleibt nicht aus, dass sie sich manchmal genauso scheiße verhält, wie die Herrschenden: Ihre Aktionen sind teils übergriffig und grenz­überschreitend, lassen sich aber meist subversiv auslegen und verzeihen.

Visuell wirkt der Comic eher unambitioniert und ist nicht unbedingt ästhetisch gezeichnet. Die Figuren sind verkürzt dargestellt, haben keinen Hals, die Köpfe bestehen aus einem Kreis mit Augen. Die Zeichnungen sind damit genauso lazy wie die Protagonistin selbst.

Auf Instagram fast 19.000 Fans

Eine Antiheldin wie Fungirl gibt es im deutsch-sprachigen Comic-Raum noch nicht. Nachdem die Saarbrücker Zeichnerin Elizabeth Pich bereits 2014 die ersten "Fungirl"-Comics im Selbstverlag veröffentlichte, hat die Reihe in den letzten Jahren für einige Aufmerksamkeit gesorgt. Dem Instagram-Account @fffungirl folgen mittlerweile fast 19.000 Fans. Auf Englisch, Französisch und Italienisch ist "Fungirl" (Amazon-Affiliate-Link ) bereits zu lesen, nun ist ihr Sammelband bei Edition Moderne endlich auch auf Deutsch erschienen.

Einige Jokes sind nichts für schwache Nerven, und nach ungezählten Katastrophen fühlt man sich vom Beim-Scheitern-Zusehen etwas erschöpft, aber der Comic lohnt sich. Fungirl überzeugt mit ihrer einzigartigen Perspektive und brachial-feministischem Slapstic-Humor. Wie der beim deutschen Publikum ankommt, wird sich zeigen.

Infos zum Buch

Elizabeth Pich: Fungirl. Comic. Aus dem Englischen von Christoph Schuler. 256 Seiten. Farbig. Edition Moderne. Zürich 2024. Taschenbuch: 26 € (ISBN 978-3-03731-263-6)

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