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"Let's Dance"-Juror
Jorge González: "Ich bin alles, was die AfD hasst"
Der aus Kuba stammende Jorge González erklärte, er lebe den deutschen Traum. Der Aufstieg der homosexuellenfeindlichen AfD bereitet ihm hingegen kaum Sorgen.

Jorge González am 23. Februar bei der Aufzeichnung einer Folge von "Let's Dance" in Köln (Bild: IMAGO / Panama Pictures)
- 15. März 2024, 11:35h 2 Min.
"Let's Dance"-Juror Jorge González lebt als Antithese zur AfD "den deutschen Traum". Das erklärte der aus Kuba stammende Hamburger in einem am Freitag von "Zeit Online" (Bezahlartikel) veröffentlichten Interview.
Wörtlich sagte der 56-Jährige: "Ich lebe den deutschen Traum. Natürlich ist nicht alles perfekt, aber ich habe hier viel Toleranz erfahren. Auch schon bevor ich bekannt war." Als er etwa in den Neunzigerjahren im transparenten Versace-Anzug aus Netzstoff mit nur einem Tanga darunter durch die Straßen der Hansestadt spaziert sei, "dann wurde ich zwar mit offenem Mund angestarrt, aber ich habe das nie als bösartig empfunden. Vielleicht hatten diese Leute noch nie jemanden mit dunkler Haut und Afro gesehen oder einen Mann in High Heels. Ich denke, sie waren überrascht und neugierig".
"Ich habe keine Angst"
Zur rechtsextremen AfD hat González eine klare Meinung: "Ich bin alles, was die AfD hasst: ein Homosexueller, ein 'mulato', ein Migrant – und noch dazu erfolgreich. Aber ich habe keine Angst. In Deutschland ist Platz für viele Menschen. Und Arbeit gibt es auch mehr als genug. Die Rechten erstarken hier wie in der ganzen Welt, aber die Mehrheit denkt anders."
In dem Interview sprach González auch davon, wie ihm seine Tante während seiner Kindheit Bücher von Franz Kafka vorgelesen habe. Das habe er eher als abschreckend empfunden. Als er nach Deutschland kam, lernte er dann die Sprache mit Hilfe von Kultkomiker Heinz Ehrhardt (1909-1979): "Ich kenne fast alle seine Filme. Je mehr ich verstanden habe, desto mehr habe ich gelacht. Er betont gut und spricht sehr melodisch, das war leichter zu verstehen. Ich habe versucht, ihn zu imitieren."
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González hatte sein Heimatland Kuba als Teenager verlassen, weil die kubanische Gesellschaft seine Homosexualität nicht akzeptierte. Nach einem naturwissenschaftlichen Studium der Nuklearökologie in der damaligen Tscheoslowakei arbeitete er als Stylist, Imageberater und Choreograf von Modenschauen. 2009 trat er die Nachfolge von Bruce Darnell als Choreograf und Trainer in der Model-Casting-Show "Germany's Next Topmodel" an. Seitdem ist González aus dem deutschen Fernsehen nicht mehr wegzudenken. Seit 2013 ist er Jurymitglied der RTL-Tanzsendung "Let's Dance". (cw)













