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Interview

50 Jahre AHA: "Wir waren weniger ideologisch"

Die Allgemeine Homosexuelle Arbeitsgemeinschaft (AHA) in Berlin gehört zu den ältesten queeren Initiativen in Deutschland. In diesem Monat feiert sie ihren 50. Geburtstag. Wir haben uns mit aktiven Mitgliedern unterhalten.


Die Räume der AHA in der Berliner Monumentenstraße (Bild: Michael F. Mehnert / wikipedia)

Vor 50 Jahren wurde die AHA Berlin gegründet, wie kam es dazu?

Kai-Oliver Pöhle: Das können wir ja alle nur aus dritter Hand erzählen. Es gab als Vorläufer der AHA eine internationale Organisation IHWO, die hatte seinerzeit einen finanziellen Crash, und der deutsche Ableger, der in Berlin existierte, das waren einige wenige Männer, die hatten die Idee, wir wollen jetzt selber was ins Leben rufen. Die AHA war damals noch kein Verein, sondern eine Gruppe von Menschen, die sich getroffen haben, um etwas zu tun. Die damals existierende HAW, die Homosexuelle Aktion Westberlin, war weitaus ideologischer, die AHA war nicht so intellektuell und akademisiert. Man wollte sich öffnen für weitere Kreise von Menschen.

Axel Hüntelmann: Ich erinnere mich aus Interviews mit damaligen Mitgliedern, dass die aus diesem Grund aus der HAW ausgetreten waren und durch diese Neuzugänge entstand damals in der Gruppe eine ganz neue Dynamik, die schließlich zur Gründung des Vereins führte. Es wurde damals immer betont, dass man "Praktiker" sei, nicht so sehr die Welt verändern wollte, sondern pragmatisch Projekte umsetzen wollte.

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Die AHA war ja damals auch beteiligt an mehreren Gründungen anderer Projekte, etwa dem schwulen Sportverein Vorspiel, manche CSDs wurden in der AHA geplant und auch das noch heute bestehende Magazin "Siegessäule".

Kai-Oliver Pöhle: Naja, es gibt drei Gründungslegenden, eine davon hat mit der AHA zu tun, weil wohl der Vorläufer, die AHA-Info, zu zeitintensiv wurde, und man sich dann Partner gesucht hat. Aber klar, die Gründer der AHA waren gut vernetzt, man kannte sich halt in West-Berlin. Die anderen beiden Legenden sehen das SchwuZ oder den schwulen Buchladen "Prinz Eisenherz" als Geburtsort der "Siegessäule", es wurde aber ohnehin damals viel gegründet, geplant und diskutiert.

Die 1980er und 1990er Jahre waren sicherlich im Hinblick auf die Aids-Krise eine Herausforderung, wie war das damals?

Axel Hüntelmann: Als Reaktion auf die Aids-Krise wurden damals die ersten Jack-Off-Partys in den Räumen, aber nicht direkt von der AHA organisiert, dann gab es auch Safer-Sex-Partys, die gibt es ja heute noch bei uns. Daraus hat sich dann als Safer-Sex-Party unsere Erotik-Party entwickelt, die es ja auch heute noch gibt. Das hat alles in Folge der Aids-Krise begonnen. Die AHA hat selbst aber meines Wissens keine offiziellen Beratungen angeboten, was sicherlich daran lag, dass die Aids-Hilfen das frühzeitig übernommen und angeboten haben.


Auch hinter der Bar AHA arbeiten alle ehrenamtlich (Bild: AHA)

Die AHA hat sich 1992 für Lesben und Bisexuelle geöffnet, aber mittlerweile längst für alle queeren Menschen. Dennoch gibt es ja oft mehr Männer in queeren Selbsthilfegruppen und Vereinen. Wie ist das bei der AHA?

Dana Klemke: Das ist bei uns schon auch so, aber dennoch sind die Männer ganz offen für neue Mitglieder, ich wurde mega-herzlich aufgenommen, das war super. Ich fühle mich sehr gut aufgehoben, aber sicherlich muss man sagen, dass viele Frauen leider weniger ausgehen, auch auf Partys. Ich find's aber schön, dass sich hier alle miteinander vermischen, wir haben ja alle ein gemeinsames Ziel.

Kai-Oliver Pöhle: Das sehe ich auch so, es ist ganz wichtig für die AHA, sich der ganzen Community zu öffnen, hier ist jeder und jede willkommen, der/die Bock hat, mitzumachen, und das macht den Unterschied aus.

Wie geht es Euch denn finanziell, die Corona-Jahre werden ja sicher auch nicht einfach gewesen sein?

Kai-Oliver Pöhle: Die AHA nahm nie öffentliche Gelder als laufende Förderung, das war uns immer wichtig, um keine politische Einflussnahme zuzulassen. Die AHA erwirtschaftet ihre Mittel durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und durch die Einnahmen aus den Veranstaltungen. Aber klar, ohne die Corona-Hilfen wären wir kaum durch die Corona-Zeit gekommen, da war der Standort Berlin ein Vorteil, in anderen Bundesländern sah es schwieriger aus. Wir nehmen aber partiell, für bestimmte Projekte, schon öffentliche Mittel in Anspruch, etwa für unser Terrassenfest. Das ist aber erst in den letzten Jahren so gekommen. Bei uns arbeiten alle ehrenamtlich und niemand wird bezahlt, so dass die Kosten in Krisenzeiten nicht Überhand nehmen.

Axel Hüntelmann: Sicherlich gibt es durch die ehrenamtliche Tätigkeit Probleme, wer besetzt welche Schichten, Diskussionen im Plenum etc. – aber unsere Unabhängigkeit ist uns schon wichtig, insbesondere was das Politische angeht.

Ihr seid ja heute eine Art queerer Kulturverein, ein kreativer Spielplatz für alle – wer kommt zu euch, was bietet ihr alles an?

Dana Klemke: Es ist ein breites Spektrum, unsere Mimi Milano macht zum Beispiel eine offene Bühne, da kann jeder Mensch, der Lust dazu hat, sich mal austesten, sowas ist immer beliebt. Wir haben einen Poetry Slam, der regelmäßig stattfindet, wir zeigen english spoken comedy und vieles mehr. Es ist aber so, dass sich das Programm ständig ändert. Manches geht, andere neue Programme kommen dazu, wie die "Queer de la musique", wie unsere ESC-Karaoke, wo es nur um ESC-Songs geht. Unser Sonntagscafé ist natürlich auch seit vielen Jahren im Angebot.

Axel Hüntelmann: Wenn du eine Idee hast, dann komm vorbei, und das Plenum entscheidet dann, ob es eine einmalige Sache ist oder regelmäßig stattfinden kann. Schön wäre natürlich, wenn es einen queeren Bezug hätte, aber eigentlich kann man alles machen. In den 1970er und 1980er Jahren gab es sogar einen Strickkurs. Also, die AHA versteht sich als Ort der queeren (Sub-) Kultur und ist stets offen für Vorschläge, neue Formate und Ideen.

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