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Nach AfD-Wutausbruch

Pinke Trikots sollen "Nerv der Kids" treffen

Für AfD und Co. sind die neuen pink-lila Nationaltrikots "Möchtegern-Multi-Kulti-Vielfalts-Propaganda". Für den DFB sind sie dagegen offenbar nur eine Möglichkeit, mehr Merchandising-Produkte zu verkaufen.


Bundestrainer Julian Nagelsmann will das DFB-Team mit dem neuen Trikot wieder auf die Gewinnerstraße führen (Bild: IMAGO / Kessler-Sportfotografie)
  • 18. März 2024, 12:58h 3 Min.

Oliver Bierhoff sieht die Farbwahl beim pinken EM-Auswärtstrikot der Fußball-Nationalmannschaft ausschließlich durch ökonomische Argumente begründet. Im Vordergrund stehe "ein kommerzieller Gedanke", nämlich, "die Trikots zu verkaufen", sagte der ehemalige DFB-Geschäftsführer beim Nachrichtensender Welt.

Er selbst habe die Entwürfe des bunten Jerseys für die Heim-EM schon im Planungszustand gesehen. Ausrüster Adidas wolle mit dem Trikot "den Nerv der Kids" treffen. Dass ein "60-Jähriger das Trikot gerne trägt, kann ich mir schwer vorstellen", sagte Bierhoff. Er selbst fände das Trikot aber mutig und gut, versicherte der 55-Jährige.

Der DFB und sein Ausrüster hatten die beiden Trikots für die Heim-EM in diesem Sommer präsentiert. Die Heimvariante ist klassisch weiß, die Auswärtsversion hingegen erstmals knallig pink-lila. Die in Vietnam produzierten Leiberl sind bereits jetzt im DFB-Shop erhältlich: ein Erwachsenentrikot kostet zwischen 100 und 150 Euro, eines für Kinder ist zwischen 75 Euro und 97 Euro zu haben.

Bierhoff verteidigte die DFB-Strategie und erinnerte an das Zweit-Trikot bei der WM 2014, das mit seinen rot-schwarzen Querstreifen an den Top-Club Flamengo im Gastgeberland Brasilien erinnert hatte – auch damals eine noch von ihm mitverantwortete Marketing-Idee.

Heftige Reaktionen im Netz

Das pinkfarbene Trikot hatte nach seiner Präsentation für teilweise heftige Reaktionen in den sozialen Medien gesorgt. Darauf waren der DFB und Adidas offenbar vorbereitet und präsentierten am Sonntag einen Video-Clip in dem die kritischen Töne wie auch die traditionelle Sichtweise auf das deutsche Trikot ironisch und humorvoll kommentiert werden (queer.de berichtete).

Kritik gab es insbesondere aus der rechtsextremen Blase, die das Trikot wegen seiner Farbe als zu homosexuell kritisierte. So schimpfte etwa das Portal "Freie Welt" aus dem Hause der AfD-Vizefraktionschefin Beatrix von Storch über die angebliche "Möchtegern-Multi-Kulti-Vielfalts-Propaganda" und erklärte: "Der DFB ist auf dem besten Wege, seine letzten verbliebenen Anhänger auch noch zu vergrätzen. Denn eins ist klar: die Zahl echter Fußballfans findet sich nur bedingt in der LGQBTUSW-Community."


Die AfD verweist auf die queerfeindliche Kampagne Stolzmonat, die sie als völkischen Gegenentwurf zum CSD-Monat bewirbt (Bild: X)

Der auf X reichweitenstarke AfD-Politiker Johannes Normann zeigte sich empört, dass er das neue Trikot nicht mit der Wunschaufschrift "Schwuchtel" bestellen könne. Adidas lässt diesen Namenswunsch – wie auch andere menschenfeindliche Schimpfwörter – nicht zu.


(Bild: X)

Kritik kommt auch vom früheren nordrhein-westfälischen FDP-Fraktionschef Gerhard Papke, der offenbar neben den pinken auch nicht die traditionellen weißen noch grünen Trikots akzeptieren will: "Freiheit und Vielfalt unseres Landes hat die Farben Schwarz-Rot-Gold!", schrieb der Politiker, der mit seiner extrem queerfeindlichen Haltung in der FDP weitgehend isoliert ist, aber gegen den trotz seiner Tiraden weiterhin kein Ausschlussverfahren eingeleitet wurde.


(Bild: X)

Andere äußerten auf Social Media Unverständnis über die Kritik an dem Trikot – und wiesen darauf hin, dass pinke Trikots im deutschen Spitzensport eine lange Tradition haben. So habe Jan Ullrich bei vielen seiner Siege zur Jahrtausendwende ein pinkes Trikot getragen, ohne dass dies damals eine Kontroverse ausgelöst hätte.

Bundestrainer Julian Nagelsmann, dem das neue Trikot auch gefällt, versammelt seinen Kader für die EM-Testspiele am Samstag in Frankreich und drei Tage später gegen die Niederlande am Montag in Frankfurt. In diesen Partien sollen beide Trikotvarianten ihre Premiere feiern. (dpa/cw)

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