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Oklahoma

Keine Anklage im Fall Nex Benedict

Die Auseinandersetzung auf einer Schultoilette einen Tag vor dem Tod des nicht-binären Schülers wird von der Staatsanwaltschaft als "gegenseitiger Kampf" eingestuft.


Nex Benedict starb am 8. Februar

  • 22. März 2024, 15:49h 4 Min.

Die Staatsanwaltschaft von Tulsa County im US-Bundesstaat Oklahoma erhebt keine Anklage gegen mehrere Mitschülerinnen von Nex Benedict. Der Tod des 16-jährigen nicht-binären Schülers, der die Personalpronomen they/them und he/him verwendete, hatte im Februar für landesweite Schlagzeilen gesorgt (queer.de berichtete). Er war in der Öffentlichkeit zunächst als mögliche Folge einer mutmaßlich transfeindlichen Auseinandersetzung am Vortag in einer Schultoilette gedeutet worden, bei der der Schüler Kopfverletzungen erhalten habe, und allgemein auf das öffentliche transfeindliche Klima zurückgeführt worden. Der in der letzten Woche veröffentlichte Autopsiebericht ging dann von einem Suizid aus (queer.de berichtete).

"Nach allen gesammelten Beweisen war dieser Kampf ein gegenseitiger Kampf", schrieb Staatsanwalt Stephen Kunzweiler am Donnerstag in einem dreiseitigen Brief, in dem er seine Entscheidung bekannt gab. "Ich glaube nicht, dass der Bundesstaat Oklahoma seiner Beweislast ohne begründeten Zweifel nachkommen könnte, wenn Anklage erhoben würde."

Benedict war an dem Abend der Auseinandersetzung nach einer Kontrolle aus dem Krankenhaus entlassen worden. Am nächsten Morgen sei er im Wohnzimmer kollabiert, so seine Mutter damals, die den Fall in die Öffentlichkeit gebracht hatte. Beim Eintreffen des Krankenwagens habe er nicht mehr geatmet und sei am Abend im Krankenhaus für tot erklärt worden. Die Polizei hatte sich zunächst unter Verweis auf laufende Ermittlungen nicht zu den möglichen Hintergründen äußern wollen. In der letzten Woche veröffentlichte sie dann Auszüge aus dem Autopsiebericht. Benedict sei demnach an einer Überdosis aus zwei Medikamenten gestorben. Nicht näher benannte "bedeutsame Umstände" hätten zum Tod von Benedict "beigetragen", seien aber nicht von diesen verursacht worden.

Staatsanwalt erklärt sich

Staatsanwalt Kunzweiler betonte, dass der Autopsiebericht "oberflächliche Verletzungen" festgestellt habe, die mit einem Kampf übereinstimmen, aber nicht den Tod verursachten. Die Autopsie habe "keine Hinweise auf innere Verletzungen" ergeben. "Ein wichtiger Teil der Ermittlungen des Owasso Police Departments war die Entdeckung einiger kurzer Notizen, die von Benedict geschrieben wurden und die mit dem Selbstmord in Zusammenhang zu stehen schienen", so Kunzweiler.

Der genaue Inhalt der Notizen sei eine private Angelegenheit. Sie hätten aber keinen Bezug zu einem Schulkampf oder Schwierigkeiten an der Schule besessen, während Benedicts Eltern von Mobbing berichtet hätten, so der Staatsanwalt, der die Möglichkeit von privatrechtlichen Klagen betonte. Benedicts Mutter hatte erklärt, dass Benedict, der in manchen Medienberichten unter Veweis auf eine Abstammung aus dem nordamerikanischen indigenen Volk Choctaw auch als Two-Spirit bezeichnet wurde, in der Schule wegen seiner Geschlechtsidentität gemobbt worden war. Die Polizei hatte später unter anderem ein Video von einer Befragung von Benedict am ersten Abend im Krankenhaus veröffentlicht. Der Schüler berichtete, es sei zu der körperlichen Auseinandersetzung gekommen, nachdem er Wasser auf Schülerinnen gespritzt habe, die ihn zuvor schikaniert hätten.

Queere Organisationen hatten auch die transfeindliche Politik und Rhetorik in den USA für den Tod verantwortlich gemacht. So hatte etwa auch der von Republikanern regierte Staat Oklahoma 2022 ein Gesetz erlassen, das Schulen zwingt, von mehreren Personen nutzbare Toiletten und Umkleideräume als ausschließlich für Männer oder Frauen zu bestimmen, wobei der Geschlechtseintrag zur Geburt maßgeblich sei. Der in das Amt gewählte Verantwortliche für Schulverwaltung in Oklahoma, der Republikaner Ryan Walters, hatte sich immer wieder queerfeindlich geäußert und unter anderem Trans-Identität als einen "Angriff auf die Wahrheit" beschrieben.

Unabhängige Untersuchung gefordert

Sarah Kate Ellis, Präsidentin der queeren Organisation GLAAD, hat die Entscheidung der Staatsanwaltschaft zur kritisiert: "Immer wieder haben die Verantwortlichen in Oklahoma gezeigt, dass sie das Leben von Nex oder das Leben anderer indigener und 2STGNC+ Schüler*innen nicht schätzen", sagte sie in einer Erklärung. Die Abkürzung steht für "Two Spirit, transgender and gender-nonconforming+".

Alle beteiligten Offiziellen hätten Benedict im Stich gelassen, so Ellis. "Es ist von entscheidender Bedeutung, dass eine unabhängige Untersuchung abgeschlossen wird und die Wahrheit über das, was Nex zugestoßen ist und was alle ausgegrenzten Jugendlichen in den Schulen von Oklahoma erleiden müssen, ans Licht gebracht wird. Wir werden nie aufhören, Gerechtigkeit für Nex zu suchen, und wir werden nie aufhören, die Verantwortlichen zu verpflichten, ihren Communities fair und mitfühlend zu dienen." (cw)

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