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Interview

Warum spielt Ricky Martin einen ungeouteten Schwulen?

Auf AppleTV+ kann seit 20. März die US-Serie "Palm Royale" gestreamt werden. Wir sprachen mit Regisseur Tate Taylor über die Gesellschaftssatire über das Palm Beach der 1960er Jahre.


Ricky Martin als Barmann Robert in "Palm Royale" (Bild: Erica Parise / Apple TV+)

Nicht nur viele Schauspieler*innen halten ihre sexuelle Identität gerne aus den Medien heraus, sondern auch so manche*r Regisseur*in. So wie Tate Taylor. Nicht dass der Amerikaner seine Homosexualität verleugnen würde. Schon in seinem Regiedebüt, der Ensemblekomödie "Pretty Ugly People", kam einem Schwulen eine tragende Rolle zu, und er selbst war als Schauspieler nicht nur in einer Folge "Queer as Folk", sondern auch in "Prop 8: The Musical" mit von der Partie. Aber öffentlich über Privates reden tut der 54-Jährige, der eng mit Melissa McCarthy, Octavia Spender und Allison Jannes befreundet ist und zuletzt vor drei Jahren den Film "Breaking News in Yuba County" in die Kinos brachte, eben nicht so gerne.

Für ein paar allgemeinere Fragen stand er uns anlässlich des Starts seiner neuen Serie "Palm Royale" (zu sehen bei AppleTV+) aber trotzdem zur Verfügung.


Regisseur Tate Taylor (Bild: IMAGO / ZUMA Wire)

Mr. Taylor, in der Serie "Palm Royale" stehen diverse komplexe Frauenfiguren im Zentrum, genau wie schon in "The Help", "Girl on the Train" und anderer Ihrer Arbeiten. Wie wichtig war es Ihnen, dass dieses Mal auch ein schwuler Mann fester Bestandteil der Geschichte ist?

Für mich ist diese Figur nicht zuletzt eine gute Erinnerung daran, wie weit wir es gesellschaftlich geschafft haben. Die Serie spielt ja am Übergang von den 1960er zu den 1970er Jahren, und damals waren homo­sexuelle Menschen ja wahrlich noch nicht so sehr im Mainstream akzeptiert, wie es heute größtenteils der Fall ist. Heute nehmen wir queere Sichtbarkeit fast schon als Selbstverständlichkeit hin, doch davon konnte früher keine Rede sein. Die Figur in der Serie ist doppelt spannend, weil sie ungeoutet ist. Zu zeigen, wie es diesem Mann geht, was das mit seiner Psyche macht, und wie er sich innerhalb dieser Gruppe bewegt, um die es in "Palm Royale" geht, das hat mich sehr interessiert.

Ricky Martin ist als Schauspieler noch einigermaßen unerfahren. Was machte ihn trotzdem zur Idealbesetzung?

Zunächst einmal ist er vor allem ein reizender Mensch und jemand, mit dem man enorm gerne Zeit verbringt. Wirklich ein super Typ. Für mich als Regisseur war er ein Traum, weil er Anweisungen total gut umsetzt. Überhaupt hat er in seiner Bescheidenheit und Höflichkeit alle meine Erwartungen übertroffen. Außerdem ist er einfach ein echter Star, den die Kamera liebt. Wenn man ihn dann noch in Klamotten aus der damaligen Zeit steckt und die Haare entsprechend makellos stylt, dann erinnert er wirklich an Paul Newman, Clark Gable und andere Filmstars, die in 1960er Jahren die Herzen höherschlagen ließen.

Warum haben Sie sich eigentlich von der Romanvorlage "Mr. And Mrs. American Pie" von Juliet McDaniel so weit entfernt?

Für alle Beteiligten war früh klar, dass das Buch in erster Linie als Inspiration dienen soll und wir keine direkte Adaption vorhatten. Das Zentrum ist das gleiche: die Protagonistin Maxine, die uns als Hauptfigur einfach enorm begeistert hat. Und hier wie dort geht darum, dass eigentlich jeder in dieser Geschichte irgendwie im Leben vorankommen und in der Gesellschaft aufsteigen will. Was vermutlich ziemlich universell nachvollziehbar ist. Wir wollten nur insgesamt den Fokus und die Bandbreite der Geschichte erweitern, deswegen haben wir für die Serie alles ordentlich ausgebaut. Mit dem Segen von McDaniel natürlich, die zum Glück sehr glücklich mit "Palm Royale" ist.

Eine gewisse Universalität haben Sie gerade schon erwähnt. Aber ist nicht manches, womit diese Frauen sich zum Teil beschäftigen, doch heutzutage etwas überholt?

Sollte man meinen, aber leider ist ja vieles, was diese Frauen umtreibt, heute wieder so aktuell wie seit Jahren nicht. Angefangen von der ungleichen Bezahlung bis hin natürlich zum Thema Abtreibung, das ja dieser Tage leider wieder Schlagzeilen macht wie seit Jahrzehnten nicht. Für mich war das gerade das Reizvolle: Optisch ist "Palm Royale" von den Kostümen und Kulissen ganz fest in den späten 1960er Jahren verankert, aber die Themen unterscheiden sich letztlich kaum von Serien, die in der Gegenwart spielen.

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Jetzt haben wir noch gar nicht über die Hauptdarstellerin gesprochen: Warum ist Kristen Wiig die ideale Maxine, eine ehemalige Schönheitskönigin vom Lande, die unbedingt zur High Society von Florida gehören will?

Es gab nicht viele Schauspielerinnen, die überhaupt für die Figur in Frage kamen. Maxine ist in fast jeder Szene der Serie zu sehen – und so eine große, facettenreiche Rolle kann echt nicht jede stemmen. Kristen brachte einfach die gesamte Bandbreite mit, nach der wir suchten: genau die richtige Albernheit, um die humoristischen Seiten der Geschichte zu wuppen, aber trotzdem auch das dramatische Talent, um in den ernsten Momenten zu überzeugen. Sie ist eine echte Ausnahmekönnerin und für uns der absolute Glücksgriff. Was aber natürlich auch für all die anderen tollen Schauspielerinnen an ihrer Seite gilt, von Laura Dern und Allison Janney bis Leslie Bibb, Kaia Gerber oder Carol Burnett.

-w-