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Rechtsaußen-Aktivist
David Berger wird AfD-Mitglied
Vor gut zehn Jahren war David Berger noch Chefredakteur eines schwulen Magazins, später kämpfte der Theologe gemeinsam mit Rechtsextremen gegen LGBTI-Rechte – jetzt auch als AfD-Mitglied.

David Berger hielt am 18. Februar 2018 eine Rede beim Berliner "Marsch der Frauen", der von einer AfD-Aktivistin organisiert worden war (Bild: IMAGO / Emmanuele Contini)
- 27. März 2024, 12:55h 2 Min.
Der frühere "Männer"-Chefredakteur David Berger ist Mitglied der AfD geworden. Das teilte der 56-Jährige am Dienstag in seinem Rechtsaußen-Blog "Philosophia Perennis" (ewige Philosophie) mit. Anlass für den Beitritt seien Demonstrationen gegen Rechtsextremismus gewesen, die Berger als "Pro-Altparteiendemos" bezeichnete.
"Jetzt musst Du, damit Du noch ruhig schlafen kannst, erst recht für die Demokratie und gegen den Linksfaschismus ein Zeichen setzen", erklärte Berger in einem pathetischen Statement in seinem Blog. "Jetzt kannst Du – trotz drohender Konsequenzen – nicht anders als Dich für unsere Demokratie, unser Grundgesetz und im weiteren Sinne auch für die Menschenrechte auf die Seite einer Partei stellen." Berger kritisierte bereits seit Jahren demokratische Parteien, denen er etwa "Corona-Faschismus" oder "Kriegstreiberei" vorwarf.
Bergers Weg nach rechtsaußen
Der Theologe Berger war Professor an der Päpstlichen Akademie des heiligen Thomas von Aquin in Rom gewesen, bis er sich 2010 als schwul outete (queer.de berichtete). Danach engagierte er sich für eine Liberalisierung innerhalb der katholischen Kirche und wurde zum gerngesehenen Talkshow-Gast. 2013 berief ihn der Bruno-Gmünder-Verlag zum Chefredakteur des schwulen Magazins "Männer" (queer.de berichtete).
/ WolfgangFRothe | Der katholische Priester und LGBTI-Aktivist Wolfgang F. Rothe bedauert das Abdriften von David BergerJetzt ist er ganz unten im braunen Schmodder angekommen. War leider zu erwarten.
Wolfgang F. Rothe (@WolfgangFRothe) March 27, 2024
Tragische Gestalt.#NoAfD #WirSindDieBrandmauer #wirsindmehr pic.twitter.com/MgAzgfqd7i
Nachdem es viel Kritik am rechtspopulistischen Drall bei "Männer" unter Berger gegeben hatte, feuerte der Verlag schließlich Anfang 2015 den umstrittenen Chefredakteur (queer.de berichtete). Danach radikalisierte sich Berger immer mehr und polemisierte auch gegen LGBTI-Rechte: So machte er etwa Stimmung gegen Schulaufklärung über LGBTI-Fragen oder kämpfte mit italienischen Neofaschisten gegen Regenbogenfamilien. Zudem war er zeitweise Kuratoriumsmitglied der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung.
Letztes Jahr schickte die AfD-Bundestagsfraktion Berger als Sachverständigen in eine Ausschusssitzung über die Bürgerrechte von queeren Menschen (queer.de berichtete). Dabei beklagte er unter anderem "queer-ideologische Schwurbeleien", polemisierte gegen das geplante Selbstbestimmungsgesetz und behauptete, die "Überlebensinteressen homo- und transsexueller Menschen" würden in Deutschland auf dem "Altar des Islam-Appeasements" geopfert (queer.de berichtete). (dk)
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