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Schwere Vorwürfe gegen US-Philosophin
Jüdische Studierende fordern Aberkennung von Adorno-Preis für Judith Butler
Die queere "Gender Trouble"-Autorin steht wegen ihrer ablehnenden Haltung gegenüber Israelis in der Kritik. Jetzt gibt es Forderungen, der "antisemitischen" Philosophin einen begehrten Preis abzuerkennen.

Judith Butler 2015 bei einer Lesung in Buenos Aires (Bild: IMAGO / Pond5 Images)
- 2. April 2024, 11:42h 3 Min.
Der Verband Jüdischer Studierender Hessen (VJSH) hat in einem am Dienstag veröffentlichten Offenen Brief die Aberkennung des 2012 in Frankfurt verliehenen Adorno-Preises an die 68-jährige lesbische US-Philosophin Judith Butler gefordert. "Butler stellt in der Rede den Hamas-Angriff am 7. Oktober als einen 'Akt des bewaffneten Widerstands' dar, der 'kein terroristischer Angriff' und 'keine antisemitische Attacke' sei. Für Butler scheinen die eigenen Werte, Menschen- und Frauenrechte selektiv zu gelten – für alle Frauen, nur nicht für israelische", heißt es in dem Schreiben.
Bei der Hamas-Attacke waren auf israelischer Seite mindestens 1.139 Menschen ermordet oder im Kampf getötet worden. Darunter befanden sich 695 Zivilist*innen, einschließlich 36 Minderjährige. Laut forensischen Untersuchungen seien Frauen massenhaft vergewaltigt worden.
/ josephhirsch5 | Butler sieht in dem Hamas-Angriff mit hunderten getöteten Zivilist*innen keinen Terrorismus, sondern gerechtfertigter WiderstandJudith Butler describing the October 7 massacre as armed resistance: We can have different views about Hamas as a political party, we can have different views about armed resistance. But [...] the uprising of October 7th was an act of armed resistance.[...] This was an uprising pic.twitter.com/YWqak847lx
Joseph Hirsch (@josephhirsch5) March 4, 2024
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Der Forderung nach der Aberkennung des Preises hat sich unter anderem auch das Studierendenparlament der Goethe-Universität Frankfurt angeschlossen. Laut FAZ stimmten alle Hochschulgruppen außer dem Sozialistisch Demokratischen Studierendenverband zu, dem offiziellen Studierendenverband der Partei Die Linke.
Butler war der Preis 2012 in der Frankfurter Paulskirche verliehen worden. Bereits damals hatte es an der Auszeichnung Kritik gegeben. "Eine bekennende Israel-Hasserin mit einem Preis auszuzeichnen, der nach dem großen, von den Nazis als 'Halbjude' in die Emigration gezwungenen Philosophen benannt wurde, kann nicht als bloßer Fehlgriff gelten", erklärte damals der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland (queer.de berichtete). Der Preis wird seit 1977 für herausragende Leistungen in den Bereichen Philosophie, Musik, Theater und Film verliehen.
Judith Butler gehört zu den einflussreichsten Philosophinnen der Gegenwart. Weltweite Bekanntheit erreichte sie in den Neunzigerjahren mit ihrer Studie "Das Unbehagen der Geschlechter" (englischer Titel: "Gender Trouble"). Die nichtbinäre Wissenschaftlerin, die im Englischen die Personalpronomen "she" und "they" benutzt, lehrt Komparatistik und Kritische Theorie an der University of California in Berkeley.
Immer wieder wird Butler wegen ihres Engagements für Palästina und den Gaza-Streifen des Antisemitismus bezichtigt, obwohl sie selbst als Jüdin aufgewachsen ist. In der Kritik steht insbesondere ihre Unterstützung der als antisemitisch geltenden BDS-Bewegung. BDS steht für Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen und strebt einen Komplettboykott von Israel an – in der Realität führt das etwa zu Boykotts jüdischer Läden, außerdem verkehren viele Anhänger*innen privat oder geschäftlich nicht mit Menschen, die einen israelischen Pass besitzen, unabhängig davon, welche Haltung diese Menschen haben; mit Staatsbürger*innen von grausamen Diktaturen haben BDS-Fans indes meist kein Problem.
Kritik aus Deutschland wies Butler letzten Herbst zurück und kündigte einen Boykott der Bundesrepublik an (queer.de berichtete). Kritik an ihrer Person bezeichnete sie als "antisemitisch". (dk)















