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Drei Verdächtige
Prozess wegen Tötung einer lesbischen Journalistin in Nordirland verzögert sich
Vor fünf Jahren erschossen Terroristen die lesbische Journalistin Lyra McKee. Noch immer müssen sich die drei Verdächtigen aber nicht vor Gericht verantworten.

Lyra McKee wurde vor fünf Jahren erschossen (Bild: privat)
- 29. April 2024, 14:05h 2 Min.
Fünf Jahre nach dem Tod einer offen lesbischen Journalistin in der früheren Bürgerkriegsregion Nordirland soll ein Mordprozess gegen drei mutmaßliche Täter beginnen. Der für Montag geplante Auftakt verzögerte sich aber wegen Prozessfragen, wie die britische Nachrichtenagentur PA aus dem Gericht in Belfast meldete. Nun soll das bereits mehrmals verschobene Verfahren an diesem Dienstag starten, doch auch das halten Beobachter*innen für unwahrscheinlich.
Die Männer im Alter von 23, 35 und 56 Jahren sollen Lyra McKee, eine Expertin des Nordirlandkonfliktes, getötet haben. Sie war am 18. April 2019 am Rande von Ausschreitungen in der Stadt Derry (irischer Name) oder Londonderry (britischer Name) erschossen worden (queer.de berichtete). Die Terrorgruppe New IRA übernahm die Verantwortung. Die 29 Jahre alte Reporterin sei versehentlich Opfer geworden, teilten die militanten Befürworter*innen einer Wiedervereinigung von Nordirland mit dem EU-Mitglied Irland damals mit. Zu ihrer Beerdigung waren die damalige britische Premierministerin und ihr irischer Amtskollege gekommen (queer.de berichtete).
Die Organisation Reporter ohne Grenzen mahnte anlässlich des fünften Jahrestags von McKees Tod, die Zeit für Gerechtigkeit sei gekommen. Sie betonte, Nordirland sei auch gut 25 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs ein riskantes Umfeld für Journalistinnen und Journalisten. Anfang April hätten Unbekannte in derselben Gegend, in der McKee getötet worden war, sogenannte Molotow-Cocktails in Richtung von Reporter*innen geworfen.
Sieben weitere Männer sind wegen Landfriedensbruchs angeklagt. Sie sollen bei den Krawallen vor fünf Jahren unter anderem für den Wurf einer Brandbombe verantwortlich sein.
In Nordirland hatten vorwiegend katholische Befürworter*innen einer Wiedervereinigung mit Irland gegen protestantische Anhänger*innen der Union mit Großbritannien und das britische Militär gekämpft. Das Karfreitagsabkommen beendete 1998 den Bürgerkrieg. Noch immer sind aber auf beiden Seiten militante Gruppen aktiv, die sich vor allem mit Drogenhandel und organisierter Kriminalität finanzieren. Es kommt gelegentlich zu Krawallen sowie Attacken auf Polizist*innen.
In Nordirland regiert seit Februar mit Michelle O'Neill erstmals eine Premierministerin, die sich für die Wiedervereinigung einsetzt. Sie gehört der linken Partei Sinn Féin an, die im Gegensatz zur größten unionistischen Partei DUP als queerfreundlich gilt. (dpa/dk)















