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  • 03. Juni 2006 20 4 Min.

Christoph Lenz ist Pharmazeut aus Köln, spezialisiert auf Arzneimittelinformation, Drogen und andere medizinisch-wissenschaftliche Themen. Queer.de befragte ihn zu Wirkung und Risiken der schwulen Schnüffeldroge

Von Dennis Klein

Würden Sie Poppers als Droge bezeichnen?

Ja, Poppers ist eine Droge, weil es missbraucht werden kann. Allerdings muss man sagen, dass manche Dinge, die gemeinhin auf Drogen zutreffen, wie Abhängigkeitspotenzial, Sucht und Missbrauchsgefahr, nicht hundertprozentig auf Poppers zu übertragen sind.

Hat es denn eine aphrodisierende Wirkung?

Poppers kommt zumindest mit am nächsten daran, was man sich von einem Aphrodisiakum wünschen würde. Natürlich wird es niemanden zum ultimativen Sex bekehren, niemanden gefügig machen, der vorher noch den Schlüssel zu seinem Keuschheitsgürtel verschluckt hat. Wohl aber kann es helfen, sexuelle Erfahrungen als besonders eindrucksvoll erleben zu können.

Könnte diese Wirkung auch mit anderen Mitteln hergestellt werden?

Mein Favorit ist Schokolade (lacht). Im Ernst, mir ist kein Mittelchen bekannt mit wirklich aphrodisierender Wirkung, wobei Düfte zum Beispiel förderlich, aber oft auch hinderlich sein können. Hierzu nur ein Zitat, über das ich im Netz gestolpert bin: "Die einzige Liebestrank, den ich jemals gebraucht habe, waren Küsse und Umarmungen. Nur damit habe ich Männer dazu gebraucht, wie ein Tier zu toben und mich wie eine Göttin zu verehren." Das sagte eine gewisse Lucretia schon vor über 2.500 Jahren.

Kann man sich an Poppers auch "totschnüffeln"?

Es gibt Menschen, die es definitiv geschafft haben. Bei schwachem Herzen ist Poppers eine große Gefahr. Soll heißen, die Pumpe ist leicht angeschlagen, durch Koks, ein zu enges Lackleibchen oder übermäßigen Gebrauch von "Lifestylemedikamenten" wie Cialis, Levitra oder dem Klassiker Viagra. Wenn das Herz jetzt noch ordentlich zu tun kriegt, weil ich innerhalb von Sekunden meinen Blutdruck mit Poppers von 125/85 auf 47/11 bringe, dann muss sich der Körper eine Auszeit nehmen. Übrigens haben auf diesem Weg auch schon Leute herausgefunden, dass sie einen bisher unentdeckten Herzklappenfehler hatten. Leider ein bisschen zu spät.

Tötet Poppers Gehirnzellen ab?

Poppers selber sicher nicht, wohl aber ein ordentlicher Sauerstoffmangel. Hierbei variiert der Sauerstoffmangel natürlich je nach geschnüffelter Menge, Häufigkeit und dem Sauerstoffgehalt der Atemluft.

Kann Poppers Krebs verursachen?

Hier scheiden sich die Geister der Gelehrten. Ich habe solche und solche Studien gelesen. Im Tiermodell scheint es nachgewiesenermaßen der Fall zu sein. Manche Studien behaupten, Poppers selbst ist nicht krebserregend, aber es schafft idealere Bedingungen - dies können im weitesten Sinne schon Änderungen der Durchblutung eines Gewebes sein - für das Ausbilden von bösartigen Gewebewucherungen. Auch hier gilt bestimmt: Die Dosis macht das Gift.

Wann ist Poppers besonders gefährlich?

Ist man herzkrank oder hat einen schwachen Kreislauf, gibt es natürlich Gefahren. Man sollte sich bewusst sein, dass man sich nicht irgend einen Mist in den Kopf hauen kann, ohne ernsthafte Konsequenzen erwarten zu müssen. Richtig gefährlich wird es natürlich auch, wenn andere Drogen oder Medikamente mit im Spiel sind, die Einfluss auf das Herz-Kreislaufsystem haben. Insbesondere dann, wenn Präparate gleichzeitig eingenommen werden. Nicht zu unterschätzen ist auch die Explosionsgefahr, also Vorsicht in geschlossenen kleinen Räumen und mit offenen Flammen und Zigaretten.

Wie erklären Sie sich trotz der Gefahren die Popularität von Poppers?

Poppers hat einen recht eindrucksvollen Effekt, bei einer verhältnismäßig folgenarmen Verträglichkeit. Es ist relativ leicht zu beschaffen und man wird nicht gleich vorbestraft, nur weil man es in der Tasche trägt. Dazu kommt ein wenig Mythologie und Verharmlosung, fertig ist die Popdroge.

Kann Poppers "schlecht" werden?

Klares Ja. Wenn Poppers stinkt, heißt das, es ist schlecht. Genauso schnell, wie es NO (den Entspannungsfaktor) freisetzt, genau so schnell wird es auch schlecht. Absolut zu vermeiden sind Wärme, Wasser, Sauerstoff und Licht. Kleine Fläschchen Poppers sollten also immer schön im Kühlschrank oder Gefrierfach aufbewahrt werden. Erst kurz vor Gebrauch handwarm anwärmen, damit es auch ordentlich verdampfen kann. Müffelt das Fläschchen schon, dann bitte schnell entsorgen.

Buchtipp: Christian Scheuß & Micha Schulze (Hrsg.): Poppers. Das Handbuch zur schwulen Sexdroge, Himmelstürmer Verlag, Hamburg 2006, 152 Seiten, 14,90 €

3. Juni 2006

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-w-

#1 thomasAnonym
  • 03.06.2006, 18:33h
  • ich habe frueher pp intensiv genossen - es war schon geil! aber irgendwann habe ich gemerkt, dass man immer mehr davon braucht (psychische abhaengigkeit) und dass es auf" s herz ging. darauf hin habe ich es ganz bleiben lassen. heute nehme ich es nur noch gelegentlich - und ich finde es dann immer noch sehr geil!
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#2 PeterAnonym
  • 03.06.2006, 23:55h
  • Ich hoffe nur das mit dem Sauerstoffmangel und den Gehirnzellen lesen sich einige hier aufmerksam durch. Als ich das nämlich beim letzten Poppersartikel gesagt habe, wurde ich glatt für bescheuert und ahnungslos erklärt.

    Und wenn man Leute in der Disko beim Tanzen all 20 Minuten an Poppers schnüffeln sieht, dann kann mir sonstwer erklären das das Zeug nicht abhängig macht. Ich wette da geht kein Sex mehr ohne Poppers.
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#3 KritikerAnonym
  • 04.06.2006, 11:17h
  • Trotz einiger kritischer Züge des Interviews finde ich, dass der Gebrauch von Poppers hier sehr verharmlost wird - auch in dem letzten Artikel darüber.

    Eigentlich ein Fall für den Presserat!
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