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Netflix-Serie
Eine emotionale Achterbahn mit queeren Loopings
Die Netflix-Serie "Rentierbaby" um einen jungen Comedian und eine Stalkerin geht gerade durch die Decke. Völlig Begeisterung oder totale Ablehnung – derart kontroverse Reaktionen gab es lange nicht. Wer einschaltet, braucht auf jeden Fall starke Nerven.

Cis Mann liebt trans Frau: Donny (Richard Gadd) und Teri (Nava Mau) in "Rentierbaby" (Bild: Netflix)
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1. Mai 2024, 04:39h 3 Min.
Von "schwer anzuschauen" bis zu "die beste Serie, die ich je gesehen habe" reichen die Kommentare auf sozialen Medien zu "Rentierbaby". "Spoileralarm" müsste man eigentlich ständig einfügen, wenn man über die siebenteilige Netflix-Serie plaudert.
Dieses britische Stalking-Drama über Missbrauch, Ohnmacht und Traumata lebt von überraschenden Wendungen und verblüffenden Rückblicken. Von unberechenbaren Figuren und schwer verständlichen Reaktionen. Sowie einer Story, die pausenlos Haken schlägt und dabei auch queere Loopings bietet. Die dramatische Liebe des verunsicherten Helden zu einer selbstbewussten trans Frau kann angedeutet werden. Alle weiteren schwulen Sub-Plots bleiben Binge-Watching-Belohnung. Nur soviel: Der Hype ist nicht umsonst. Doch diese Serie verlangt starke Nerven! Am besten glotzt man nicht allein…
Comedian in den Fängen einer Stalkerin
Warum es geht? Der junge Schotte Donny (Richard Gadd) träumt von einer großen Karriere als Comedian in London. So lange der Durchbruch auf sich warten lässt, verdient er sein Geld hinter der Theke in einem Pub. Als dort eines Tages Martha (Jessica Gunning) durch die Türe kommt, wird sich das Leben des Kellners dramatisch verändern.
Zunächst ist Donny begeistert von der geselligen Besucherin samt ihrem ansteckenden Lachen. Die beiden verstehen sich sofort blendend. Fortan wird Martha jeden Tag den Pub besuchen. Sie wird Donny SMS-Nachrichten schicken. Mehr und immer mehr SMS. Als der Schotte das wahre Gesicht seiner neuen Bekannten erkennt, hat die Stalkerin ihn längst fest im Griff. Als wäre das nicht schon Drama genug für den wenig selbstbewussten Helden, hat Donny auch bei seinen Comedy-Auftritten recht wenig zu lachen.

Martha (Jessica Gunning) besucht jeden Tag Donnys Pub (Bild: Ed Miller / Netflix)
Die Serie von Richard Gadd beruht auf eigenen Erfahrungen
Während die Handlung fast unmerklich die dramaturgischen Daumenschrauben anzieht, geben Rückblicke kleine Puzzlestücke frei über das Vorleben und die Vorlieben von Stalkerin und ihrem Opfer. Dabei stellt sich immer wieder die Frage: "Warum?". Weshalb fügt sich dieser Donny fast schon masochistisch in sein Schicksal und lässt alles mit sich geschehen? Ähnlich ohnmächtig reagiert der Comedian, als die junge Liebe zur selbstbewussten trans Frau Teri (Nava Mau) ins Stolpern gerät. Da reichen bereits abfällige Passant*innen-Blicke in der U-Bahn, dass er den gewünschten Kuss verweigert. Noch frappierender fällt das Verhalten aus, als sexueller Missbrauch ins Spiel kommt und die Opferreaktion denkbar irritierend ausfällt.
Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Richard Gadd (34) entwickelte die düstere Serie nach seinem preisgekrönten Bühnenstück "Baby Reindeer", das auf eigenen Erfahrungen als Stalking-Opfer vor zehn Jahren basiert. Damals soll Gadd innerhalb von vier Jahren 41.071 E-Mails, 744 Tweets, 106 Seiten Briefe und 350 Stunden Voicemail-Nachrichten von seiner Verfolgerin erhalten haben.
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Auch Gadd hatte sich in eine trans Frau verliebt
Auch die komplizierte Liebesbeziehung zu einer trans Frau entspricht seiner eigenen Erfahrung. "Transidentität ist heute im öffentlichen Bewusstsein sehr präsent, aber damals wurde nicht darüber gesprochen", erzählt der Schotte in einem Interview mit "GQ". "Ich hatte mich in eine Person verliebt, die trans war, aber das brachte eine Menge Fragen mit sich und all diese Scham, die man hat, wenn man jung ist. Man nehme das Leben dieses Mannes. Er hat gerade sexuelle Gewalt erlebt, aber er versucht, ein Komiker zu sein. Er gibt sich mit dieser Frau ab, die seine Heteronormativität auszugleichen scheint, geht aber mit einer trans Frau aus und damit sehr geheimnisvoll um. Es ging darum, die Figur zwischen diese beiden großen Extreme zu stellen."
Was es mit dem seltsamen Titel auf sich hat, dem Kosenamen der Stalkerin für ihr Opfer? Das wird erst ganz am Ende verraten. Keine Sorge, diese Auflösung ist ein Kinderspiel im Vergleich zu der übrigen Trauma-Geisterbahn.
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