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Fortschritt
Evangelisch-methodistische Kirche hebt Homo-Verbote auf
Die Methodist*innen akzeptieren künftig auch queere Pfarrer*innen und gleichgeschlechtliche Eheschließungen – zumindest in einigen Teilen der Welt.

Die methodistische Kirche soll in Zukunft nicht mehr nur noch die Heimat von Heterosexuellen sein (Bild: fairytaleweaver / flickr)
- 3. Mai 2024, 13:31h 2 Min.
Die weltweit agierende Evangelisch-methodistische Kirche hat diese Woche auf ihrer Generalversammlung in Charlotte (US-Bundesstaat North Carolina) mehrere queerfeindliche Regelungen aufgehoben. So sprachen sich 93 Prozent der Delegierten dafür aus, das Homosexuellenverbot für kirchliche Ämter aufzuheben. Damit dürfen queere Menschen künftig beispielsweise Pastorin oder Bischof werden. Außerdem dürfen fortan Pfarrer*innen gleichgeschlechtliche Ehen durchführen. Vor fünf Jahren hatte die Kirche auf ihrer Generalversammlung noch eine Gleichbehandlung von queeren Menschen kategorisch abgelehnt (queer.de berichtete).
"Die Leute können jetzt endlich ihrer Berufung folgen, ohne Angst haben zu müssen", so Karen Oliveto nach der Abstimmung. Sie war die erste offen lesbische Bischöfin der Methodistenkirche. 2016 ins Amt gewählt, wurde ihre Wahl ein Jahr später wegen ihrer Homosexualität zunächst für ungültig erklärt (queer.de berichtete). Allerdings wurde Oliveto nie offiziell abgesetzt, da die lokale Kirche dies ablehnte.
Die Haltung zu Homosexualität hat die Methodistenkirche in den letzten Jahren gespalten, insbesondere in den USA. Dort haben in den letzten fünf Jahren rund ein Viertel der Gemeinden die Mutterkirche verlassen, weil sie eine Öffnung gegenüber queeren Menschen befürchteten. Diese Gemeinden schlossen sich verschiedenen evangelischen Abspaltungen an, die queere Menschen grundsätzlich ablehnen. Insbesondere im Süden der USA verlor die evangelisch-methodistische Kirche durch diesen Exodus Mitglieder.
Kirchen im Ausland dürfen nach Gutdünken weiter queere Menschen diskriminieren
Bei der Generalversammlung wurde insbesondere methodistischen Mitgliedern aus Afrika mit einer Regionalisierungsinitiative jedoch auch ein Weg geebnet, ihren homosexuellenfeindlichen Glauben weiter zu leben. Das Konzept erlaubt Mitgliedskirchen außerhalb Nordamerikas, das Thema LGBTI-Rechte nach lokalen Traditionen zu behandeln. Dies soll insbesondere afrikanische Gläubige in der Kirche gelten.
Auf der Generalversammlung gab es daher auch homosexuellenfeindliche Stimmen. "Wir betrachten Homosexualität als Sünde. Das ist ein fundamentaler Unterschied zu anderen [Landeskirchen], die aus unserer Sicht nicht länger der Autorität der Heiligen Schrift folgen", erklärte Forbes Matonga, ein Pastor aus Simbabwe. In dem Land steht auf Homosexualität eine Haftstrafe in Höhe von 14 Jahren. Bischof Mande Muyombo aus der Demokratischen Republik Kongo ergänzte, dass mit dem Regionalisierungskonzept auch afrikanische Methodist*innen ihrer Kirche treu bleiben könnten, ohne ihre "Authentizität" zu verlieren.
Weltweit gehören der evangelisch-methodistischen Kirche rund zehn Millionen Menschen an, darunter mehr als die Hälfte in den USA. In Deutschland spielt sie mit nach eigenen Angaben 50.000 Mitgliedern eine eher untergeordnete Rolle. Die deutsche Kirche hat bereits 2022 einen Schritt auf queere Menschen zugemacht und etwa gleichgeschlechtliche Eheschließungen teilweise zugelassen (queer.de berichtete). (dk)















