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Queerfilmnacht
Alle mit allen in der Barceloner Lesben-Clique
Zaida kommt frisch getrennt zurück nach Barcelona, wo sie schnell Teil der Liebes-Wirrungen ihrer lesbischen Clique wird. "Die Freundin meiner Freundin" ist keine typische Romcom – und deshalb so charmant.

Szene aus "Die Freundin meiner Freundin" (Bild: Salzgeber)
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5. Mai 2024, 05:59h 3 Min.
Schinken, Whisky, Koks: Nichts davon, was Zaida zum Abendessen mit ihren Freundinnen mitbringt, passt so richtig. Schinken? Wir sind Lesben. Wir sind Vegetarierinnen, weist sie die Gastgeberin zurecht, als wäre das eine nicht ohne das andere denkbar. Whisky? Nein, so ein Abend wird das nicht. Es gibt Rotwein. Und Koks – sorry, Zaida, nach dem Glas gehen wir nach Hause. Es ist unter der Woche.
In anderen Worten: Die guten Jahre sind vorbei. Aber nicht für Zaida. Sie kam gerade erst frisch getrennt zurück nach Barcelona. Ihr Lebensstil gleicht nicht dem einer Frau Mitte 30, sondern dem einer Studentin.
Alle steigen ins Liebes- und Sex-Karussell ein
Ihre Clique ist da anders – zumindest, was Alkohol und Drogen angeht. Ins innerfreundschaftliche Liebes- und Sex-Karussell steigen jedoch auch Lara, Aroa, Julia und Rocia gerne ein. Schnell reinkommen, noch eine Runde, gleich geht's weiter – Kirmesansager*innen mit lauten, verzerrten Stimmen braucht die Clique gar nicht. Das schaffen die Frauen genüsslich alleine.
Was erst einmal klingt wie eine seichte lesbische Hollywood-Romcom (für die es längst an der Zeit wäre), entpuppt sich ganz anders. "Die Freundin meiner Freundin" ist zwar lustig und romantisch, gibt sich aber nicht mit einem platten Plot, erwartbaren Spannungsbögen oder billigen Lachern zufrieden.
Sagen ist wichtiger als Tun
Stattdessen ist der Debüt-Langfilm der Regisseurin Zaida Carmona, die auch noch die gleichnamige Hauptfigur spielt, eine sehr deutliche Hommage an Éric Rohmer: Zaida besucht eine Retrospektive des französischen Nouvelle-Vague-Regisseurs, unterhält sich danach im Kinocafé mit ihrer cineastischen Begleitung.
Auch formal wird sein Einfluss sehr deutlich: "Filme von Rohmer gucken, das heißt vor allem, Frauen dabei zuzuschauen, wie sie das Falsche tun, um das Richtige zu sagen", heißt es im "Spiegel"-Nachruf auf Rohmer, der 2010 starb. Seine Filme werden nicht umsonst als Konversationskomödien bezeichnet. Wichtiger als das Tun ist das Sagen.
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Und dann und wann ein intensiver Kuss
So sieht es offenbar auch Zaida Carmona: Sie erzählt vor allem den Alltag der lesbischen Freundinnengruppe, von Abendessen, Spaziergängen, Kino-, Kneipen- und Therapeutinnen-Besuchen. Das alles gerne in unterschiedlichen Kombinationen, je nachdem, wer gerade wen datet, knutscht oder verlassen hat. Das Karussell dreht sich. Und dann und wann ein intensiver Kuss, um das Rilke-Gedicht zu bemühen. Auf einen Spannungsbogen, auf den einen großen Konflikt, auf den alles hinausläuft, verzichtet "Die Freundin meiner Freundin".
Die Konversation steht im Vordergrund, das betont auch die Kameraführung. Kamerafrau Alba Cros (die auch Lara spielt) dreht fast ausschließlich Totalen und Schuss-Gegenschuss-Bilder – also abwechselnd von einer Figur zur anderen. Das Bild soll nicht vom Wort ablenken, könnte eine Interpretation dafür lauten.
Der Film feiert lesbischen Lifestyle
Doch dafür sind die Gespräche nicht packend genug. Ein bisschen Varianz, ein paar Einstellungswechsel und mehr Tiefe in den Bildern hätten den Film auch visuell weniger formal gemacht. Im knallbunten Intro gelingt das noch richtig gut. Und auch der Schnitt (Eric Monteagudo) mit seinen Jumpcuts traut sich etwas, was den Film interessant macht.
"Die Freundin meiner Freundin" ist ein kleines, charmantes, offenbar autofiktionales Debüt, das immer wieder – zum Beispiel in der schwankenden Tonqualität – studentisch wirkt. Ein Film, der lesbische Freundinnenschaft sowie Solidarität genau wie queere Orte klischeefrei würdigt und dabei vermeintliche Angepasstheit entlarvt. Eine Romcom, die einen (der vielen) lesbischen Lebensstile feiert.
Die Freundin meiner Freundin. Komödie. Spanien 2022. Regie: Zaida Carmona. Cast: Zaida Carmona, Rocío Saiz, Alba Cros, Aroa Elbira, Thaïs Quadreny. Laufzeit: 85 Minuten. Sprache: spanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16.Verleih: Salzgeber. Im Mai 2024 in der Queerfilmnacht
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