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Deutsche ESC-Bewerber
Isaak sorgt mit Aussage über Russland für Irritationen
Der deutsche ESC-Sänger sorgt vor seinem ersten Auftritt für Wirbel, weil er scheinbar den Ausschluss Russlands aus dem Wettbewerb kritisiert. Inzwischen stellte Isaak aber klar, dass er den Angriffskrieg nicht unterstütze.

Isaak will am Wochenende die Negativserie von Deutschland beim Eurovision Song Contest beenden (Bild: NDR / Claudia Timmann)
- 6. Mai 2024, 08:24h 4 Min.
Der deutsche Sänger Isaak hat mit einer offenbar unbedachten Äußerung zu Russlands ESC-Teilnahme am Wochenende für Irritationen gesorgt. Im ZDF-Interview hatte er nach Angaben der "Augsburger Zeitung" erklärt: "Warum denn Israel rausschmeißen? Lass doch Russland auch mit reinnehmen. Wir sind hier Musiker, wir sind hier keine Politiker."
/ Heike96913246Nein Isaak, keiner will, dass russische Künstler zum ESC kommen. Russland tötet in der Ukraine Männer ,Frauen und Kinder und auch ukrainische Künstler. https://t.co/0kJMVfD8KY
Heike (@Heike96913246) May 3, 2024
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Allerdings ist diese Stelle nicht mehr auf der ZDF-Seite zu finden. Vielmehr sagte er jetzt auf die Teilnahme Israels und die Nichtteilnahme Russlands angesprochen: "Ich habe es mir erklären lassen und das ließ sich schon nachvollziehen. Israel hat eine freie Berichterstattung, Russland nicht. Um die Propaganda Russlands nicht zu unterstützen, hat man eben gesagt, wir können Russland leider nicht teilnehmen lassen." Unter dem Interview erschien die redaktionelle Anmerkung: "Eine Interview-Passage wurde nach Veröffentlichung zurückgezogen und der Beitrag entsprechend angepasst."
Im Interview sprach sich Isaak auch mit deutlichen Worten gegen den Ausschluss Israels aus: "Mir wird vorgeworfen, wenn ich den ESC nicht boykottiere, sei ich 'Mittäter am Genozid in Gaza'. Jetzt reißt euch mal zusammen Leute, habt ihr Lack gesoffen?"
"Ich unterstütze Russlands Krieg absolut nicht"
In einer Instagram-Story versuchte Isaak, die negativen Stimmen auf seine Russland-Aussage einzufangen: "Musik kann Zeichen für Vereinigung setzen und dieses Zeichen sollte jede*r setzen können und dürfen. Ich bin entschieden gegen jeglichen Krieg und trauere um alle seine Opfer", so der 29-Jährige. "Mein Glaube an Frieden, und Einheit wird durch Respekt, Liebe und Musik gestärkt. Weder würde ich in irgendeiner Form Terrorismus unterstützen noch Krieg und Gewalt rechtfertigen. Und in diesem Zuge ist es mir wichtig klarzustellen, dass ich Russlands Krieg absolut nicht unterstütze."
/ Poihpio | In sozialen Medien diskutieren auch internationale User*innen die Aussagen IsaaksI don't fully agree with Isaak's rake but it's infinitely more legitimate than the "Ban Israel for daring to stay somewhat alive after a Russia-level massacre" take https://t.co/eKvc49yggC
Poihpio (@Poihpio) May 4, 2024
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Hintergrund ist, dass Russland nach dem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 nicht mehr am ESC teilgenommen hat. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) hatte die TV-Sender des Landes wegen der Attacke zunächst suspendiert, daraufhin verkündete Russland seinen Austritt aus dem Senderverbund. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen Israels ist hingegen weiterhin Mitglied. Zuletzt gab es wegen des Gaza-Krieges Forderungen, auch den jüdischen Staat aus dem Event auszuschließen (queer.de berichtete). Die EBU wies diese Forderungen allerdings zurück und kritisierte "gezielte Kampagnen" gegen ESC-Teilnehmende (queer.de berichtete).
Isaak peilt den Sieg an, hat aber keine Angst vor dem letzten Platz
Im Interview erklärte Isaak auch, dass er gerne um den Sieg mitsingen würde: "Wir peilen natürlich Platz Eins an", sagte er selbstbewusst. "Das Best Case-Szenario wäre zu gewinnen, das steht vollkommen außer Frage. Und ich gebe mir die beste Mühe, die ich mir geben kann und versuche, das Allerbeste aus mir rauszuholen. Aber selbst wenn es der letzte Platz werden würde, dann wird das nicht wirklich massiv etwas an meiner Zukunft verändern."
Laut Wettbüros gilt Isaaks Beitrag derzeit neben Spanien als Favorit – allerdings auf den letzten Platz. Immerhin war die Ausbeute der deutschen Beiträge in den letzten Jahren sehr überschaubar: Seit 2015 belegte Deutschland vier Mal den letzten Platz und zwei Mal den vorletzten Platz. Einziger "Ausrutscher" war Michael Schulte 2018, der es mit "You Let Me Walk Alone" auf den vierten Platz schaffte.
Die beiden vorletzten Plätze waren übrigens nur darauf zurückzuführen, dass Großbritannien Lieder zum ESC entsandte, die noch schlechter bewertet wurden. Dieses Jahr schickte das Heimatland der Beatles jedoch den offen schwulen Bewerber Olly Alexander, dem ein Top-Ten-Ergebnis zugetraut wird.
Der ESC geht in Malmö am Dienstag mit dem ersten Halbfinale los (ab 21 Uhr im Spartensender One). Isaak wird bei dieser Show bereits zum ersten Mal seinen Song vortragen, ist aber als Vertreter einer der fünf großen EBU-Beitragszahler automatisch für das Finale qualifiziert. Das zweite Halbfinale läuft an Christi Himmelfahrt um 21 Uhr ebenfalls bei One, das Finale ist dann für den Samstag um 21 Uhr im Ersten angesetzt. Alle drei Sendungen werden erstmals von Thorsten Schorn kommentiert. Sie sind auch in der ARD-Mediathek und auf eurovision.de kostenlos verfügbar. (cw)
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