https://queer.de/?49453
Roman
Die peinlichsten Momente im Leben von Madame Nielsen
In ihrem neuen Buch "Mein Leben unter den Großen" beschreibt die queere Performancekünstlerin Madame Nielsen die Begegnungen mit zwölf bekannten Autor*innen in ihrer Heimat Dänemark.

Madame Nielsen, hier im Jahr 2017, ist eine dänische Performerin, Schauspielerin, Sängerin und Autorin (Bild: Happolati / wikipedia)
- Von Lorina Speder
9. Mai 2024, 05:43h 3 Min.
"Die Veranstalter müssen mich mit jemand anderem verwechselt haben", schreibt Madame Nielsen in ihren Erinnerungen, in denen sie die Begegnungen mit zwölf bekannten Autor*innen in ihrer Heimat Dänemark beschreibt. Dass sie sich fehl am Platz fühlt, ist ein roter Faden in den Anekdoten, die jetzt gesammelt unter dem Titel "Mein Leben unter den Großen" (Amazon-Affiliate-Link ) erschienen sind.
Doch auch, wenn Nielsen sich immer wieder kleinmacht und sich als "niemand" bezeichnet, scheint die literarische Elite Dänemarks sie zum großen Teil sehr wohl zu kennen: Für Henrik Nordbrandt las sie ein Gedicht im Haus der Poesie vor, für den Kritiker Poul Borum buk sie zum 58. Geburtstag ein Brot, mit Hans Otto Jørgensens Frau war sie selbst einmal liiert, und Christina Hesselholdt lud sie zu einem privaten Treffen ein. Die komischen Momente, die das hervorzaubert, wie etwa die stillschweigende Geschenkeannahme und das anschließende Verstecken des Brotes bei Borum oder die klaffende Unsicherheit des betrunkenen Lyrikers Nordbrandt, gehören zu den Höhepunkten des Buchs.
"Ich war eigentlich immer schon ein etwas undefinierbares Wesen"

"Mein Leben unter den Großen" ist am 8. Mai 2024 bei Kiepenheuer&Witsch erschienen
Die Begegnungen und flüchtigen Bekanntschaften passierten unter Nielsens altem Namen Claus Beck. "Ich war eigentlich immer schon ein etwas undefinierbares Wesen" und "nie ein richtiger Mann", beschreibt sie ihre Erscheinung unter jenem Namen. Auch, dass die Jungen in der Schulklasse sich nach dem Sportunterricht nicht mit ihr umziehen wollten, wird bekannt.
Heute tritt die Autorin nur unter Madame Nielsen auf, die Erscheinung ist wie der Name suggeriert weiblich gelesen oder androgyn, allerdings identifiziert sie sich nicht unbedingt als trans. "Ich bin viel schöner als Frau, denn als magerer älterer Herr", sagt sie 2018 dem "Spiegel".
Dass sie als Claus Beck nach eigenen Angaben oft mit dem bekannten Übersetzer Claus Bech verwechselt wurde, ruft weitere lustige Momente hervor. So wartete die Autorin oft nur "in stillem Entsetzten" darauf, dass die Verwechslung auffliegen würde.
Gequälten Konversationen und Meditationen auf dem Klo
Die vielen peinlichen Momente, gequälten Konversationen und Unsicherheiten der Autorin sind größtenteils unterhaltsam und mit scharfen Details und Worten beschrieben. Das macht die Lektüre locker und fließend, auch wenn die Ausschweifungen in andere Erinnerungen, weg von der eigentlichen Erzählung, oft mehrere Seiten einnehmen und man darin etwas verloren geht.
Warum genau die unangenehmen Details und stockenden Konversationen oder Meditationen auf der Toilette so viel Raum bekommen, löst Nielsen dann aber doch gen Ende auf: "Die größten Katastrophen meines Lebens, die peinlichsten Situationen und die größten Verluste, all die Dinge, die um alles in der Welt nicht geschehen durften, aber geschahen, sind jetzt das, was mir das Allerliebste ist und ich auf keinen Fall missen will."
Genau mit diesem Hintergrund macht jede Geschichte, wie viel Wahrheit auch in ihr stecken möchte, Sinn und lohnt sich gelesen zu werden.
Madame Nielsen: Mein Leben unter den Großen. Roman. Aus dem Dänischen von Hannes Langendörfer. 224 Seiten. Kiepenheuer&Witsch. Köln 2024. Gebundene Ausgabe: 24 € (ISBN 978-3-462-00543-1). E-Book: 19,99 €
Links zum Thema:
» Blick ins Buch bei amazon.de
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
Informationen zu Amazon-Affiliate-Links:
Dieser Artikel enthält Links zu amazon. Mit diesen sogenannten Affiliate-Links kannst du queer.de unterstützen: Kommt über einen Klick auf den Link ein Einkauf zustande, erhalten wir eine Provision. Der Kaufpreis erhöht sich dadurch nicht.















