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"Die Spieler sind extrem vorsichtig"
Profi-Fußball: Doch kein Gruppen-Coming-out am 17. Mai?
Marcus Urban rudert bei seiner Ankündigung eines Gruppen-Coming-outs zum IDAHOBIT zurück.

Marcus Urban engagiert sich seit Jahrzehnten dafür, dass auch Schwule im Fußball eine Heimat finden können (Bild: IMAGO / Funke Foto Services)
- 10. Mai 2024, 11:13h 2 Min.
Ex-Fußballer Marcus Urban hatte bereits im Februar ein Gruppen-Coming-out deutscher, österreichischer und englischer Fußballprofis für den 17. Mai, den Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT), angekündigt (queer.de berichtete). Im Interview mit dem Magazin "Stern" (Bezahlartikel) schraubte der frühere Jugendnationalspieler und Diversity-Berater nun die Erwartungen zurück: "Die Spieler sind extrem vorsichtig. Keiner traut sich aus der Deckung", sagte der 53-Jährige.
Viele Spieler hätten Angst, "dass sie nach einem Coming-out in Ungnade fallen würden in der Branche." Er glaube jedoch, dies sei eine Fehleinschätzung. "Die Zeit für ein Coming-out war für schwule Fußballer nie besser als jetzt."
"Es gibt eine Vernetzung, aber sie findet im Verborgenen statt"
Er selbst habe keinen direkten Kontakt zu schwulen Profis, nicht mal per SMS: "So funktioniert das nicht. Es herrscht höchste Vorsicht", sagte Urban. Vielmehr kommuniziere er "mühsam" über Dritte. "Meine Geschichte hilft, Vertrauen herzustellen. Auch dass ich viel darüber weiß, wie sich die schwulen Spieler untereinander organisieren. Es gibt eine Vernetzung, aber sie findet im Verborgenen statt. Diese Kanäle helfen auch, um über Dritte an die Spieler heranzutreten", so Urban. "Die Profis wissen vom 17. Mai. Sie verfolgen die Entwicklungen aufmerksam, höre ich."
Urban widersprach jedoch Behauptungen, wonach seine Aktion gescheitert sei. "Die Kampagne ist schon jetzt ein Erfolg", sagte er. "Ich freue mich über jeden Spieler, der sich positionieren will, ob am 17. Mai oder später. Aber es geht nicht allein um die Profis. Es geht auch um Schiedsrichter, um Funktionäre, um Personen, die in den Vereinen arbeiten. Und vor allem geht es um die Kultur und das Klima im Leistungssport." Hier sehe er bereits jetzt Veränderungen. "Wir bekommen nicht nur eine große mediale Aufmerksamkeit. Auch viele Profiklubs stehen hinter uns: Stuttgart, Hannover, Osnabrück, Freiburg, Dortmund, Hoffenheim, Union Berlin und St. Pauli. Da entsteht gerade etwas Großes."
In der deutschen Männer-Bundesliga hat sich bislang noch kein einziger Spieler während seiner Profilaufbahn als schwul geoutet. Allerdings sehen viele die Zeit reif für ein Gruppen-Coming-out, etwa VfB-Chef Alexander Wehrle (queer.de berichtete). Auch Fußballfunktionär Thomas Hitzlsperger, dessen Coming-out 2014 für Schlagzeilen gesorgt hatte, sagte kürzlich zu dem Thema: "Die Zeit ist reif" (queer.de berichtete). (dk)












