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- 06. Juni 2006 5 Min.
"Wo sind die Hände?" Wenn Markus Wolfahrt, Gründer und Bandleader der "Klostertaler", diese Frage an das Publikum richtet, strecken sich wie auf Kommando sämtliche Hände himmelwärts. Sein Charme, seine tausendfach bewährte Moderation, seine Power und sein Witz sind es, die die Konzertbesucher jedes Mal aufs Neue begeistern und zu einem solchen Mittun animieren. Im Interview mit Jan Gebauer von queer.de sprach Wolfahrt erstmals über Homosexualität, schwule Fans und natürlich auch über seine Musik.
Ein schwules Medium ist doch gewiss Neuland für Sie, Herr Wolfahrt.
Ja, ganz bestimmt. In einem schwulen Medium waren wir Klostertaler bisher noch nicht präsent. Aber ich bin gespannt und freue mich natürlich, dass unsere Musik vorgestellt wird. Ich glaube an unsere Musik! Wenn ich das allen Menschen auf der Welt verbunden mit meiner Freude mitteilen kann, dann gibt es überhaupt keine Grenzen. Weder im Menschlichen noch im Musikalischen.
Besuchen auch Schwule die Konzerte der Klostertaler?
Immer schon. Mein erster Kontakt mit Schwulen war aber gar nicht so gut. Da war ich 14 und noch gar nicht mit den Klostertalern unterwegs. Wir waren mit einer Trachtengruppe in Frankfurt und dort hat mich dann ein Typ versucht, mit Alkohol rumzukriegen. Das hat mich schon abgeschreckt und ich hab das Ganze für einige Jahre sehr von mir geschoben. Irgendwann hat sich das aber durch meinen Beruf geändert – ich begann nämlich bei den Bergbahnen zu arbeiten. Das war von 1979 bis 1989. Die Klostertaler wurden 1976 gegründet. Und in dieser Zeit bekam ich durch die Touristen viel mit Schwulen in Kontakt. Wir haben gefeiert und so hat man sich kennen gelernt. Die Berührungsängste haben sich dadurch schnell abgebaut. Das war eine sehr lockere Atmosphäre, wo keiner den anderen angegraben oder auch umgekehrt blöd angemacht hätte. Die Schwulen waren total integriert und wurden von allen akzeptiert.
Und darüber hinaus?
1993 gewannen wir dann den Grand Prix der Volksmusik, was uns von der "Regionalliga" in die "Bundesliga" versetzt hat. Dadurch kamen wir natürlich noch mehr mit den Medien in Berührung. Und in diesem Bereich arbeiten bekanntlich viele Schwule. Man hat schnell gemerkt, dass die wiederum auch untereinander sehr gut vernetzt sind. Und gerade in der Promotion und im Marketing hatte ich den Eindruck, dass dort die feinfühligsten Menschen Homosexuelle sind.
Was halten Sie von sehr extrovertierten Schwulen?
Das extreme Produzieren oder Selbstdarstellen gibt es überall. Nicht nur bei Homosexuellen. Für mich ist das Schwulsein eine naturwissenschaftliche Sache, die im hormonellen Bereich stattfindet. Wenn man sich alleine die Geschichte anschaut – bei den alten Römern und Griechen. Das hat alles Geschichte und Tradition. Vielleicht haben Schwule auch durch die etwas weiblicheren Hormone auch eine "geschärftere Sensibilität".
Herr Wolfahrt, stellen Sie sich vor ihr Sohn/Tochter käme auf sie zu, und würden ihnen gestehen, dass er/sie homosexuell ist. Wie würden Sie reagieren?
Ich hätte keine Probleme, denn es obliegt jedem Menschen selber, wie er lebt. Musik ist mein Leben und meine Leidenschaft, aber trotzdem ist es nicht das Wichtigste! Ich muss vor mir verantworten, dass es mir gut geht. Dass ich positive Lebensenergie ausstrahle. Und wenn ich schwul wäre, dann müsste das meine Umwelt akzeptieren. Ich würde mich niemals umbiegen für gesellschaftliche Normen und genauso behandele ich dann auch andere Menschen. Wir leben alle, was wir fühlen. Und wir dürfen uns nichts aufzwingen lassen.
Fließen diese Gedanken auch in Ihre Musik?
Ja, total! Wir lassen uns da nicht manipulieren oder etwas aufzwingen. Wir machen genau das, wonach uns ist. Bei uns gibt es nur reine Live-Musik, geradeheraus ohne Playback. Außerdem spielen unsere vielfältigen Einflüsse eine Rolle. Der eine kommt aus dem Jazz-Bereich, der andere wieder mehr aus Rock oder Schlager.
Aber ist Playback nicht heute Standard?
Also für mich ist Playback Betrug am Publikum. Wenn wir bei Konzerten auf einer Bühne stehen und spielen, dann muss das auch wirklich live gesungen und instrumentiert sein. Aber das gibt es mittlerweile überall, sogar in der Klassik, wo man meinen könnte, gerade dort nicht.
Sie haben schon sehr früh mit der Musik angefangen.
Meine Großmutter hat mal gesagt: "Mein Junge, mach Dein Hobby zum Beruf – dann brauchst Du nie arbeiten." Daran habe ich mich immer gehalten und versucht, mit Musik meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das hat einige Jahre gedauert, aber heute bin ich sehr stolz darauf, dass wir es geschafft haben. Gerade wenn ich live auf der Bühne stehen kann, erfüllt mich das mit grenzenloser Freude.
Wie definieren sie eigentlich Ihre Musik?
Ich möchte das gar nicht so sehr in Schubladen packen. Deutschsprachige, volkstümliche Popmusik – da haben wir dann alle Elemente drin. Aber nix mit "Jodeldihö" usw. Wenn die Leute zu unseren Konzerten kommen, sind die meistens ganz überrascht, wie vielseitig und mitreißend wir sind. Da sagen dann auch Leute, die volkstümliche Musik ablehnen: "Mensch, das hätten wir jetzt nicht gedacht."
Aber im Fernsehen bekommt man mittlerweile den Eindruck, dass alles nur noch in der "volkstümliche Schlagermusik" verpackt wird. Drin steckt aber eigentlich "gewöhnlicher" Schlager oder Pop.
Das Etikett bringt einfach mehr Quote. Das ist meine Vermutung. Es wird aber auch mehr geboten, was in anderen Schlagersendungen der Vergangenheit nicht mehr stattgefunden hat: Aufwendige Bühnenbilder, Dekorationen. Die Zielgruppe will das vermutlich sehen, sonst wäre die Quote nicht so hoch. Es gäbe viele Möglichkeiten, das auch außerhalb des "volkstümlichen Etiketts" zu machen, aber die Obrigkeiten lassen sich da zu wenig einfallen. Warum überhaupt alles so aufsplittern? Für mich ist im Prinzip alles Volksmusik. Bruce Springsteen ist Volksmusik, Abba im Prinzip auch – auf ihre Art und Weise!
Hat sich das Ansehen der volkstümlichen Schlagermusik gebessert?
Es hat sich schon etwas getan. Beispielsweise vor drei Jahren wurde beim Echo noch vereinzelt gepfiffen und das letzte Mal merkte man deutlich, dass mehr Akzeptanz da war. Aber insgesamt muss noch viel für Toleranz getan werden.
Klostertaler, aktuelle CD: "Mittendrin", erschienen bei Koch Universal, Die Powerband im Jubiläumsjahr: http://www.klostertaler.at (mit allen Tourdaten)
6. Juni 2006
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