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Update für die queeren Vampir*innen von Anne Rice
Die Serienadapation von "Interview with the Vampire" ist richtig gut, auch weil sie die Romanvorlage modernisiert. In der zweiten Staffel, die am Montag startet, versuchen Louis und Claudia, sich in Paris eine neue Existenz aufzubauen.

In der ersten Staffel von "Interview with the Vampire" war die blutsaugende Regenbogenfamilie noch vereint, doch am Ende wurde Lestat (Sam Reid, re.) von seinem Partner Louis (Jacob Anderson) und ihrer Tochter Claudia (Bailey Bass) getötet (Bild: AMC)
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12. Mai 2024, 05:14h 5 Min.
Als Anne Rices Roman "Interview with the Vampire" 1976 erschien, waren die Kritiken nicht sonderlich freundlich. Der Leserschaft war dies jedoch herzlich egal: Sie verschlang auch die Fortsetzungen mit Begeisterung, und "The Vampire Chronicles", wie die gesammelten Werke irgendwann getauft wurden, gehören heute längst zum klassischen Inventar der Fantasyliteratur.
Die amerikanische Schriftstellerin entwickelte den Vampirmythos clever weiter und erfand nicht nur eine überzeugende Historie für ihre untoten Blutsauger, sie schuf mit Lestat, Louis und ihrem Vampirkind Claudia auch komplexe, unsterbliche Figuren. Besonders bemerkenswert: Rice (1941-2021) baute bereits in ihrem ersten Roman ganz selbstverständlich Liebesbeziehungen zwischen männlichen Vampiren ein – zu einer Zeit, als sowas alles andere als üblich war.
Viele queere Fans
Das bescherte ihr von Anfang an viele queere Fans; und Rice setzte sich auch außerhalb ihrer Romane für LGBTI-Rechte ein. Dies verstärkte sich später noch, als ihr Sohn Christopher im Teenageralter sein Coming-out hatte. Es kann also nicht überraschen, dass die neue Serienadaption von "Interview with the Vampire" noch offenherziger queer ist als die Romanvorlage.
Auch sonst haben die Showrunner*innen einiges verändert und clever modernisiert. Die Geschichte startet nicht mehr am Ende des 18. Jahrhunderts, sondern zu Beginn des 20. Louis, die Hauptfigur des ersten Romans, ist kein weißer Plantagenbesitzer mit Sklaven, sondern Schwarzer Betreiber eines Bordells in New Orleans. Und das titelgebende Interview findet in einem luxuriösen Penthouse in Dubai und in der heutigen Zeit statt, wo der Vampir Louis jenem Journalisten seine Geschichte erzählt, den er – wie im Roman – einst als jungen Mann in den 1970er Jahren in San Francisco aufgegabelt hatte. Nur dass dieser inzwischen um 50 Jahre gealtert ist, während Louis noch immer gleich aussieht.
Neuerzählung der Geschichte

Die zweite Staffel von "Interview with a Vampire" startet am 13. Mai 2024 mit acht neuen Folgen exklusiv bei Magenta TV
Die Showrunner*innen folgen zwar der Vorlage in den großen Zügen, nehmen sich aber in den Details mit den Charakteren und der Handlung viele Freiheiten heraus. Derweil sich einige Buchfans damit schwertun, dürften viele andere genau das reizvoll finden: also die von Rice vor einem halben Jahrhundert erfundene Geschichte nochmals etwas anders neu erzählt zu bekommen.
In der Serie werden Louis (Jacob Andersen) und Lestat (Sam Reid) schon kurz nach ihrer ersten Begegnung in New Orleans ein Paar – während Mensch Louis mit seinen Gefühlen für den attraktiven Neuankömmling aus Frankreich noch etwas ringt, geht Vampir Lestat sehr zielgerichtet vor. Und scheut sich auch nicht, gelegentlich seine übernatürlichen Fähigkeiten einzusetzen. Als Louis klar wird, was Lestat ist, schockiert und fasziniert ihn das gleichermaßen. Und schließlich erlaubt er dem Vampir, ihn ebenfalls zu einem zu machen.
Die Beziehung erweist sich jedoch als nicht sonderlich harmonisch; Louis tut sich insbesondere schwer damit, Blut trinken und dafür Menschen verletzen oder töten zu müssen. Und wie es auch bei kriselnden Beziehungen unter Sterblichen ab und zu vorkommt, denkt sich Lestat, dass ein Kind vielleicht die Lösung sein könnte. So kommt Claudia (Bailey Bass / Delainey Hayles) ins Spiel.
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Eine Tochter für die gleichgeschlechtlichen Vampir-Eltern
Im Roman ist sie nur gerade fünf Jahre alt (so wie Rices Tochter bei ihrem Tod an Leukämie 1972), als Lestat sie zum Vampir macht und somit zu einem ewig kindlichen Aussehen verdammt. In der Serie ist sie eine Teenager*in – eine ganz andere, etwas weniger problematische Ausgangslage. Aber schon die ganz passable Filmadaption von 1994 mit Brad Pitt und Tom Cruise ging ähnlich vor; Claudias Darstellerin Kirsten Dunst war damals allerdings immerhin erst elf.
Doch auch die neue Tochter verbessert die Beziehung nicht, im Gegenteil. Die erste Staffel endet schließlich damit, dass Louis und Claudia versuchen, Lestat zu töten – sie mit Begeisterung, er eher zögerlich. Nach vollbrachter Tat verlassen sie New Orleans in Richtung Europa, wo gerade der Zweite Weltkrieg tobt.
Dort setzt nun die zweite Staffel ein, die am 13. Mai auf Magenta TV startet. Louis und Claudia schlagen sich mehr schlecht als recht durch die Kriegswirren in Osteuropa, auf der Suche nach anderen Vampir*innen. In der Hoffnung, von ihnen mehr über ihre Herkunft und Geschichte zu erfahren. Doch als sie endlich welchen begegnen, erweisen sich die als wenig hilfreich.
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Eine neue Liebe für Louis
Erfolgreicher sind sie im Nachkriegs-Paris, wo sie nicht nur auf eine ganze Gruppe von Vampiren stoßen, sondern verblüfft feststellen, dass diese sogar erfolgreich ein eigenes Theater betreiben. Mit ahnungslosen Menschen im Publikum, die glauben, es sei alles nur Show, was da auf der Bühne passiert. Claudia ist begeistert und möchte unbedingt mitspielen. Louis hingegen bleibt auf Distanz, entwickelt jedoch eine immer engere Beziehung zu Armand (Assad Zaman), dem Anführer des Vampirzirkels.
Allerdings verheimlichen Louis und Claudia bei all dem ihre wahre Geschichte und Herkunft, denn schon bald stellt sich raus, dass Lestat bei der Entstehung des "Théâtre des Vampires" einst eine zentrale Rolle gespielt hat. Zudem folgt die Gruppe strengen Regeln. Und eine davon besagt, dass auf das Töten eines anderen Vampirs die Todesstrafe steht. Doch ist Lestat wirklich tot?
Noch viele Bücher für weitere Staffeln
Wie schon die erste Staffel nimmt sich auch die zweite große Freiheiten heraus gegenüber der Vorlage, insbesondere mit Armand und dem Journalisten (Eric Bogosian), dem Louis seine Geschichte erzählt. Doch entsteht dabei eine spannende, reichhaltige Story, die dem Original durchaus ebenbürtig ist. Gelegentlich wird gar vorgegriffen auf Dinge, die Anne Rice erst in späteren Büchern thematisierte.
Bleibt zu hoffen, dass die Showrunner*innen Gelegenheit bekommen, auch diese zu adaptieren, denn mit der zweiten Staffel ist das erste Buch zu Ende erzählt. Das zweite, "The Vampire Lestat", fokussiert auf Lestats Geschichte, in der Louis nur am Rande vorkommt. Man darf gespannt sein, wie diese innovative, ausgezeichnete Serie damit umgeht.
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