https://queer.de/?49513
Argentinien
Buenos Aires: Drei Tote nach mutmaßlich queerfeindlichem Brandanschlag
In einer Armen-Unterkunft in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires attackierte ein Mann mitten in der Nacht zwei lesbische Paare mit einer selbstgebastelten Brandbombe. Drei Frauen starben an ihren Verbrennungen.

Das komplett ausgebrannte Zimmer nach der Attacke (Bild: Agencia Presentes)
- Von
14. Mai 2024, 06:58h 3 Min.
Die argentinische LGBTI-Community steht unter Schock. Am Sonntag vor einer Woche kam es zu einer grausamen Attacke auf vier lesbische Frauen in ihrer Unterkunft im Viertel Barracas. Ein männlicher Mitbewohner warf eine selbstgebastelte Brandbombe auf die schlafenden Frauen. Augenzeug*innen zufolge wollte sich der Mann anschließend selbst töten, was ihm aber nicht gelang. Drei Frauen starben an ihren schweren Verbrennungen, eine Person kämpft aktuell ums Überleben.
Viele queere Organisationen sehen in der Tat eine Folge zunehmender Angriffe auf die LGBTI-Community in argentinischen Medien und durch Politiker*innen. "Die Hassdiskurse seitens der Regierung, die auf sozialen Medien viralisiert werden, enden in echter Gewalt gegen queere Menschen", schreibt die Asamblea Barracas auf ihrem Instagram-Kanal. Die selbstorganisierte Nachbarschafts-Gemeinschaft lud für Montag zu einer Kundgebung ein. Der Brandanschlag sei kein Einzelfall, sondern Ausdruck zunehmender Queerfeindlichkeit, die durch die aktuelle Regierung von Präsident Javier Milei Aufwind erhalte.
Instagram / asambleadebarracas | Die selbstorganisierte Nachbarschaftsgemeinschaft rief für Montag zur Kundgebung auf
|
Die Aktivist*innen kritisieren außerdem, dass große Medien in Argentinien den Vorfall ignorieren. Einige berichteten zwar über den Anschlag, sprachen aber – wie etwa der große Sender TN – von einem "Streit unter Nachbarn". Das Medieninteresse halte sich in Grenzen, weil die vier Frauen unter prekären Umständen leben und armutsbetroffen sind. Die Journalistin Marta Dillon meinte in ihrem Podcast "Pasamos Todes": "Wären die Opfer vier Frauen der Mittelklasse und nicht lesbisch, wäre das mediale Interesse größer? Sehr wahrscheinlich ja."
● In der Nacht von Sonntag auf Montag, den 6. Mai 2024 greift ein Mitbewohner mit einer selbstgebastelten Bombe vier schlafende Frauen in ihrem Zimmer in Barracas an.
● Zwei lesbische Paare teilten sich das Zimmer.
● Pamela, das erste Opfer verstarb bereits wenige Stunden nach der Attacke an den Verletzungen.
● Roxana verstarb am Mittwoch darauf.
● Andrea, die am Sonntag verstarb, wurde zuvor mit 75 Prozent Verbrennungen in der Intensivstation behandelt.
● Die vierte Frau Sofia ist hospitalisiert, erholt sich langsam.
● Am Freitag, den 10. Mai fand eine erste Kundgebung mit rund 600 Teilnehmer*innen vor dem argentinischen Kongressgebäude statt.
● Am Montag, den 13. Mai fand eine weitere Kundgebung und Versammlung im Quartier Barracas statt.
Community geht von lesbenfeindlichem Motiv aus
Laut der argentinischen Zeitung "Página 12" lebten Roxana und Pamela seit eineinhalb Jahren in dem Zimmer in der Unterkunft. Seit einem Monat teilten sie sich das Zimmer mit Sofia und Andrea. Auch der mutmaßliche Täter lebte im "hotel familiar". So nennt man in Argentinien Unterkünfte, die oft von armutsbetroffenen Menschen genutzt werden, wenn sie sich keine eigenen Wohnungen leisten können. Bad und Küche werden jeweils geteilt. Mittlerweile lebt fast die Hälfte der argentinischen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, Tendenz steigend.
Beobachter*innen sehen in der Attacke klar ein lesbenfeindliches Motiv. Viele männliche Mitbewohner äußerten sich negativ zu den vier Frauen, die sich ein Zimmer teilten. "Warum schlafen vier Frauen allein in einem Zimmer, was soll das?".
Die Stadtregierung von Buenos Aires gibt sich nach außen gerne als "gayfriendly". Auf ihrer Tourismus-Website wirbt sie mit dem Slogan "Welcome to the LGBT capital of Latin America!". Effektiv wird aber zu wenig getan, insbesondere für den Schutz der marginalisierten queeren Menschen, wie der aktuelle Vorfall zeigt. Je marginalisierter die Identitäten, desto geringer das öffentliche Interesse.















